Bassersdorf

Hochhaus-Verbot hätte beim Kanton keine Chance

Eine Initiative verlangt, dass keine Hochhäuser mehr bewilligt und kein weiteres Bauland mehr eingezont werden darf beim Bahnhof. An der Gemeindeversammlung vom 13. Dezember wird darüber abgestimmt.

Das Gebiet hinter Initiant Fabian Moser direkt beim Bahnhof Bassersdorf soll seiner Meinung nach nicht eingezont und überbaut werden.

Das Gebiet hinter Initiant Fabian Moser direkt beim Bahnhof Bassersdorf soll seiner Meinung nach nicht eingezont und überbaut werden. Bild: Leo Wyden

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Die Einzelinitiative von Fabian Moser sollte aktuell eigentlich gar nicht zur Debatte stehen. Der Gemeinderat wollte erst später über neue Bauzonen, höhere Häuser und Ausnützung der Grundstücke sowie weitere Details der baulichen Entwicklung in Bassersdorf abstimmen lassen.

Nun hat es das Anliegen Mosers aber doch auf die Traktandenliste der kommenden Gemeindeversammlung geschafft – auf Geheiss des Bezirksrates von Bülach nota bene. Dies nachdem der Initiant gegen den Gemeinderat rekurriert hatte. Dieser hatte die Initiative im vergangenen Sommer zunächst für ungültig erklärt.

Am kommenden Donnerstag werden die Bassersdorfer Stimmberechtigten also doch darüber diskutieren können und voraussichtlich auch abstimmen dürfen. Was letztlich wo im Dorf gelten wird beim Bauen und mit welchen Höhenlimiten, das muss sich allerdings noch weisen. Klar scheint schon jetzt: Es dürfte neues Futter für Juristen anfallen. Denn beim Kanton schaut man bereits aufmerksam in Richtung Unterland. Und aus der Baudirektion in Zürich gibt es unmissverständliche Botschaften zur Initiative Moser in Bassersdorf.

Hochhäuser leisten «Beitrag»

Markus Pfanner, Mediensprecher der Zürcher Baudirektion schreibt auf Anfrage: «Ein grundsätzliches Verbot von Hochhäusern in Bassersdorf entspricht nicht der übergeordneten Richtplanung.» Und er fügt zum geforderten Verbot weiter an: «Es steht im Konflikt mit dem Planungs- und Baugesetz.» Die Devise in der Raumplanung heisse «Innenentwicklung», was öfter auch als Verdichtung bezeichnet wird und eine bessere Ausnützung der Siedlungsfläche bedeutet. Denn es gelte eine Zersiedelung der Landschaft zu vermeiden, lautet die Maxime. Nebst anderen Gebäudetypen könnten eben «auch Hochhäuser ihren Beitrag dazu leisten», betont man bei der Baudirektion.

Das sieht auch eine Mehrheit des Gemeinderats tendenziell so. Als mögliches Entwicklungsgebiet ist zudem seit Jahren schon ein Gebiet namens «Bahnhof Süd» an den SBB-Gleisen als Grundlage für ein neues Quartier im Gespräch. Die Rede ist von Platz für bis zu 3300 Einwohnern. Da im Dorf sowieso eine Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) ansteht, findet der Gemeinderat man solle mit der Initiative nicht schon jetzt vollendete Tatsachen schaffen. Viel eher wünscht er sich erst den BZO-Prozess abzuwarten und die Frage nach einem generellen Hochhausverzicht und die Nichteinzonung am Bahnhof dann umso breiter zu besprechen. Das sieht der Initiant freilich anders. Er sieht seinen Vorstoss als Grundlage für ebendiese BZO.

Grösste Fläche zugestanden

Bis heute gehört die betreffende Fläche «Bahnhof Süd» noch zur Landwirtschaftszone, doch im Rahmen der übergeordneten Richtplanrevision hat der Kanton den Bassersdorfern das Areal als grösste Einzelfläche in einer Zürcher Gemeinde überhaupt zur Einzonung zugestanden. Auch weil ein Wachstum so nah an einem S-Bahnhof grundsätzlich Sinn machen würde. In Zeiten von erhöhtem Schutz des Kulturlandes und verschärften Massnahmen gegen Landverschleiss könnte das auch als ein bemerkenswerter Zug des Kantons gesehen werden. Nur scheint das viele Bassersdorfer nicht sonderlich zu erfreuen – im Gegenteil.

Die private Initiative Moser unterläuft die Bestrebungen der kantonalen Raumplanung. Das macht man den Bassersdorfern aus Zürich bereits vor der Gemeindeversammlung unmissverständlich klar. Sollte die Initiative von einer Mehrheit der Bassersdorfer an der Gemeindeversammlung nun angenommen werden, müsste die BZO dahingehend angepasst werden. Und das Resultat ist zwecks Bewilligung zwingend dem Kanton vorzulegen. «Es ist davon auszugehen, dass der Kanton die überarbeitete BZO nicht genehmigen würde, da sie gegen geltendes kantonales Recht verstösst», lässt Mediensprecher Pfanner indes ausrichten.

Chefbeamter hält sich zurück

Der angefragte Chef des Amts für Raumplanung, Wilhelm Natrup, hält sich mit einem Kommentar in diesen Tagen zurück. Er hatte sich allerdings im September dieses Jahres in der NZZ über die spezielle Situation in Bassersdorf geäussert. Der Kanton zwinge keine Gemeinde, Bauland einzuzonen, sagte er da. Und falls also Bassersdorf beschliesse, das Gebiet «Bahnhof Süd» in der Landwirtschaftszone zu belassen, bleibe es vorerst dabei. Und zu Höhenbeschränkungen und dergleichen meinte er: «Man kann geltendes kantonales Recht nicht einfach aushebeln.»

Gemäss kantonalem Richtplan, der vom 180-köpfigen Parlament des Kantons 2014 festgesetzt wurde, sollen 80 Prozent des künftigen Bevölkerungswachstums in den so definierten Handlungsräumen «Stadtlandschaft» und «urbane Wohnlandschaft» stattfinden. Und Bassersdorf gehört zu Letzterem, während es noch drei weitere ländlichere Handlungsgebiete gibt, die grösstenteils von neuer Siedlungstätigkeit verschont blieben.

Initiant Moser lässt sich von den Aussagen aus Zürich nicht beeindrucken. «Der Kanton versucht hier wohl einen Entscheid zu beeinflussen.» Falls eine neue BZO nicht bewilligt würde, sei das ihm auch recht, «dann gilt weiterhin die alte». Und dort habe es schliesslich auch nirgends Zonen für Hochhäuser. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.12.2018, 17:46 Uhr

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