Kloten

Ein Schuster legt seine Leisten beiseite

Ende Monat verlässt Hansjörg Meier seine Schuhmacherwerkstätte an der Schaffhauserstrasse. Während 48 Jahren hat er dort seine Kunden beraten und ihre Schuhe repariert.

Auch nach langem Suchen hat Hansjörg Meier keinen Nachfolger gefunden.

Auch nach langem Suchen hat Hansjörg Meier keinen Nachfolger gefunden. Bild: Olav Brunner

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Schon Hansjörg Meiers Vater arbeitete im Kanton Thurgau als gelernter Schuhmacher. 1954 zog die Familie nach Kloten und eröffnete ein Schuhmacher-Geschäft in der alten Gerbi. Sohn Hansjörg absolvierte nach seiner Schulzeit eine vierjährige orthopädische Schuhmacherlehre oberhalb des Kreuzplatzes in Zürich. Nach der Lehre und der Rekrutenschule als Füsilier arbeitete er in Davos, beim Skischuhhersteller Heierling. In Handarbeit wurden dort exklusive Skischuhe gefertigt und angepasst.

Ins väterliche Geschäft trat Hansjörg Meier 1973 ein. «In den besten Zeiten beschäftigten wir drei bis vier Angestellte. Es gab damals weniger Maschinen und dadurch mehr Handarbeit», erinnert sich der Fachmann. Durch den Besuch von Kursen erlangte Meier auch die Bewilligung, Militärschuhe zu reparieren. Zum Geschäftsverlauf stellt er fest: «Schuhe aus Billiglohnländer werden heute nicht mehr zur Reparatur gebracht, man wirft sie weg und kauf sich neue.»

Der EHC-Kloten-Fan verpasst kaum ein Spiel

In Kloten leistete Meier Feuerwehrdienst und stieg vom Piketchef zum Oberkommandant auf. Während acht Jahren gehörte er dem Gemeinderat an. Noch immer verpasst Hansjörg Meier kaum ein Spiel des EHC Kloten. Und seit vielen Jahren pflegt er auch die Hockeyschuhe der Spieler. In seiner Werkstatt reparierte Meier nicht nur Schuhe, sondern er passte seinen Kunden auch orthopädische Schuheinlagen an.

«Schuhe aus Billiglohnländern werden heute nicht mehr zur Reparatur gebracht, man wirft sie einfach weg und kauft neue.»Hansjörg Meier

Ende Monat nun geht Hansjörg Meier im Alter von 72 Jahren in Pension. Trotz fünfjähriger Suche hat er keinen Nachfolger gefunden. Damit verschwindet ein weiterer Dienstleistungsbetrieb aus Kloten. Kundin Margrit Gut aus Birchwil bedauert die Schliessung des Geschäfts und die persönlichen Beratung durch Hansjörg Meier: «Leider verdrängen die grossen Konzerne immer mehr die kleine Geschäfte».

Wandern, Velofahren und für die Familie kochen

Langweile wird bei Hansjörg Meier nicht aufkommen. Im nächsten Monat will er aufräumen. Ein Teil der Maschinen gibt er nach Winterthur. Eine bleibt in Kloten und kommt im Sportgeschäft Ochsner zum Einsatz. Dort wird Meier Sportlerschuhe und weiterhin die Hockeyschuhe der EHC-Spieler pflegen.

Auch wird ihm mehr Zeit bleiben zum Velofahren, Wandern und zum kleine Skulpturen aus Holz und Stein herstellen. «Und am Wochenende werde ich in der Küche stehen und für meine Familie kochen» freut er sich bereits jetzt. Am Schluss zeigt er sich noch dankbar, dass ihm seine Kunden über all die Jahre so treu waren.

Erstellt: 12.02.2019, 16:31 Uhr

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