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Alterswohnen wird kleiner konzipiert

2013 scheiterte die Überbauung Dorfzentrum an der Urne – der Mangel an Alterswohnraum bleibt in Hochfelden eine Sorge. Jetzt arbeitet die Dorfregierung an einem überschaubareren Projekt ohne Pflegeplätze.

Nach dem Nein zur grossen Zen­trumsüberbauung ist für die Spielwiese hinter dem Gemeindehaus nun ein kleineres Bauvorhaben für Alterswohnungen in Planung.
Nach dem Nein zur grossen Zen­trumsüberbauung ist für die Spielwiese hinter dem Gemeindehaus nun ein kleineres Bauvorhaben für Alterswohnungen in Planung.
Sibylle Meier

Wenn Hochfelder im Alter einen Rollstuhl brauchen, wenn sie pflegebedürftig werden oder ihnen das angetraute Heim im Quartier zu gross wird, dann müssen sie das Dorf in der Regel verlassen. Der Gemeinde fehlt es akut an Alterswohnraum. Der Nachweis dafür, dass ein Bedarf danach besteht, ist längst erbracht.

Auch das sonst omnipräsente Problem des Platzmangels ist in Hochfelden kein Thema: Die Gemeinde besitzt rund 1800 Quadratmeter Wiese, ausgesprochen zentral gelegen, gleich hinter dem Gemeindehaus mit dem Türmchen. Bloss als der Gemeinderat 2013 eine grosse Zen­trumsüber- bauung samt Pflegeplätzen, Kindergarten, Bibliothek und Cafeteria realisieren wollte, versenkte das Hochfelder Stimmvolk den privaten Gestaltungsplan. Die Hauptargumente der Kritiker: zu grosse Gebäudevolumen, zu hohe Kosten und zu viel Mehrverkehr.

Gleiche Wiese, kleinerer Bau

Damals war Simone Caneppele Finanzvorsteherin. Und schon als sie im Zuge ihrer Kandidatur für das Gemeindepräsidium hinsichtlich der Herausforderungen des Dorfes befragt worden war, nannte sie das Thema Alterswohnraum. Jetzt, da sie die Exekutive leitet, hält sie insofern Wort, als ein neues Projekt für Alterswohnungen die Editorial-Zeilen des «Dorfspiegels» füllt. Die neue Behörde hat die Idee redimensioniert. «Was uns jetzt vorschwebt, ist ein Mehrfamilienhaus mit vielleicht zwölf Parteien», sagt sie, 2½- und 3½-Zimmer-Wohnungen – der Standort bleibt derselbe. «Es ist das einzige Land, das der Gemeinde gehört», sagt Caneppele. Ein Landkauf kommt für sie nicht infrage, weil sich dadurch die Mietpreise der Wohnungen massiv erhöhen würden. Und neue Ein- oder Umzonungen sind aufgrund der Abgrenzungslinie nicht möglich, die sich aus der Nähe zum Flughafen ergibt.

Keine Pflegeplätze

Angrenzend an das Grundstück an der Adresse Kindergartenweg 2 steht noch eine baufällige Liegenschaft in Gemeindebesitz, dort liessen sich noch weitere drei Wohnungen realisieren. «Es würde sich alles ‹stier› nach den bestehenden Vorgaben der Bau- und Zonenordnung bauen lassen», versichert Caneppele. Damit dürften die Gebäudevolumen kaum mehr zum Streitthema avancieren. Allerdings war man beim alten Zen­trumsprojekt noch von 21 Wohnungen ausgegangen.

Mit dem neuen Ansatz wird in Hochfelden noch ein weiterer Abstrich gemacht: Im Gegensatz zum gescheiterten Grossprojekt ist in den aktuellen Plänen keine Rede mehr von Pflegeplätzen. Hochfelden ist, zusammen mit Bülach, Bachenbülach, Glattfelden, Höri und Winkel, in der Regionalen Arbeitsgruppe Zukunftsplanung Alter (Raza) vertreten. Letztere hat erst im März 2015 die revidierte Fassung des Versorgungskonzepts publiziert, die für die sechs Gemeinden der Raza-Region einen Bedarf von 305 Pflegeplätzen bis ins Jahr 2020 ausweist. Bestand derzeit: 224 Plätze. Hochfelden ist, nach wie vor, mit einem «Beitrag» von 16 neuen Plätzen veranschlagt.

Daraus ergibt sich die Frage, ob es sich das Dorf überhaupt leisten kann, nun eine Alterssiedlung ohne einen einzigen Pflegeplatz zu planen. «Ja», sagt Simone Caneppele. «Wir haben die Si­tua­tion selbstverständlich mit der Raza besprochen.» Man sei zum Schluss gekommen, dass es aufgrund der grossen Ausbauten in Bülach (Grampen 2) und im Bachenbülacher Zen­trum (Im Baumgarten) reichen sollte. «Es ist aber durchaus denkbar, dass wir in Hochfelden Wohnungen mit erweitertem Service anbieten», sagt Caneppele und nennt etwa einen Notknopf in den Wohnungen, eine enge Zusammenarbeit mit der Spitex, eine jährliche Grossreinigung oder einen gemeinsamen Mittagstisch als Beispiele dafür.

Ambitiöser Zeitplan

«Ich denke, wichtig ist, dass wir mit dem neuen Vorschlag ein mehrheitsfähiges Projekt vorlegen können, bei dem auch die Finanzierung realistisch ist», sagt Caneppele. Für die Gemeindechefin kann es nicht schnell genug vorangehen. Sie hätte den Spatenstich gerne innerhalb eines Jahres gesehen – doch nun hat das Vorhaben einen Planungsdämpfer erfahren: Eine Familie, die ursprünglich als Unterstützer aufgetreten war und eine Stiftung hätte gründen wollen, ist Anfang Juli abgesprungen, «überraschend», wie Caneppele im neusten «Dorfspiegel» schreibt, «ein anderes Vorhaben im Tessin sagt ihnen mehr zu als unser Hochfelder Projekt», zitiert sie die Begründung. Zwar würde dieser Rückzieher die Realisierung «ein wenig verzögern», allerdings biete er der Projektgruppe auch die Chance, «nochmals über die Bücher zu gehen und sich zu vergewissern, mit wem uns die Zusammenarbeit wirklich wichtig ist».

Auch wenn Simone Caneppele inzwischen von «ein bis zwei Jahren» bis zum Spatenstich sprechen muss, der Zeitplan darf weiterhin als ambitiös angesehen werden. Immerhin ist für die definitive Realisierung ein Ja der Gemeindeversammlung für den Projektierungskredit und dereinst auch ein Ja an der Urne für den Baukredit nötig.

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