Opfikon

Eine Wurst als Brücke über den Röstigraben

Das Treberfest in den Familiengärten Hauächer gilt bereits als Geheimtipp. Im Mittelpunkt steht die Treberwurst.

Manuela Bührer serviert die Treberwurst ohne Senf, «sonst verdirbt man ja den Gout!»

Manuela Bührer serviert die Treberwurst ohne Senf, «sonst verdirbt man ja den Gout!» Bild: Paco Carrascosa

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Bereits bei der Ankunft in den Familiengärten Hauächer in Opfikon kam einem dieser ungemein würzige Duft entgegen. Mit dem Bodennebel, der sich am Samstagmorgen auf dem Gelände breit gemacht hatte, vermischte sich heisser Dampf aus zwei ehrwürdigen alten Militärkesseln, umgangssprachlich auch «Gulaschkanonen» genannt.

An der Kelle wie schon seit eh und je – sprich 18 Jahren – die kochenden Mannen des Vereins Glattchuchi. Zusammen mit der Rebberg Genossenschaft Opfikon zeichneten sie sich verantwortlich für das diesjährige Treberfest. Und dabei warteten sie mit einer kulinarischen Köstlichkeit auf: mit der nach Originalrezeptur hergestellten und traditionell gekochten Treberwurst.

Ein Schnaps fürs Aroma

«Die Opfiker Treberwurst steht ihrem Original, der Waadtländer Saucisson, in nichts nach», erklärte Dominik Roos, Mitglied des Vereins Glattchuchi. Er blinzelte dabei dem Glattbrugger Metzger Franz Arnold zu. Letzterer hatte die 400 Treberwürste höchstpersönlich abgeliefert. Sein Aufwand: Zunächst rund vier Stunden bis die Wurst als solche entstanden ist, danach wird sie während vierer Tage kalt geräuchert. Bei diesem Vorgang wechseln sich Räucher- und Frischluftphasen ab.

Das Wort Treber stammt von Trester, was soviel heisst wie «während der Destillation ausgepresste Weintrauben» bedeutet. In diesem Tresterschnaps, auf französisch Marc genannt, liess Dominik Roos nun die 8er-Bündel Treberwürste eine Stunde lang garen. So erhielten sie ihr spezielles Aroma.

Mit dieser Art der Zubereitung erhitzten früher die Winzer und ihre Arbeiter im Weinberg ihre Wurst in der Winterzeit. Im Waadtland wird die Saucisson in den Restaurants während der Brennsaison von Januar bis März angeboten. Als eine ganz besondere Köstlichkeit gilt unter Kennern das Flambieren der Wurstscheiben mit Marc, wie Hansruedi Hottinger, Präsident der Rebberg Genossenschaft Opfikon erklärte.

Hiesige Kulinarik

Im Festsaal der heuer um ein Partyzelt erweitert wurde, servierte die 27-jährige angehende Betriebsökonomin Manuela Bührer am Laufmeter die bereits geschnittenen Treberwürste. «Natürlich ohne Senf, sonst verdirbt man den Gout», rief die FDP-Gemeinderätin. Spätestens jetzt kam für die Besucher der Zeitpunkt, wo das Geheimnis um den Inhalt des zweiten Dampfkochkessel gelüftet wurde. Als Beilage servierten die fleissigen Helfer nämlich eine Chabis-Gemüsebeilage, die mit Zwiebeln, Karotten und Kartoffeln aufgewertet wurde. «Wir sind stolz darauf, den Besuchern hiesige Kulinarik anbieten zu können, auch wenn wir ännet dem Röstigraben etwas abgeschaut haben», schmunzelte Hottinger. Sämtliches Gemüse und Zutaten wie Schweine- und Rindsfleisch stammen zudem aus dem Zürcher Unterland.

Sehen lassen konnte sich auch die Opfiker Weinliste. Unter all den edlen Tropfen ist bei den Besuchern der Barrique sehr gut angekommen. Aus 1100 Rebstöcken gewinnt die Rebberg Genossenschaft auch einen Rosé und einen Regent, dazu einen Traubenbrand, «der im Süden Grappa genannt wird», wie Hottinger sagte. Der Wein werde beim Rafzer Peter Baur gekeltert. Für 2018 erwartet der Genossenschaftspräsident den «möglicherweise besten Jahrgang».

Erstellt: 03.02.2019, 16:22 Uhr

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