Flughafen

Flughafen wehrt sich gegen tiefere Passagiergebühren

Der anhaltende Streit um die Höhe der Flughafengebühren droht erneut zu eskalieren. Am Montag hat die Flughafen Zürich AG eine Breitseite gegen die Vorschläge des Bundes ab­geschossen, die ab Herbst 2019 gelten könnten. Auf der anderen Seite gibt sich die Swiss nach jahrelangem Kampf zufriedener.

Im Rahmen der begonnenen Vernehmlassung stellt sich die Flughafen Zürich AG dezidiert gegen die neue Gebührenordnung des BAZL.

Im Rahmen der begonnenen Vernehmlassung stellt sich die Flughafen Zürich AG dezidiert gegen die neue Gebührenordnung des BAZL. Bild: Keystone

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Die Zürcher Flughafenbetreibergesellschaft fürchtet, ihre Luftfahrtinfrastruktur nicht mehr wie bis anhin pflegen und ausbauen zu können. Gestern gabs einen Aufschrei deswegen.

Der Vorschlag zur künftigen Gebührengestaltung des federführenden Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl) wird von der Flughafenführung als «unverständlich» und «nicht nachvollziehbar» bezeichnet und deshalb «dezidiert zurückgewiesen».

Es stehen Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich auf dem Spiel, die dem Flughafen zu entgehen drohen, falls der aktuelle Vorschlag des Bazl voraussichtlich im Herbst 2019 in Kraft tritt. Von 25 Prozent weniger oder 150 Millionen Franken ist die Rede, worauf der grösste Flughafen des Landes pro Jahr dann verzichten müsste. Besonders sauer stösst den Flughafenbossen auf, dass der Bund ihnen vorschreiben möchte, wie sie die Gewinne aus dem Parking- und Shoppinggeschäft künftig verwenden müssten.

Drei Viertel der Gewinne aus dem Parking wären gebunden

Gewinne aus dem nicht aviatischen Bereich soll der Flughafen künftig viel stärker als bisher zur Quersubventionierung von aviatischen Infrastrukturen verwenden. Während bis anhin lediglich 30 Prozent dieser Gewinne zwingend in die Infrastruktur und den Betrieb des Flughafens flossen, sollten gemäss Bazl-Vorschlag neuerdings 50 Prozent der Gewinne aus dem luftseitigen Kommerzgeschäft sowie 75 Prozent der Parkinggewinne dahingehend verwendet werden. «Statt die wettbewerbspolitisch bedenkliche Quersubventionierung aufzuheben, würde diese massiv angehoben», ärgert man sich am Flughafenhauptsitz. Die Berechnungsformel für eine angemessene Kapitalverzinsung für den Flughafen solle dagegen aber nicht angetastet werden.

Flughafendirektor Stephan Widrig findet die Senkung der Passagiergebühren unnötig, wie er deutlich durchblicken lässt. Die in Kloten erhobenen Gebühren würden nämlich momentan «moderat im europäischen Mittelfeld» liegen.

Dem widersprechen allerdings die Airlines, allen voran die Swiss. Seit Jahren kämpft sie für eine tiefere Gebührenbelastung an ihrem Heimflughafen. Schon 2013 zog man deswegen erstmals vor Verwaltungsgericht. Und auch vor zwei Jahren gabs eine Klage deswegen vor denselben Richtern.

Swiss will Gebührensenkung, nennt aber keine Zahlen

Im hart umkämpften Wettbewerb spielen Gebühren eine gewichtige Rolle. An einem Hub schenkt das besonders ein. Der Vorschlag des Bazl geht für die Swiss «in die richtige Richtung». Zumal das Luftfahrtgesetz ja vorsehe, dass bei den Schweizer Flughäfen ein «angemessener Teil gewisser Übergewinne dem aviatischen Teil anzurechnen ist». Also auch Gewinne aus dem Parking- und Shoppinggeschäft.

Die Infrastruktur in Kloten sei globale Spitzenklasse, führt der Flughafendirektor ins Feld, sie müsse entsprechend gepflegt werden. Seit der Privatisierung im Jahr 2000 habe man im Schnitt eine Million pro Arbeitstag in die Flughafeninfrastruktur investiert. Langfristig würde das mit tieferen Gebühreneinnahmen aber infrage gestellt. Zumal die Airlines die Gebührensenkung in die eigene Tasche stecken würden und die Passagiere nichts davon hätten, meint Widrig.

Auch hier widerspricht die Swiss vehement: «Eine Senkung der Passagiergebühren spiegelt sich auch in den Ticketpreisen. Die Flughafengebühren werden auf dem Ticket ausgewiesen.» Momentan sind das 21 Franken für Lokalpassagiere und 8 Franken für Transitgäste ohne die Sicherheitsgebühr. Wie viel wäre denn angemessen? «Die Swiss stellt keine Forderung konkreter Frankenbeträge.» Die künftige Finanzierung der Zürcher Flughafeninfrastruktur wäre mit einer Senkung der Gebühren jedenfalls «nicht gefährdet», findet man bei der grössten Airline über den grössten Flughafen des Landes.

Beim Bazl ist man ziemlich erstaunt über die scharfe Kritik der Flughafenbetreiber aus Kloten. Einerseits müsse man die angeblich 150 Millionen Mindereinnahmen relativieren und andererseits liege es ja sicher nicht im Interesse des Bazl, wenn dem grössten Landesflughafen dadurch ein Riegel für Investitionen geschoben würde. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.11.2018, 10:03 Uhr

Passagierzahlen Oktober 2018

5,3% mehr als 2017

Im Oktober 2018 sind 2,9 Mio. Passagiere über den Flughafen Zürich geflogen. Das entspricht einem Plus von 5,3% gegenüber derselben Periode des Vorjahres. Davon waren rund 750 000 Umsteigepassagiere (+7%), was ein Anteil von 25,8% ist (+0,4%). Die Zahl der Flugbewegungen stieg auch um 3,5%. Nur das Frachtvolumen ging im Vorjahres­vergleich um 4,8% zurück.

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