Bülach

Die Swiss fliegt ein Alpenabenteuer

An der Ski-WM in St. Moritz wird die Swiss das WM-Gelände am Corviglia nur 300 Meter vom Boden entfernt überfliegen. Auf die spektakuläre Flugshow mitten durch die Täler und Gipfel der Alpen haben sich die drei fliegenden Piloten stundenlang im Simulator vorbereitet. Am Wochenende gilt es ernst.

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Die Sicht aus dem Cockpit ist atemberaubend. Nur gerade einmal 800 Meter trennen die Flügelspitze der Swiss-Maschine des Typs Bombardier CS100 vom Piz Nair in Graubünden, der sich links neben dem Fenster auftürmt. Bei einer Geschwindigkeit von rund 400 Stundenkilometern lässt Captain Robert Emeri die Flügelspitze abkippen, um eine Linkskurve um den Gipfel zu fliegen, von wo aus die Abfahrtsstrecke an der Ski-WM in St. Moritz beginnt.

300 Meter über Boden rauscht die rund 44 Tonnen schwere Maschine über den Hang und nimmt Kurs auf den St. Moritzersee. Emeri drückt den Schubregler in der Mittelkonsole etwas nach vorne und gibt so den Triebwerken mehr Kraft, um die Maschine in einen Steigflug zu bringen. Denn für das, was als Nächstes kommt, braucht er ein wenig Raum: Sechs Kampfjets des Typs Tiger von der Kunstflugstaffel Patrouille Suisse stossen zu Emeri und seiner Swiss-Maschine dazu, um im Formationsflug erneut Kurs auf die Abfahrtsstrecke zu nehmen.

Militärerfahrung hilft auf dem Flug durch die Bergtäler

Ein paar Minuten später bleibt die Maschine plötzlich in der Luft stehen. Emeri lächelt zufrieden, beim Testflug im Simulator von Swiss Aviation Training in Kloten hat alles gut funktioniert. Emeri ist 57 Jahre alt und wohnt in Bülach. Bei den Überflügen in St. Moritz ist er der Mission Commander – und der Mann am Sidestick, der die Maschine fliegt. Neben ihm wird Andres Müller sitzen, sein Co-Pilot. Anders als bei einem normalen Linienflug sitzt hinter den beiden noch ein dritter Pilot: Ivo Vogel beobachtet und interveniert, falls nötig.

In St. Moritz wird nach dem Lauberhorn-Trainingsflug erst zum zweiten Mal ein Überflug mit einer CS100 und der Patrouille Suisse durchgeführt. «So ein Display ist ein absolutes Highlight», sagt Müller, der sich sichtlich auf die vier Flüge von Donnerstag bis Sonntag freut. Für die Spezialflüge ausgewählt zu werden, ist für die drei Männer eine grosse Ehre. «Wir sind uns bewusst, dass die Welt zuschaut. Und jeder sieht, dass ‹Swiss› auf unserem Flugzeug steht. Der Flug muss auch deswegen perfekt vorbereitet sein.»

Die Swiss hat deshalb Piloten ausgewählt, die zu den Ersten ­gehörten, die das Handling der CS100 gelernt haben. Diesen Flugzeugtyp hat die Swiss erst im letzten Sommer in die Flotte eingeführt. Emeri, Müller und Vogel haben zudem jahrelang Militärflugzeuge geflogen. «Das hilft uns. Denn zwischen den Bergen fliegen wir nach Sicht und nicht nach Instrumenten wie bei einem normalen Flug», erklärt Emeri.

Die Militärerfahrung ist aber auch für den Formationsflug mit den Kampfjets von Vorteil. «Wenn wir uns per Funk unterhalten, wissen wir zum Beispiel, was ‹Querlage ­Lilli› bedeutet», sagt Emeri schmunzelnd. Und erklärt: «Querlage Lilli» heisst, dass sich das Flugzeug nach links neigt, um eine Kurve zu fliegen. Die Angabe ist für die Militärpiloten in den Tigers wichtig, um ihre Position im Verband anpassen zu können.

Sicherheitssystem schweigt, weil es ständig warnen würde

Der Flug über das Gebiet der Ski-WM wird nur zwölf Minuten dauern. Emeri, Müller und Vogel haben dafür aber bereits Stunden im Simulator trainiert und sich seit November darauf vorbereitet. «Wir müssen spezielle Einstellungen am Flieger vornehmen», sagt Müller. Ein Beispiel: Die Piloten werden jenes System ausschalten, welches sie warnt, wenn ein anderes Flugzeug zu nahe fliegt – denn dies wäre im Verband mit den Kampfjets ja ständig der Fall. Da der Luftraum im Gebiet während rund einer halben Stunde für alle anderen Flugzeuge gesperrt wird, besteht diese Gefahr in diesem Fall nicht.

Nicht simuliert werden kann die Patrouille Suisse, bisher ­haben Emeri, Müller und Vogel ihr Programm am virtuellen Himmel nur alleine geflogen. Ein erstes Mal ernst gilt es deshalb am Donnerstagnachmittag. Dann starten Emeri, Müller und Vogel zum ersten richtigen Trainingsflug. Am Samstag um 11 Uhr folgt dann die grosse Show vor dem Publikum am Corviglia.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 07.02.2017, 21:51 Uhr

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