Bülach

Viel Musik in der Seele und fairer Handel im Sinn

Der Bülacher Daniel Frey wagte den Sprung ins kalte Wasser. Der frühere Banken- und Versicherungsfachmann entwickelt und verkauft mit Souls of Rock eine eigene Bekleidungslinie und unterstützt Musikgruppen mit einem Verein.

Die erste Kollektion wird von Kolleginnen und Kollegen von Daniel Frey präsentiert: Miriam Kollbrunner-Burlet, Scott Leach, Andrea Jakab und Jasmin Schneider (von links). Für künftige Produkte sucht Souls of Rock Männer und Frauen als Hobbymodelle (siehe Kasten).

Die erste Kollektion wird von Kolleginnen und Kollegen von Daniel Frey präsentiert: Miriam Kollbrunner-Burlet, Scott Leach, Andrea Jakab und Jasmin Schneider (von links). Für künftige Produkte sucht Souls of Rock Männer und Frauen als Hobbymodelle (siehe Kasten). Bild: Fotostudio Photofrank

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Manchmal braucht es im Leben einen Kick. Das viel zitierte Aha-Erlebnis passiert den einen unter der Dusche, den anderen beim Waldlauf oder bei einer Fahrt im Lift. Daniel Frey hatte die Idee, die sein berufliches und privates Lebens verändern sollte, im Motorradsattel. Während einer USA-Reise habe er plötzlich gewusst, «dass Rock ’n’ Roll von jetzt an meine Bestimmung ist.»

Aber der Reihe nach. Der bekennende T-Shirt- und Jeansträger Frey arbeitete in Schlips und Anzug zehn Jahre lang vom Sachbearbeiter bis zum Regionalleiter bei der Krankenversicherung Sanitas, dann weitere elf Jahre als Betriebsökonom im Relationship Management bei der Grossbank UBS. Irgendeinmal kam der Augenblick für eine Auszeit. Der heute 44-jährige Frey tauschte den teuren Zwirn mit der Lederjacke und das Büro mit einer Harley-Davidson. Fünf Wochen lang bereiste er als Easy Rider im Motorradsattel die USA. «Ich habe viele neue Bekanntschaften geschlossen. Eines der Highlights meiner Reise war sicherlich die Sturgis Motorcycle Rally in South Dakota, dort besuchte ich unzählige Konzerte», erzählt Frey. An einem entdeckte er den Verkaufsstand einer US-Bekleidungsfirma, dessen Produkte ihm gefielen. «Wir kamen ins Gespräch. Ein paar Wochen später hatte ich die europäischen Verkaufsrechte für diese Marke in der Tasche.»

Ernüchterung nach Euphorie

Kurz darauf importierte er die ersten T-Shirts und verkaufte diese 2013 an einem Heavy-Metal-Musikfestival in Dietikon. «Dem Publikum haben die Shirts gut gefallen», sagt Frey. Also kündigte er seinen gut bezahlten Bankenjob und gründete 2014 seine eigene Import- und Verkaufsfirma. Die US-Ware brachte er an europäischen Rock- und Metal-Events an die Kundschaft, unter anderem im deutschen Wacken, einem der grössten Festivals dieser Art.

Der Spass an der neuen Betätigung wich schon bald der Ernüchterung. Nicht weil die Geschäfte schlecht liefen, sondern weil es Probleme mit der US-Mutterfirma gab. «Lieferfristen wurden nicht eingehalten, meine eigenen Ideen, das Produkt in Europa noch besser zu vermarkten, fanden kein Echo – irgendwie kam alles zum Erliegen», erläutert Frey. Innerhalb eines Monats entschied der Unterländer, die Übung mit Übersee abzubrechen. Das Feuer für sein neues Betätigungsfeld brannte aber weiter, die Zusammenarbeit mit Musikern und Fans hatten es ihm angetan. «An einem Freitagmorgen habe ich beschlossen, selber was auf die Beine zu stellen.»

Zusammen mit Freunden, die ihm mit viel Freiwilligenarbeit zur Seite stehen, entstand nach intensivem Brainstorming das Unternehmen Souls of Rock. «Der Name soll Werte wie Respekt, Ehrlichkeit, Vertrauen und eine positive Message enthalten», verrät der «Seelenrocker». Die Firmenphilosophie baut auf drei Säulen: eine eigene Bekleidungslinie, künftig auch die Nachhaltigkeit in dessen Produktion und die Souls of Rock Foundation, ein Verein zur Förderung und Unterstützung von Musikern und Bands.

Frey lässt auf Worte Taten folgen. Für den Entwurf einer eigenen Kleiderlinie arbeitet er derzeit mit zwei Zürcher Designerinnen zusammen. Die Kollektionen werden themenspezifisch aufgebaut. Die Produktepalette wird laufend ausgebaut und wird auch Hemden, Westen oder Winterjacken beinhalten. Frey hat eine genaue Vorstellung, wie sein «Tattoo Vintage Style» (Eigendefinition) in naher Zukunft als Kleidungsstück auf dem Körper getragen werden sollen. «Im Programm sind zum Beispiel auch Cowboyhüte, die an den Events vor Ort von einer kreativen Freundin und Musikerin als Unikat verziert werden.»

Wichtig ist dem rührigen Unterländer Fairtrade. «Das soll kein Lippenbekenntnis sein. Ich will die Herstellungsorte meiner Produkte kennen. In Sachen Nachhaltigkeit hat die gesamte Musikindustrie noch grossen Nachholbedarf.» Er setze bewusst auf Topqualität zu fairen Preisen. Er führt damit eine Familientradition weiter. «Mein Vater stellt seit Jahrzehnten Massanzüge her, neu ist mir mein Betätigungsfeld nicht.»

Professionelle Betreuung

Auch für die Unterstützung der Rock- und Metalbands gibt es klare Vorschriften. «Von der Foundation profitieren sollen Musiker, die sich auf dem Markt schon einen Namen erarbeitet, selber eine CD veröffentlicht und Livekonzerte haben. Und sie müssen bereit sein, unsere Philosophie mitzutragen.» Zehn Prozent der Verkaufseinnahmen gehen in den Verein Souls of Rock Foundation und soll den Bands finanziell bei Tourspesen, Bühnendekoration, Fotoshooting oder dem Dreh eines Musikclips unter die Arme greifen. «Streaming und Internet-Download haben zur Folge, das viele Bands kaum noch Geld mit Albumverkäufen verdienen. Deshalb wollen wir einen kleinen Beitrag leisten, willigen Künstlern das Leben ein wenig einfacher zu machen.»

Die Non-Profit-Organisation wird unter anderen von Personen aus dem früheren Arbeitsumfeld von Daniel Frey geführt. Im Ausschuss, der die Bands auswählt, die von der Foundation Unterstützung beziehen, sitzen zum Beispiel Scott Leach, Lead-Gitarrist der Power-Metalband Crystal Ball, oder Hansruedi Knöpfli, CEO und Schulleiter der Swiss Marketing Academy. Aktuell arbeitet Souls of Rock bereits mit den Innerschweizer Bands Crown of Glory und Crystal Ball (LU), den spanischen Glam-Rockern Stop Stop und Souldrinker aus Deutschland zusammen. Dazu denkt Frey auch schon an eine eigene Konzertreihe. Als Partnerlokal für diese Konzerte ist Frey unter anderen mit dem Guss 39 in Bülach im Gespräch.

Märchen und Wirklichkeit

Daniel Frey scheint sich sein eigenes Märchen geschrieben und in die Wirklichkeit umgesetzt zu haben. Ganz so einfach ist die ganze Sache aber nicht. «Nachdem ich die Zusammenarbeit mit den Amerikanern aufgelöst hatte, stand ich vor einem Problem», gibt er zu. «Ich hatte viele Festivals für 2015 schon gebucht, hatte einen Plan und eine Philosophie, aber weder ein Logo noch neue Ware zum Verkauf. Ich bin deshalb schon stolz darauf, was ich mit der Unterstützung meiner Freunde in dieser kurzen Zeit alles auf die Beine gestellt habe.»

Online sind die drei Firmenbausteine von Souls of Rock auf der Social-Media-Plattform Facebook zu finden, die eigenen Homepages für den Shop und die Foundation werden Mitte Juli aufgeschaltet werden. Das alles macht den Bülacher aber nicht bange. Aktuell bietet er «nur» Logo-T-Shirts und Hoodies mit einem wortreichen Firmen-Manifest auf der Rückseite sowie Accessoires wie Feuerzeuge an. Bei den Veranstaltern ist er trotzdem ein gern gesehener Gast. So schlug er sein Verkaufszelt in diesem Jahr unter anderem am Rock The Ring in Hinwil, dem Greenfield Festival in Interlaken und sogar am traditionellen Sweden Rock in Sölvesborg (Sd) auf.

Reich wird Frey mit seiner GmbH mit ihm als einzigem festem Mitarbeiter (noch) nicht. «Im Moment investiere ich viel Zeit und Geld», gibt er unumwunden zu – um gleich optimistisch nachzudoppeln: «Ich bin sicher, dass wir in spätestens drei Jahren schwarze Zahlen schreiben.» Man glaubt und wünscht es ihm irgendwie.

Erstellt: 02.07.2015, 17:01 Uhr

Der Bülacher Daniel Frey hat die Bürokarriere an den Nagel gehängt. Er entwirft und verkauft jetzt eine eigene Kleiderlinie. «In Sachen Nachhaltigkeit hat die gesamte Musikindustrie noch grossen Nachholbedarf.» (Bild: Fotostudio Photofrank)

Hobbymodelle gesucht

Am Donnerstag, 9. Juli, ab 18?Uhr präsentiert Souls of Rock in der Bar «Hall of Fame» in Wetzikon eine Musterkollektion von Work- und Bikershirts. Für die Anprobe und Ausmessung künftiger Produkte werden für den gleichen Abend Hobbymodelle gesucht – je drei Männer und Frauen für alle Grössen. Interessierte können sich über
info@soulsofrock.com oder Facebook anmelden.

Die Homepage www.soulsofrock.com sowie www.soulsofrock-foundation.com werden Mitte Juli aufgeschaltet. Mehr Infos gibt es schon auf Facebook. Festivals und Events mit Souls of Rock: 3. bis 5.?Juli, Swiss Harley Days, Lugano. 16. bis 18. Juli, Bang Your Head, Balingen (De). 23. bis 25. Juli, Rock-Fest, Barcelona (Sp). 31. Juli bis 2. August, Rock of Ages, Seebronn (De). 22. und 23. August, Burn Out, Mollis (GL). 12. und 13. September, Burn Out, Hinwil. (rce)

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