Bachenbülach

Ein Stück russische Heimat

Oxana Häberli betreibt seit kurzem in Bachenbülach eine russische Spielgruppe. Sie möchte dazu beitragen, dass Kinder Sprache und Kultur ihrer Eltern nicht verlieren.

Spielerisch macht Lehrerin Elena Eggger (rechts) die Kinder mit dem kyrillischen Alphabet vertraut. Oksana Häberli, Betreiberin der Spielgruppe, hilft ihr dabei.

Spielerisch macht Lehrerin Elena Eggger (rechts) die Kinder mit dem kyrillischen Alphabet vertraut. Oksana Häberli, Betreiberin der Spielgruppe, hilft ihr dabei. Bild: Sibylle Meier

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Auf dem Boden verteilt liegen Karten mit kyrillischen Buchstaben. Die Reihe ist an Henry: Er greift eine Karte, spricht erst den Buchstaben aus, dann kehrt er die Karte. Das Bild auf der Rückseite zeigt einen Schmetterling. «Babotschka» spricht Henry richtig aus - er darf die Karte behalten.

«Mit diesem Spiel machen wir die Kinder mit den Buchstaben vertraut und erweitern gleichzeitig ihren Wortschatz», sagt Oxana Häberli. Sie ist Gründerin und Betreiberin der Bachenbülacher Spielgruppe «KidiRu». Das neue Angebot richtet sich aber nicht etwa an ambitionierte Eltern, die ihre Jüngsten fördern und auf die globale Zukunft vorbereiten möchten. Es geht vielmehr darum, dazu beizutragen, dass Kinder aus Familien mit mindestens einem russischsprachigen Elternteil die Verbundenheit zur Kultur aufrechterhalten.

Alles beruht auf Sprache

Oksana Häberli stammt aus Tomsk, einer Stadt im Westen Sibiriens. Mit ihren Söhnen Henry und Joel spricht sie Russisch, mit ihrem Mann Deutsch. Henry besucht den zweiten Kindergarten im Quartier. Früher fuhr seine Mutter einmal pro Woche eine halbe Stunde mit dem Zug von Bülach nach Winterthur in die nächstgelegene russische Spielgruppe.

«Sprache und Kultur sind das einzige, was wir aus unserer russischen Heimat mitgebracht haben und mit unseren Kindern teilen können», sagt sie. Märchen, Folklore-Geschichten, Lieder, Gedichte: All dies beruhe auf Sprache. Und dann sind da noch die russischen Feste. Auch diese möchte sie gemeinsam mit Joel und Henry feiern.

Auf einem Spaziergang entdeckte sie die Räume einer englischsprachigen Spielgruppe in Bachenbülach. «Ich erkundigte mich, ob ich mich da einmieten könnte.»

Noch nicht sehr bekannt

Seit August betreibt sie dort nun ihre eigene russische Spielgruppe: «Derzeit könnten wir noch einige Kinder aufnehmen, das Angebot muss sich in der Region erst noch rumsprechen.» Am Montagvormittag kommen die Ein- bis Dreijährigen zum Spielen. Am Freitag sind die Kindergartenkinder dran.

«Sprache und
Kultur sind das

einzige, was wir aus unserer russischen Heimat mitgebracht haben.»
Oksana Häberli, Spielgruppenbetreiberin

Dann erhält Oxana Häberli Unterstützung von Elena Egger. Sie ist ausgebildete Pädagogin. Sie macht Spiele, singt, tanzt und bastelt und führt die Kinder ganz nebenbei in die Welt der kyrillischen Buchstaben ein. Das Unterrichtsmaterial besorgt sich in ihrer Heimat oder in Deutschland.

Überall ganz vorne mit dabei ist an diesem Nachmittag Kindergärtler Jack (Name geändert). «Hier ist der einzige Ort, an dem er Russisch sprechen will», sagt seine Mutter. Familiensprache sei Englisch, im Kindergarten werde Deutsch gesprochen. «Weil wir als Familie regelmässig in meine Heimat reisen, ist es wichtig, dass Jack sich dort verständigen kann.»

Facebook in Kyrillisch

Elena Egger hat selber zwei Kinder, der älteste Sohn ist 19. «Er ist heute froh, dass er das kyrillische Alphabet beherrscht. Das erlaubt es ihm, mit seinen Kollegen in der Ukraine über die sozialen Netzwerke zu kommunizieren.» Damit Henry, Jack und Joel das auch einmal können, werden sie vermutlich nach Schuleintritt ein paar Stunden in der Woche die Kurse in heimatlicher Sprache und Kultur besuchen. Solche Kurse werden an rund einem Dutzend Standorten im Kanton Zürich angeboten.

Erstellt: 11.10.2019, 15:35 Uhr

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