Flughafen

Swiss-Chef präsentiert stolz neue Maschine

Zum ersten Mal ist eine Bombardier CS100 in Kloten gelandet. Das neue Flugzeugmodell wird ab 2016 den Jumbolino ablösen und soll leiser als dieser fliegen. Heute wurde es vor den Medien vorgestellt.

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Medien und Politiker wurden in den Bogenhangar gefahren, um den neuen CSeries 100, einer von sechs Testfliegern, in den Farben der Swiss bemalt, zu begutachten. Er kam tags zuvor von der Air Show Paris, wo er gemäss Bombardier Commercial Aircraft President Fred Cromer die Hauptattraktion war.

Morgen fliegt das neue Flugzeugmodell zurück nach Kanada, der Start ist für 9 Uhr vorgesehen. Wegen Gegenwind nicht non-stopp, wie beim Hinflug. Mit einer Reichweite von 6100 Kilometer könnte das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug die 6000 Kilometer nach Montreal zwar knapp schaffen, irgendwo werde man aber auftanken, erklärte Testpilot Mark Elliott. Schliesslich befinden sich die Modelle noch in der Testphase, rund zwei Drittel der für die Zertifizierung notwendigen Flugstunden haben die sechs CS100 bisher geflogen. Bis Ende Jahr soll die Zulassung da sein, versicherte Rob Dewar von Bombardier.

Sparsamer, leiser, gewinnbringender

Mitte 2016 erfolgt dann die Einflottung der ersten CS100, welche dann zehn Jumbolinos ersetzen. Bei Swiss arbeiten derzeit 17 Mitarbeitende an der Einführung der Weltneuheit, einige wurden temporär für zwei Jahre zur Unterstützung eingestellt. Beim CSeries-Projekt ist die Swiss Erstkundin, auch das ein Novum. Glaubt man den Verantwortlichen, führt die Swiss als weltweit erste Airline ein Konkurrenzprodukt ein, welches die bisherigen Platzhirsche Airbus und Boeing bedrängen soll. Es verbraucht 20 Prozent weniger Treibstoff, stösst 20 Prozent weniger CO2 und 50 Prozent weniger Stickoxid aus. Der Lärm soll sich halbieren, was einer Reduktion von 10 bis 15 Dezibel entspricht. Und auch die Kosten pro Sitzplatz sollen für Betreiber Swiss um 15 Prozent tiefer liegen. Weil gleichzeit ein Viertel mehr Passagiere als im Jumbolino transportiert werden können, winken mit den CSeries mehr Einnahmen.

Die neue Bombardier CS100 kann sich innen und aussen sehen lassen. Video: Keystone

Für die Passagiere erhöht sich der Komfort. Dort hat die Swiss derzeit ihre grösste Schwäche, zumindest gemäss der Bewertungsplattform Skytrax, welche die Swiss-Sitze mit 2 von 5 Sternen einstuft. Ein Test auf den neuen, schmalen Sitzen zeigt: Bequem ist er und ein durchschnittlich grosser Schweizer (178cm) kann beim Sitzabstand von 76cm die Beine problemlos strecken. Auch Swiss-Medienchef Daniel Bärlocher, 190cm gross, erreicht mit seinen Knien den Vordersitz nicht. Was nach vorne also komfortabel ist und auch durch die leichte Rückstellmöglichkeit von knapp 8cm nicht beeinträchtigt wird, fehlt dafür auf der Seite. Der CS100 hat fünf Sitze pro Reihe, eine Zweier- und eine Dreierreihe und man kommt dem Sitznachbarn dabei nahe. Der Kampf um die Armlehne geht auch im neuen Flugzeug weiter. Positiver ist die gute Sicht nach draussen: der CS100 der Swiss wird 25 Reihen haben und gleichzeitig über 30 Fenster, was das Flugzeug sehr hell erscheinen lässt. Über jede Sitzreihe kommt zudem ein Minibildschirm, kaum grösser als ein Handy, für Fluginformationen. Gross ausgefallen sind die Gepäckfächer.

Kurzstrecken-Image aufbessern

Die Swiss erhält nun jedes Jahr zehn dieser neuen Flugzeugtypen. 2016 zehn CS100, 2017 zehn CS300 mit vier Sitzreihen mehr und 2018 nochmals zehn, wobei noch offen ist, von welcher Grösse. Rund zwei Milliarden Franken kostet die Anschaffung insgesamt, inklusive Training und 150 neuen Mitarbeitern. Klar ist, dass die Swiss damit den schlechter werdenden Ruf in Europa wieder korrigieren kann. Bei den Skytrax Awards diese Woche blieb die Airline zwar auf Platz 14 weit vorne in der Rangliste der Top 100 weltweit (Vorjahr: 13), musste sich aber von Austrian und beinahe Air France überholen lassen. Die Swiss wird von Skytrax, wo Kunden die Airlines bewerten, als 4-Sterne-Fluggesellschaft geführt, erhält auf der Kurzstrecke allerdings schlechtere Noten. Dort reicht es nur für 3,5 Sterne und es hagelt schlechte Kritiken von Jumbolino-Gästen.

Konsequenterweise ist der Transferanteil am Flughafen Zürich, den Swiss als Drehkreuz betreibt, seit Jahren rückläufig. Mit den neuen CSeries Maschinen soll sich das ändern und die Swiss wieder durchstarten. Das Alter der Europaflotte wird bis 2018 von heute über 16 Jahren auf rund 9 Jahre sinken, dann eine der modernsten Flotten Europas. Und die neuen Boeing 777 Langstreckenflugzeuge sollen die Attraktivität der Swiss weiter steigern.

Bekenntnis zur Swiss und dem Standort Zürich

Nun waren am Flughafen alle stolz: Die Kanadier darauf, dass sie ein neues Flugzeugmodell entwickelt haben. Die Swiss, dass diese Weltneuheit zuerst bei ihr eingeflottet wird und Regierungspräsident Ernst Stocker, dass die Augen der Aviatikwelt den CS100 stets mit vielen Schweizerkreuzen bemalt sieht und noch einige Male nach Kloten schauen wird. Stocker sieht im Pionierflugzeug ein Bekenntnis der Lufthansa zum Standort Zürich und einen wichtigen Faktor für den zukünftigen Erfolg. Mit einem Schmunzeln erklärte Stocker die Swiss zur wohl beliebtesten deutschen Firma in der Schweiz. Für ihn als Politiker, der als Volkswirtschaftsdirektor täglich mit Lärmthematiken konfrontiert war, ist die CS100 auch ein technisches Wunderwerk, das die Lärmdiskussionen etwas entschärfen soll.

Für die Region dürfte der wichtigste Faktor aber der Lärm bleiben und der wird tatsächlich kleiner. Nicht so klein, dass die Siedlungen nun bis an den Flughafenzaun wachsen können, wie das Swiss-CEO Harry Hohmeister augenzwinkernd verkündete, aber doch wesentlich angenehmer als andere Kurz- und Mittelstreckenmaschinen. Es sei ein sehr, sehr, sehr, sehr spezieller Tag, erklärte Hohmeister und unterstrich damit die Bedeutung des neuen Flugzeugs für die Swiss ausdrücklich. Die CS100 sei die schönste «Lady», die er je im Bogenhangar gesehen habe, erklärte der euphorisierte Hohmeister. Die Schöggeli-verteilenden Flight Attendants nahmens mit Humor. Schliesslich beginnt mit der CSeries nun endlich die Zukunft der Swiss und das lange Warten dürfte sich letztlich auszahlen.

Kein Kommentar zu möglichen Kinderkrankheiten

Es sei denn, siehe Boeing 787, der fehleranfällige Dreamliner, es komme zu Kinderkrankheiten. Fragen dazu, was das für Bombardier oder die Swiss bedeuten würde, mochten die Verantwortlichen gestern nicht richtig beantworten. Das Flugzeug sei zuverlässig und werde ein «game changer». In rund einem Jahr werden die CS100 für die Swiss fliegen und die Antworten liefern. Bis dahin können sich Anwohner und Aviatik-Fans beim Start morgen um 9 Uhr, voraussichtlich auf Piste 28 gegen Rümlang, nochmals selber ein Bild der kanadischen Maschine machen – und horchen, wie laut oder eben leise sie wirklich ist.

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Erstellt: 18.06.2015, 08:43 Uhr

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