Bülach

Der Nachbar kommt auf Bestellung

Die Nachbarschaftshilfe Region Bülach bringt Freiwillige und Hilfesuchende zusammen. Der Verein ist ein Erfolgsmodell, wächst doch die Nachfrage auf beiden Seiten stetig.

Die beiden Frauen der ersten Stunde der Nachbarschaftshilfe, Vroni Strasser (links) und Alexandra Erbarth vor dem neuen Büro im Herzen der Altstadt.

Die beiden Frauen der ersten Stunde der Nachbarschaftshilfe, Vroni Strasser (links) und Alexandra Erbarth vor dem neuen Büro im Herzen der Altstadt. Bild: Paco Carrascosa

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Für Alexandra Erbarth gehören Besuche bei einsamen Personen zum Alltag. Und doch sagt sie: «Es erstaunt und betrübt mich immer wieder aufs Neue, wie isoliert viele Menschen mitten unter uns leben.» Nicht selten würden deren Tage einzig durch den Besuch der Spitex unterbrochen. «Ist dieser Besuch vorbei, warten die Menschen meist 24 Stunden auf den nächsten.»

Erbarth trägt dazu bei, diese lange Wartezeit wenigstens hin und wieder zu verkürzen. Seit fünf Jahren ist sie Koordinatorin der Nachbarschaftshilfe Region Bülach. Sie hat das Angebot von Beginn weg aufgebaut. Am Anfang war sie vom Trägerverein zu 20 Prozent angestellt. Mittlerweile reicht das nicht mehr. Heute arbeitet die gelernte Buchhändlerin im 50-Prozent-Pensum. Erbarth kann auf 80 Freiwillige zählen, rund ein Fünftel davon sind Männer. Diese Freiwilligen haben im vergangenen Jahr insgesamt 1540 Einsatzstunden geleistet (siehe Kasten), 400 Stunden mehr als im Vorjahr.

Punktuelle Einsätze beliebt

Hilfesuchende kommen oft von sich aus. Es geschieht aber auch, dass Angehörige, Spitex oder Kirchgemeinden melden, dass jemand Unterstützung brauchen könnte. «Fahren, Begleiten, Einkaufen, Spazieren oder Besuchen», fasst Erbarth die häufigsten Hilfeleistungen zusammen. Bei den Helfern seien punktuelle Einsätze besonders beliebt. Erbarths Hauptaufgabe ist es, zwischen Freiwilligen und Hilfesuchenden zu vermitteln. «Ich muss jeweils genau abklären und die gegenseitigen Erwartungen prüfen, sonst kann es schiefgehen», sagt sie. Deshalb führt sie mit jeder Person, die Hilfe sucht oder anbietet, zuerst ein Gespräch: «Dabei informiere ich beide Seiten über ihre Rechte und Pflichten.» Auch bei der ersten Begegnung ist sie, wenn immer möglich, dabei. «Ich merke jeweils schnell, ob die Chemie stimmt.» Wichtig ist ihr, dass Freiwillige das tun können, was ihnen entspricht. Unlängst habe sie einen jüngeren Mann zu einer Seniorin vermittelt, weil diese Schwierigkeiten mit der Steuererklärung hatte. «Am nächsten Tag hat mich der Mann angerufen, um mir zu danken. Das Treffen sei eine unglaublich bereichernde Erfahrung gewesen.»

Erbarth kann viele solche Erfolgserlebnisse erzählen. Und wenn es mal nicht rundläuft? «Dann wissen Freiwillige und Hilfesuchende, dass sie auf meine Unterstützung zählen können», sagt sie. Nicht vermittelt werden Dienstleistungen, die man auch gegen Bezahlung erhält, also beispielsweise Reinigungsarbeiten oder Aufgaben in der Pflege. Die Vermittlung ist gratis, allfällige Spesen trägt der Auftraggeber. Es sind nicht nur ältere Menschen, die unterstützt werden. Zu Erbarths Aufgaben gehört auch die Vermittlung von Babysittern. Gemeinsam mit dem Trägerverein plant sie, als Nächstes das Projekt «Leihgrosseltern» zu starten.

Jede Spende ein Lichtblick

In Sachen Nachbarschaftshilfe gehört Bülach zu den Pioniergemeinden. Träger der Nachbarschaftshilfe Region Bülach sind die Stadt Bülach, die Gemeinde Bachenbülach, die Reformierte und die Katholische Kirchgemeinde, der Gemeinnützige Frauenverein Bülach sowie Pro Senectute. «Dennoch ist unser finanzielles Polster auch fünf Jahre nach der Gründung äusserst knapp», sagt Vroni Strasser, Vertreterin des Frauenvereins im Vorstand. Man müsse spartanisch haushalten. Ein Lichtblick war deshalb jüngst eine anonyme Spende von 3000 Franken. «Sie hat ein Defizit abgewendet.» Ganz besonders freuen sich die Verantwortlichen darüber, dass sie vor kurzem ein hübsches kleines Büro an der Hans-Haller-Gasse 7 in der Altstadt beziehen konnten. Die Reformierte Kirchgemeinde vermietet es zu einem moderaten Preis. «Nun sind wir noch näher bei den Leuten», freut sich Erbarth, welche ihre Aufgabe bis dahin von zu Hause aus erledigt hat. Strasser hofft, dass dadurch noch mehr Hilfesuchende nach Unterstützung fragen. Denn die Schwellenangst sei vor allem bei jenen älteren Menschen hoch, die zeitlebens viel gegeben haben. Strasser pflegt diesen jeweils zu sagen: «Sie sind Ihr ganzes Leben für andere da gewesen. Nun dürfen Sie sich auch einmal helfen lassen.»


Informationen zur Nachbarschaftshilfe erteilt Alexandra Erbarth unter Telefon 079 795 72 03, jeweils am Dienstag von 9 bis 17 Uhr sowie am Mittwoch und Donnerstag von 9 bis zu 12 Uhr, Internet: www.nachbarschaftshilfebuelach.ch. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 13.06.2018, 18:00 Uhr

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