Bülach

Ex-Kommandant beschäftigt Regierungsrat

Heute hat Daniel Anrig, der ehemalige Kommandant der Schweizergarde, seinen ersten Arbeitstag als Chef der Stabsabteilung der Flughafenpolizei. Die Hintergründe seiner Anstellung werden indes noch den Regierungsrat beschäftigen.

Sieben Jahre lang war Daniel Anrig Kommandant der Schweizergarde. Jetzt ist er neuer Chef der Stabsabteilung der Flughafenpolizei. Zu den Hintergründen seiner Anstellung ist im Kantonsrat eine Anfrage hängig.

Sieben Jahre lang war Daniel Anrig Kommandant der Schweizergarde. Jetzt ist er neuer Chef der Stabsabteilung der Flughafenpolizei. Zu den Hintergründen seiner Anstellung ist im Kantonsrat eine Anfrage hängig. Bild: Keystone

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Daniel Anrig, der ehemalige Kommandant der Schweizergarde im Vatikan, hat heute seinen ersten Arbeitstag an seinem neuen Arbeitsplatz. Er ist der neue Chef der Stabsabteilung der Flughafenpolizei. Sieben Jahre lang hatte Anrig zuvor das Kommando über rund 110 Gardisten im Vatikan inne. Seine neue Anstellung könnte in Zukunft indes noch zu reden geben. Zwei Kantonsräte haben beim Regierungsrat eine Anfrage eingereicht, in welcher sie genauer wissen wollen, unter welchen Umständen Anrig zu seinem neuen Job gekommen ist.

Eine umstrittene Person

Daniel Rudolf Anrig, 1972 in Walenstadt geboren, ist kein Unbekannter. Papst Benedikt XVI. ernannte den Juristen 2008 zum 34. Kommandanten der Päpstlichen Schweizergarde. Wie im Vatikan üblich, bekleidete Anrig für fünf Jahre dieses Amt, 2013 wurde seine Amtszeit verlängert. Überraschend wurde dann im Dezember 2015 bekannt, dass Anrig seinen Posten auf Geheiss des neuen Papstes Franziskus vorzeitig abgeben muss, sein Vizekommandant hat ihn abgelöst.

Über die Gründe für diesen Personalentscheid wurde in den italienischen Medien in der Folge ausgiebig spekuliert. Der militärische Führungsstil Anrigs habe dem Papst nicht behagt, hiess es etwa. Wenig goutiert worden sei auch die grosse Wohnung, die sich der Kommandant über der Kaserne der Schweizergarde eingerichtet hatte. Bekannt ist, dass der Papst selbst die Garde offenbar modernisieren will, laut Gerüchten will er unter anderem erreichen, dass auch einfache Gardisten heiraten können. Bisher kann nur das Kader der Garde heiraten. Anrig selbst wollte über die Gründe seiner vorzeitigen Entlassung nicht spekulieren. In einem Interview mit dem «Bund» sagte er lediglich, dass der Papst frischen Wind in die Garde bringen wolle.

Kantonsräte wollen Klarheit

Es war denn auch nicht Anrigs Job als Kommandant, für welchen er in der Schweiz in die Schlagzeilen geraten war. Sondern viel mehr seine Vergangenheit als Chef der Kriminalpolizei Glarus. Deren Leiter war Anrig am 3. Juli 2003, an dem Tag, als Polizisten einer Glarner Sondereinheit – in dunklen Overalls getarnt und somit nicht als Polizisten erkennbar – zwei Asylunterkünfte in Ennenda und Linthal stürmten. Während des Einsatzes wurden Asylbewerber mit Kabelbindern gefesselt, ausserdem wurden ihnen Kapuzen über die Köpfe gezogen. In der Folge wurden die Asylbewerber teilweise nackt fotografiert. Ihnen war bis zu dem Zeitpunkt unklar, dass es sich bei dem Überfall um einen Polizeieinsatz handelte. Dieser dauerte mehrere Stunden an, erst nachdem ein Vertreter des Roten Kreuzes intervenierte, wurden die Bedingungen gelockert.

Nachdem Details des Einsatzes publik geworden waren, erhob sich in den Medien ein veritabler Sturm der Entrüstung. Die Kantonspolizei Glarus erstattete in der Folge Strafanzeige wegen Amtsmissbrauchs gegen sich selbst. Die Ermittlungen in diesem Fall wurden später zwar eingestellt, der zuständige Untersuchungsrichter auferlegte einen Teil der Prozesskosten aber der Kantonspolizei Glarus.

Vor diesem Hintergrund haben die Kantonsräte Markus Bischoff und Manuel Sahli (beide AL) Anfang Juni eine Anfrage an den Regierungsrat eingereicht. Unter anderem wollen sie wissen, welches die Aufgaben von Anrig als Chef der Stabsabteilung der Flughafenpolizei seien, und ob Anrig auf dem Berufungsweg oder im Rahmen eines ordentlichen Bewerbungsverfahrens angestellt worden sei. Die beiden Kantonsräte möchten zudem wissen, ob Anrig während des Bewerbungsverfahrens zum Vorfall in Glarus befragt worden sei, und falls ja, warum er trotz dieses Vorfalls angestellt worden sei. «Für mich ist es zweifelhaft, dass jemand für diesen Job geeignet ist, der sich in einem Verfahren wegen Amtsmissbrauchs verantworten musste», sagt Manuel Sahli dazu.

Keine operative Abteilung

Wegen der hängigen Anfrage kann die Kantonspolizei zurzeit keine Auskünfte zu Anrig geben. Die Flughafen-Stabsabteilung sei indes die kleinste der vier Abteilungen in der Flughafenpolizei. Sie übernehme Querschnittfunktionen wie Einsatzunterstützung, Planung und Technik für die anderen drei Abteilungen, die im Gegensatz zur Stabsabteilung im operativen Bereich tätig sind, teilt die Kantonspolizei mit.

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Erstellt: 30.06.2015, 21:03 Uhr

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