Flughafen

Fast alle Himmelsrichtungen bekämpfendas neue Betriebsreglement des Flughafens

Die Gemeinden nördlich, westlich und südlich des Flughafens erheben Einsprache gegen die neuen Regelungen. Einzig im Osten versprechen sich die Gemeinden mit den geänderten Flugrouten eine Entlastung.

Aus welcher Richtung und zu welcher Uhrzeit am Flughafen gestartet und gelandet wird, ist im neuen Betriebsreglement festgehalten.

Aus welcher Richtung und zu welcher Uhrzeit am Flughafen gestartet und gelandet wird, ist im neuen Betriebsreglement festgehalten. Bild: Archivfoto: Urs Jaudas

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Gegen die neuesten Änderungen des Betriebsreglements 2017 der Flughafen Zürich AG wurden fristgerecht zahlreiche Einsprachen beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) erhoben. Absender sind unter anderen der Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (SBFZ), die IG Nord, das Fluglärm Forum Süd oder Baden Regio.

Im neuen Betriebsreglement 2017 geht es in erster Linie um die Entflechtung der Abflugrouten nach Westen sowie um die Einführung von Südstarts geradeaus. Zweitens hat der Flughafen dem Bazl neue Berechnungen zur Lärmbelastung in der Nacht vorgelegt. Und drittens hat der Flughafen beim Bazl ein Gutachten eingereicht, bei dem es um eine Vorverlegung der letzten Starts und Landungen am Abend geht. Diese drei Verfahren wurden vom Bazl gebündelt. Die Gesuchsunterlagen lagen bis Dienstag öffentlich auf. Dann lief auch die Einsprachefrist ab.

Schutzverband hinterfragt Gutachten

Wie der Schutzverband, der 58 Mitgliedergemeinden aus allen Himmelsrichtungen zählt, in einer Mitteilung schreibt, solle das besagte Gutachten belegen, dass eine Vorverlegung des letzten fahrplanmässigen Starts spätabends um lediglich 15 Minuten eine Verringerung der Wirtschaftsleistung von jährlich 1,2 Milliarden Franken zur Folge hätte. «Diese Schlussfolgerung des Gutachtens glaubt wohl niemand im Ernst», heisst es in der Mitteilung. Leider würden darin auch konstruktive Ansätze fehlen, wie gegen den überbordenden Lärm angegangen werden könnte. Zudem wurde das Gutachten im Auftrag der Flughafen Zürich AG von einer Firma erstellt, die seit vielen Jahren für diese Auftraggeberin arbeite. Die Experten seien von der Bestellerin des Gutachtens somit ganz offensichtlich wirtschaftlich nicht unabhängig.

Norden wirft Flughafen Salamitaktik vor

Die IG-Nord, welche 12 Gemeinden aus den Kantonen Zürich und Schaffhausen umfasst, hatte bereits 2018 gegen das Betriebsreglement 2017 sowie die Festlegung der zulässigen Fluglärmimmissionen Einsprache erhoben. An diesen hängigen Verfahren hält die IG-Nord fest und sie erhebt darüber hinaus Einsprache gegen das neu aufgelegte Gesuch. «Wir wehren uns dagegen, dass die Lärmbelastung im Norden des Flughafens insbesondere in den sensiblen Randstunden zementiert und teilweise ausgebaut werden soll», sagt Hanspeter Lienhart, Präsident der IG-Nord.

In den bereits eingereichten Einsprachen zum Betriebsreglement 2017 und zur Festlegung der zulässigen Fluglärmimmissionen in der Nacht hat die IG-Nord von einer Verschärfung der Fluglärmproblematik am Abend und in der Nacht gewarnt. Darin sehe sich die IG-Nord durch das neuaufgelegte Gesuch leider bestätigt. Denn zwischenzeitlich wurden die zulässigen Grenzwerte bereits wieder korrigiert und der Flughafen hat Berechnungen für die Planungswerte in den Nachtstunden nachgereicht. «Es kann nicht sein, dass der Flughafen mit einer Salamitaktik in der Nacht noch mehr Leute mit noch mehr Lärm beschallt. Wir erwarten stattdessen Lösungen, um das Verspätungsproblem und den Lärm in der Nacht in den Griff zu bekommen», so Lienhart.

Westen spricht sich gegen Starts von Piste 28 aus

Im Westen des Flughafens ist der Planungsverband der Region Baden aktiv geworden. 26 Gemeinden des Bezirks Baden gehören der Organisation an. Die Einsprache richtet sich gegen die Starts von 6 bis 22 Uhr, welche prioritär auf Piste 28 geplant sind. Die Abflüge führen via Furttal über das Limmattal, den Rohrdorferberg und das Reusstal. «Es handelt sich um ein Gebiet, das bereits heute dicht besiedelt ist und über weiteres hohes Entwicklungspotenzial verfügt», heisst es in einer Medienmitteilung des Verbandes. Speziell die Inbetriebnahme der Limmattalbahn im Jahr 2022 bis Killwangen – und später weiter bis Baden – werde das Wachstum zusätzlich fördern und noch mehr Menschen betroffen machen.

Süden wehrt sich erneut gegen Südstart geradeaus

Aus dem Süden wird vor allem der Südstart geradeaus angeprangert. Wie das Fluglärmforum Süd mitteilt, würde dieser den Zürcher Fluglärm-Index (ZFI), das Messinstrument für die höchstzulässige Beschallung der Bevölkerung, «entgleisen lassen». Die Südstarts widersprächen dem Grundsatz, die Lärmbelastung auf verschiedene Regionen zu verteilen, sondern ermöglichten alleine mehr Flugbewegungen. «Eine Kapazitätssteigerung liegt weder im öffentlichen Interesse noch ist sie erforderlich», heisst es in der Einsprache.

Osten äussert Kritik, macht aber keine Einsprache

Die Region Ost, die insgesamt 122 Gemeinden von Kloten über Bassersdorf und Nürensdorf bis nach Heiden im Kanton Appenzell Ausserrhoden vertritt, kritisiert zwar ebenfalls das Gutachten des Flughafens, weil im Bericht keine Alternativen aufgezeigt werden, um das Verspätungsproblem ohne Vorverlegung der Starts zu lösen. Eine Einsprache wurde allerdings nicht eingereicht. Dies weil die Mitgliedergemeinden durch die neuen Flugrouten des Betriebsreglements 2017 insgesamt eher entlastet als mehr belastet würden, schreibt «Region Ost».

Erstellt: 09.10.2019, 16:50 Uhr

Die Forderungen im Wortlaut

Der Schutzverband verlangt,


  • dass der Lärm nachts kleiner werden soll, und nicht grösser wie dies beantragt wird. Infolgedessen sind weder die beantragten Erleichterungen für den Flugbetrieb spätabends zu gewähren noch eine grössere Zone mit übermässiger Lärmbelastung zu bewilligen.


  • dass aus Lärmschutzgründen die letzten Slots spätabends um 15 Minuten vorverlegt werden. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie erscheinen unglaubwürdig. Eine neutrale und vom Flughafen wirtschaftlich unabhängige Firma soll ein «Obergutachten» zur Thematik erstellen soll.





Die IG-Nord verlangt


  • dass das zusammengelegte Gesuch sistiert wird, bis die hängigen Verfahren rechtsgültig geklärt sind;


  • dass die Lärmgrenzwerte in der Nacht zurückgewiesen und unter Berücksichtigung der Interessen der Gemeinden und der Bevölkerung neu festgelegt werden;


  • dass die betroffenen Gemeinden in diesen Prozess eingebunden werden und gemeinsam mit dem Flughafen an Lösungen mitwirken können, die keine Überschreitung von Alarm- und Grenzwerten zur Folge haben;


  • dass d er Flughafen ernsthafte Massnahmen erarbeitet, um die Verspätungssituation und die Fluglärmbelastung in den Nachstunden in den Griff zu bekommen.

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