Bülach/Eglisau

War­um die Vierspurigkeit nur bis zum Kreisel reicht

Das Vorprojekt zum Ausbau Schaffhauserstrasse hat am Infoabend vom letzten Dienstag zu Diskussionen im Publikum geführt. Besonders die Tatsache, dass die Brücke über den Kreisel zweispurig geführt werden soll, sorgt für Zündstoff.

So könnte die Brücke über den Kreisverkehr Chrüzstrasse aussehen.

So könnte die Brücke über den Kreisverkehr Chrüzstrasse aussehen. Bild: pd

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Um dem täglichen Verkehrsstau durch den Hardwald zwischen Bülach und Eglisau zu begegnen, soll die Schaffhauserstrasse vierspurig werden – und dann mit einer Brücke über den grossen Kreisverkehr Chrüzstrasse führen, damit Letzterer vom Nord-Süd-Verkehr befreit wird. Die Projektkosten werden auf 90,2 Millionen Franken geschätzt, der früheste Baubeginn ist 2020.

Das Vorhaben, das Baudirektor Markus Kägi an der öffentlichen Präsentation am Dienstag in Bülach als «grosse Kiste» für den Kanton bezeichnet hat, beschäftigte auch das Publikum, das sich mehrheitlich aus Bülachern, Glattfeldern und Rafzerfeldern zusammengesetzt hat. Aus der Fragerunde im Anschluss an die technischen Ausführungen gab ein Aspekt besonders zu reden: die Tatsache nämlich, dass die Brücke über den Kreisel «nur» zweispurig vorgesehen ist.

Die Idee des Kantons ist die Folgende: Der Verkehr, der von Süden nach Norden durch den (vierspurigen) Hardwald fährt, soll rechts einspuren, wenn er in den Kreisel einfahren will. Wer geradeaus nach Eglisau fahren möchte, der halte sich links und fahre demnach über die (zweispurige) Kreiselbrücke. Damit ist aber auch gesagt: Die Triage, oder – wie es der Kanton nennt – «die Entflechtung», zwischen Nord-Süd- und Ost-West-Achse findet bereits vor dem Kreisverkehr statt, und: Obschon der Hardwaldabschnitt auf vier Spuren erweitert wird, bleibt die weitere Landstrassenroute nach Eglisau zweispurig.

Das «spanische Nüssli» hat in der Simulation funktioniert

Diese Tatsache hat zur Befürchtung geführt, das vorliegende Projekt würde den Verkehrsflaschenhals lediglich in Richtung Norden verschieben. Gretchenfrage: Wieso führt der Kanton die Vierspurigkeit nicht fort? Der Verkehr in Richtung Eglisau sei der stärkste Ast, der zweitgrösste dagegen sei der Verkehr westwärts Richtung Glattfelden, erläuterte Peter ­Bie­- ber, der Sektionsleiter Grossprojekte beim Zürcher Tiefbauamt. Simulationsmodelle hätten gezeigt, dass mit der «Nüssliform» des Kreisverkehrs (ein Doppelkreisel, angeordnet wie ein «spanisches Nüssli») das Verkehrsaufkommen auch in den Spitzenzeiten bewältigt werden könne. Die wichtige Ergänzung dazu lieferte Christiane Dasen, Projektleiterin beim Amt für Verkehr: «Die Umfahrung Eglisau wird auch zwei Spuren haben.» Aufgrund der Entflechtung sehe man da keine Probleme. Markus Kägi hatte es zuvor so formuliert: «Die Stau-Ursachen sind weniger beim Kreisel Chrüzstrass zu suchen denn im Hardwald beziehungsweise bei seiner Zweispurigkeit. Genauer gesagt: Dass der Kreisel also überhaupt zum Hindernis werden kann, liegt am Hardwald.»

Übersetzt ins Projekt heisst das: Ist der Verkehr dank Vierspurigkeit und neuem «Nüssli-Kreisel» erst einmal entworren und triagiert, kann die weitere Verbindung über die Brücke und die Route nach Eglisau ohne Weiteres zweispurig bleiben.

«Irgendwo müssen wir unter den Boden verschwinden»

Dennoch, das Stichwort Umfahrung Eglisau war damit gefallen, obwohl Kägi schon in seiner einleitenden Ansprache dar­auf hingewiesen hatte, dass es sich bei der Schaffhauserstrasse und der Umfahrung um zwei völlig voneinander getrennte Bauvorhaben handle – das allein schon deshalb, weil von der Schaffhauserstrasse ein Vorprojekt vorliegt, während die Umfahrung noch an einem ganz anderen Zeithorizont liegt. Zusammenhänge gibt es freilich trotzdem: Eine spätere Umfahrung, wie auch immer sie dereinst ausgestaltet sein wird, mündet in dieselbe Nord-Süd-Achse.

Und, so erläuterte Christiane Dasen weiter, ohne vierspurigen Hardwald ist keine Umfahrungsvariante bewilligungsfähig. «Das hat mit den Sicherheitsbestimmungen zu tun», sagte sie. «Wenn man die Umfahrung mit einem Tunnel unter dem Laubberg realisiert, darf in der Nähe der Tunnelenden kein Rückstau entstehen.» Daher sei die Verflüssigung des Verkehrs nicht nur wünschenswert, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Auf den Einwand, man wisse doch wohl noch nicht, ob es überhaupt eine Variante mit Tunnel sein würde, meinte die Expertin schliesslich: «Ob es schliesslich ein Tunnel oder auch nur mindestens eine Lösung mit einer Unterführung sein wird – es ist relativ sicher, dass wir irgendwo unter den Boden verschwinden müssen.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 09.04.2015, 08:29 Uhr

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