Bülach

Die Bibliothek braucht mehr Geld

Ende 2015 ist Bülachs Stadtbibliothek pleite. Jetzt soll das Parlament die Leistungsvereinbarung erneuern. Künftig ­sollen vor allem Nicht-Bülacher mehr für das Ausleihen zahlen. Doch die Sache hat einen Haken: Nutzer können das ­Abonnement anderswo günstiger beziehen.

Die Stadtbibliothek Bülach will ihre Einnahmen künftig um 10'000 Franken erhöhen.

Die Stadtbibliothek Bülach will ihre Einnahmen künftig um 10'000 Franken erhöhen. Bild: Keystone

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2014 hat die Stadtbibliothek Bülach ein Defizit von 15'200 Franken erwirtschaftet. Das für 2015 vorgesehene Minus ist mit 31'000 Franken doppelt so hoch. Bislang hat die Bibliothek ihr Defizit aus dem Eigenkapital bezahlt; doch dieses ist voraussichtlich per ­Ende 2015 aufgebraucht. Damit wäre die Stadtbibliothek Bülach nach dem 75. Jahr ihres Bestehens pleite, und der Betrieb müsste eingestellt werden.

Vor diesem Hintergrund hat der Stadtrat nun Antrag und Weisung zur Verlängerung der Leistungsvereinbarung für die Jahre 2016 bis 2020 zuhanden des Parlaments verabschiedet. Inhaltlich erfährt das Papier kaum Änderungen; allerdings soll der Betriebsbeitrag an die Bibliothek um 20'000 auf neu 186'000 Franken erhöht werden. Insgesamt belaufen sich die Bibliothekskosten für die öffentliche Hand, inklusive der kalkulatorischen Raummiete von 118 800 Franken, derzeit auf rund 280'000 Franken. Mit der «unumgänglichen» Erhöhung des Beitrags könne der Betrieb weiterhin aufrechterhalten, die Teuerung berücksichtigt und «sehr ­bescheidene Reserven gebildet» werden, schreibt die Behörde.

Nachbarn sollen mehr zahlen

Im Rahmen der neuen Vereinbarung hat die Bibliothek ihrerseits einen Beitrag zur Verbesserung ihrer finanziellen Lage zu leisten: So soll sie die Einnahmen um insgesamt 10'000 Franken erhöhen, «wobei auswärtige Benutzer einen wesentlich höheren Beitrag leisten sollten». Gemäss Stadtrat nutzen derzeit 1650 Bülacher und 200 Auswärtige das Angebot; der Jahresbericht geht indessen von 2024 aktiven Benutzern aus.

Wie hoch die neuen Tarife ausfallen werden, steht derzeit noch nicht fest. «Das liegt in der Zuständigkeit der Bibliothekskommission», sagt Bibliotheksleiterin Barbara Keuzenkamp. Aus Sicht des Stadtrats wird mit einer Mehrbelastung der auswärtigen Kundschaft der Motion der SVP/EDU-Fraktion des Gemeinderats von 2013 Rechnung getragen. Mit dem Vorstoss wurde verlangt, dass sich die vier Kreisgemeinden Bachenbülach, Hochfelden, Höri und Winkel stärker an der Finanzierung zentralörtlicher Leistungen beteiligen.

Ob durch teurere Abos tatsächlich mehr Einnahmen generiert werden können, muss sich erst weisen. Denn die Stadtbibliothek ist Mitglied beim Mediopass-Verbund. Das ermöglicht nicht nur Höremern oder Bachenbülachern, sondern auch den Bülachern selbst, ihr Abo bei einer ­anderen, günstigeren Verbunds­bibliothek zu lösen (siehe Kasten). Dass die Stadtbibliothek dar­um plötzlich keine Kunden mehr haben könnte, davor habe man keine Angst, sagt Keuzenkamp. Der eingesparte Betrag sei für die meisten zu gering, als dass sich der Aufwand lohnen würde. «Unsere Erfahrung zeigt, dass wir viele Leute aus den Kreisgemeinden hier bei uns als Kunden haben, da unser Angebot und unsere Dienstleistungen im Herzen der Stadt sehr geschätzt werden. Und auch die Glow-Bibliotheken, die den Verbund ins Leben riefen, hätten in den zwei Jahren Pilotphase keine anderen Erfahrungen gemacht.» Dass es zwei, drei «schwarze Schafe» geben könnte, das mag die Bibliotheksleiterin zwar nicht ausschliessen, aber: «Wenn wirklich mal jemand mit einer Karte einer anderen Bibliothek all seine Medien nur bei uns ausleiht, so haben wir immer noch die Möglichkeit, ihn dar­auf anzusprechen und ihn zu ermuntern, das Abo doch bei uns zu lösen.»

Abo hier, Ausleihen anderswo – das sei sicher nicht die Idee der Sache, sagt Brigitte Meister vom Bibliotheksteam in Dietlikon; aber ja, es werde zuweilen praktiziert. «Als man das Verbundssystem eingerichtet hat, diskutierte man über eine einheitliche Gebührenregelung. Dass man sich am Ende nicht einigen konnte, führte zur heutigen Si­tua­tion.»

Sparen mit Self-Scanning

Neben Mehreinnahmen soll die Stadtbibliothek Bülach weitere 10'000 Franken beim Personal einsparen. So wie die Kunden bei Migros ihre Einkäufe heute selber scannen können, soll auch die Bibliothek ein Self-Scanning-­System einführen. Für diese Anschaffung wäre ein Kredit von 35'000 Franken nötig. Die jährlichen Unterhaltskosten werden in der Weisung mit 2300 Franken ausgewiesen, die allerdings vollumfänglich durch die Bibliothek getragen werden sollen.

Der Stadtrat hält in der Weisung fest, dass man «die gute ­Zusammenarbeit mit der Lese­gesellschaft und der Bibliothekskommission sehr schätzt» und dass man «ein grosses Interesse an einer professionell betriebenen Stadtbibliothek hat». Über die neue Leistungsvereinbarung wird das Parlament zu befinden haben.

Erstellt: 29.04.2015, 08:31 Uhr

In Bülach sind auch Abokarten aus Wangen-Brüttisellen gültig

Die Stadtbibliothek Bülach ist Teil des Mediopasses, eines Verbunds von derzeit 12 Zürcher Stadt- und Gemeindebibliotheken, die mit Ausnahme von Dübendorf und Wangen-Brüttisellen alle im Unterland liegen. Wer eine Abokarte von einer dieser Bibliotheken besitzt, hat damit auch Zugriff auf das Angebot der übrigen elf Bibliotheken.

Je nach Gemeinde variieren die Preise für ein Jahresabonnement ganz beträchtlich: In Bülach kostet die Karte für einen Erwachsenen derzeit 60 Franken (mit DVDs) – für Auswärtige sogar 70 Franken. Und ginge es nach dem Stadtrat, würden diese Tarife 2016 noch ansteigen. In den Glow-Gemeinden, die den Mediopass einst ins Leben gerufen hatten, wird deutlich weniger bezahlt: Bassersdorf, Kloten und Opfikon verrechnen 40 Franken für ein Abo, Dietlikon 35 Franken, in Wangen-Brüttisellen ist man schon mit 25 Franken dabei – und diese Tarife gelten auch für Auswärtige.

Damit lässt sich Geld sparen: Weil die Karte unabhängig vom Bezugsort in allen Verbunds­bibliotheken akzeptiert wird, sind hinsichtlich des Angebots alle Karten gleichwertig. Das heisst: Ein Höremer, der einmal pro Jahr nach Brüttisellen fährt, um dort ein Jahresabo zu lösen, kann seine Bücher, DVDs und CDs das ganze Jahr über ausschliesslich in Bülach beziehen. Er spart (derzeit) 45 Franken (oder 64 Prozent). Pikant: Auch die Bülacher selbst können auf diese Weise die Jahresgebühr für die Nutzung ihrer eigenen Stadtbibliothek senken.

Zwar haben nicht alle Bibliotheken des Verbunds dasselbe Angebot, dieselben Mahngebühren oder dieselben Zusatzgebühren (etwa für Blu-ray Discs o. Ä.). Aber wie der Mediopass-Verbund in einem Memo selber unterstreicht, gelten immer die Regelungen der jeweiligen Bi­bliothek, in der man Medien ausleiht – völlig unabhängig vom Bezugsort der Abokarte. Damit dürften sämtliche Nutzer der Bülacher Stadtbibliothek der vom Stadtrat angedrohten Gebührenerhöhung gelassen entgegenblicken. (flo)

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