Glattfelden

Trennung war ein einstimmiger Entscheid

Der Abgang der Gemeindeschreiberin in Glattfelden wirft noch immer hohe Wellen. Gemeindepräsident Ernst Gassmann reagiert auf die brodelnde Gerüchteküche.

Gemeindepräsident Ernst Gassmann äussert sich zur Freistellung der Gemeindeschreiberin.

Gemeindepräsident Ernst Gassmann äussert sich zur Freistellung der Gemeindeschreiberin. Bild: Sybille Meier

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Zwei Wochen sind vergangen, seit der Gemeinderat von Glattfelden darüber informiert hat, dass die Zusammenarbeit mit der langjährigen Gemeindeschreiberin Beatrice Wüthrich beendet werde. Ruhe ist seitdem noch immer nicht wieder im Dorf eingekehrt. Die Reaktionen auf die überraschende und sehr knapp formulierte Ankündigung waren oft emotional und zeugten davon, dass in der Gemeinde schon seit längerer Zeit die Gerüchteküche brodelte. Insbesondere Spekulationen über die Situation im Gemeinderat und mögliche Gründe für den Abgang von Wüthrich nach über 25 Jahren wurden in zahlreichen Leserbriefen, aber auch in Kommentaren auf der «Glattfelden»-App geäussert.

Es kriselte schon seit längerem

Diese Äusserungen rissen auch nicht ab, nachdem Gemeindepräsident Ernst Gassmann (FDP) sowohl im «Zürcher Unterländer» als auch im «Der Glattfelder» auf die Trennung von Wüthrich und auf einige der Gerüchte eingegangen war. Am Wochenende hat der Gemeindepräsident nun reagiert. In einer drei Seiten langen Medienmitteilung nimmt er nochmals ausführlicher Stellung zu den jüngsten Ereignissen. «Das Informations- und das Diskussionsbedürfnis und die Bedenken der Glattfelderinnen und Glattfelder nehme ich sehr ernst. Ich habe mich deshalb entschieden, auf die Besorgnisse einzugehen», schreibt er zu den Beweggründen für seine Mitteilung.

«Die Personalprozesse wurden eingehalten.»Ernst Gassmann, Gemeindepräsident

Was genau zum Bruch mit der Schreiberin geführt hat, bleibt allerdings weiter unklar. «Zum Abgang von Beatrice Wüthrich kann ich aus personalrechtlichen Gründen, aus Persönlichkeitsschutzgründen sowie zur Wahrung des Datenschutzes und der Vertraulichkeit nicht Einzelheiten bekannt geben», erläutert Gassmann.

Man halte sich daran, da der Gemeinderat und die frühere Gemeindeschreiberin Stillschweigen vereinbart hätten. Nur die grobe Richtung, wo man sich wahrscheinlich nicht einig war, ist zwischen den Zeilen herauszulesen: «Die Rolle einer Gemeindeschreiberin besteht nicht nur darin, die Verwaltung zu führen, sondern beinhaltet auch die Rolle als Beraterin und Vertraute des Gemeindepräsident und der Gemeinderäte – speziell in strategischer Hinsicht.»

Es wird anhand der Mitteilung auch klar, dass sich die Gemeindeschreiberin und Teile des Gemeinderats schon seit längerem nicht mehr einig waren. Gassmann macht in seiner Mitteilung einen kleinen Exkurs zu möglichen Schritten, die in einem solchen Fall eingeleitet werden können, erwähnt etwa eine externe Mediation. Und er betont: «Ich kann versichern, dass – wie für alle Mitarbeitenden – auch für die Gemeindeschreiberin die vorgeschriebenen Personalprozesse eingehalten wurden.»

Schliesslich war es dann Wüthrich selbst, die im Juni dem Gemeinderat den Vorschlag machte, das Arbeitsverhältnis aufzulösen. Gemäss dem Schreiben des Präsidenten hatte die Schreiberin den Vorschlag über «eine ihr vertraute Gemeinderatsperson an den Gesamtgemeinderat übermittelt». Interessant ist der Ausgang der Sitzung vom 15. Juli, an welcher die Behörde über Wüthrichs Vorschlag diskutierte: Die Abstimmung über die Auflösung des Arbeitsverhältnisses fiel nach einer intensiven Besprechung einstimmig aus. Und die nur sehr knappe Information über den Abgang der Schreiberin wurde gemäss Gassmann gemeinsam vom Gemeinderat und der Gemeindeschreiberin aufgesetzt. «Mehr darf und möchte ich zu dem Fall nicht sagen», schliesst Gassmann die Ausführungen zum Fall in der Mitteilung.

Ein einzelner Laptop sorgt für Zoff

Er nimmt indes im Weiteren noch zu anderen Themen Stellung. «In den Medien wurde herumgereicht, dass der Gemeinderat zerstritten sei und seine Aufgaben deshalb nicht mehr richtig wahrnehmen könne. Solche Behauptungen weise ich als Präsident klar zurück.» In wenigen Fällen könne es im Gemeinderat zu einem Mehrheitsentscheid kommen. Dabei gebe es aber je nach Thema wechselnde Fronten. Der Gemeindepräsident gibt aber auch zu, dass das nicht immer reibungslos abläuft. «Im Gegensatz zu früher muss ich leider feststellen, dass Mehrheitsentscheide nur widerwillig akzeptiert werden und dabei das Kollegialitätsprinzip angezweifelt wird.» Dieses Prinzip sei Teil der Demokratie. «Wie beim Bundes- und Regierungsrat gilt dieses wichtige urschweizerische Prinzip auf für die Gemeinde Glattfelden.»

«Im Gegensatz zu früher muss ich leider feststellen, dass Mehrheitsentscheide nur widerwillig akzeptiert werden.»Ernst Gassmann, Gemeindepräsident

Schliesslich äussert sich Gassmann auch noch zum umstrittenen Beschluss, an den Gemeinderatssitzungen elektronische Geräte zu verbieten. «Von jedem Beschluss gibt es ein Protokoll mit Erwägungen zu Pro und Kontra und dem Entscheid. Diese Beschlüsse sind allen Mitgliedern des Gemeinderates zugänglich und werden dem zuständigen Ressortleiter sogar noch separat ausgehändigt.»

Der Präsident geht in seiner Mitteilung auch nochmals auf die Gründe hinter dem Entscheid ein. «Da ein einzelnes Gemeinderatsmitglied partout den störenden Einsatz seines Laptops während der Sitzungen nicht beenden wollte und ständig ‹töggelte›, blieb dem Gemeinderat nur übrig, ein Verbot auszusprechen. Die ständigen Tastaturgeräusche haben die Konzentration gestört.» Offenbar war auch nicht allen klar, wozu der Laptop genau genutzt wurde. «Fragen wie ‹Was wird erfasst?›, ‹Werden alle (vertraulichen) Bemerkungen festgehalten?›, ‹Kann ich mich noch frei äussern, ohne dass dies festgehalten und später verwendet wird?›, ‹Wird gesurft?›, ‹Werden Mails beantwortet?›, ‹Wird überhaupt den anderen Ratsmitgliedern zugehört?› konnten nicht beantwortet werden.»

Erstellt: 30.07.2019, 08:44 Uhr

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