Bassersdorf

Auf die harte Tour gegen Parkierer

Die beliebten Parkplätze auf dem Postplatz in Bassersdorf sind ab sofort nicht mehr zugänglich. Der Gemeinderat hat an den Zufahrten Steinquader platzieren lassen und will so die gefährlichen Manöver aufgrund des regen Parkierverkehrs ausmerzen. Derweil formiert sich immer grösserer Widerstand.

Ungläubiges Staunen über den gesperrten Postplatz gestern Morgen in Bassersdorf, während viele Automobilisten von der Situation überfordert sind.

Ungläubiges Staunen über den gesperrten Postplatz gestern Morgen in Bassersdorf, während viele Automobilisten von der Situation überfordert sind. Bild: Christian Wüthrich

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Der Bassersdorfer Gemeinderat habe einen «mutigen Entscheid» gefasst, hört man in dessen Umfeld. Konkret hat er die komplette Sperrung des Postplatzes für den motorisierten Verkehr verfügt. Das allein wäre nicht besonders mutig, würden sich dort nicht ein Dutzend beliebte Parkplätze befinden. Die sind nun de facto aufgehoben, was durchaus als mutig angesehen werden kann, weiss man doch nicht erst seit gestern, dass Parkplätze – vor allem oberirdische Zentrumsparkplätze – besonders beliebt sind.

Sogar als überlebenswichtig ­erachten es Ladenbesitzer, Gewerbler und Unternehmer, dass Parkplätze vor dem Haus vorhanden sind. In Bassersdorf gehört die Rosengarten-Apotheke am Postplatz zu den am stärksten betroffenen Geschäften. «Wir haben in der vergangenen Woche bereits gegen 500 Unterschriften gesammelt», bestätigt Geschäftsführer Ivan Mihajlovic.

Es droht das Ladensterben

In der Apotheke am Platz liegen seit Freitag vor einer Woche Unterschriftenbögen für eine Petition gegen die Sperrung auf. Währenddessen steht die Inhaberin Ursula Thürig ungläubig vor ihrem Geschäft und diskutiert vor den Steinquadern mit einem Passanten. Es ist dies Georg Fallegger, der selber politisch tätig ist in der Gemeinde und sich mit dem Mobiltelefon einige Bilder macht von den neuen Verhältnissen auf dem Platz. Er sei als Privatperson da, ansonsten in der Rechnungsprüfungskommission (RPK), und nicht verantwortlich für diese Sperrung, gibt er denen zu verstehen, die empört ausrufen. Er wie auch die Apothekerin verstehen zwar, dass etwas getan werden muss gegen die zuweilen chaotischen und gefährlichen Parkiermanöver auf dem Platz, aber gleich so radikal vorzugehen, das können sie nicht begreifen. Zumal die Aktion für die Apotheke gar geschäftsgefährdend sein könnte, befürchtet Thürig.

Fallegger fügt an, dass auch die Kantonalbank und die Post ihr Filialnetz ständig überprüfen. Bei der ZKB sorgten vor zwei Jahren Meldungen für Unruhe, wonach ein Drittel des Filialnetzes gefährdet sei. Und eben erst im Mai dieses Jahres hat auch die Post die Ausdünnung ihres Geschäftsstellennetzes bekannt gegeben. Fallegger gibt zu bedenken, dass die Bassersdorfer Poststelle zwar bis 2020 gesichert sei, aber wenn die Umsätze nun durch die fehlenden Parkplätze vor dem Haus stärker zurückgehen sollten, dürfe sich niemand wundern, wenn dieses Angebot dereinst verschwinde.

Verwirrung wegen Einbahn

Auch die chic gekleideten Bankangestellten stehen zwischenzeitlich ungläubig vor ihrer Filiale. Wer nun zum Bankomaten will, muss in der Tiefgarage unter dem grossen Zentrumsplatz parkieren. Dass dies von den Leuten dereinst akzeptiert wird, glaubt keiner, der sich nun in zunehmend ironischerem Ton über den Gemeinderat lustig macht.

Nebenan steht eine ältere Dame mit dem Autoschlüssel in der Hand und schaut leicht verwirrt über den Platz. «Kennen Sie sich noch aus?», fragt sie. Sie wohnt gleich um die Ecke und ist von der Sperrung und den neuen Einbahntafeln überrascht worden. Wie soll jetzt die Zufahrt zu ihrer Tiefgarage noch legal möglich sein, fragt sie sich. Denn zusammen mit den Steinblöcken wurde im Zentrum von Bassersdorf auch ein neues Einbahnregime installiert. Dieses führt den Verkehr vom Gemeindehaus in Richtung Papeterie und nun, statt vorne über den Postplatz, neu hinten um das Postgebäude herum.

Als die Dame realisiert, dass es ihr ab sofort nicht mehr gestattet sein soll, von der Seite Altersheim her in ihre Garage zu fahren, verwirft sie die Hände und trottet fluchend davon. Aus demselben Grund verdreht auch eine Angestellte der Kinderkrippe nebenan die Augen, sie befürchtet nun ein neues Chaos in der Nebenstrasse, wenn die Eltern ihre Kinder bald auf der Einbahnstrasse rasch ein- und ausladen.

Gemeinderat hats getestet

Der Gemeinderat verteidigt das Vorgehen. Als Sprecher in dieser Sache wird Sicherheitsvorsteher Michael Fenaroli (FDP) vorgeschickt. «Dem stetig ansteigenden Suchverkehr rund um das Postgebäude muss die Attraktivität entzogen werden», sagt er. Nur so könne man all die negativen Auswirkungen lösen, ist nicht nur er, sondern auch Gemeinderatskollege Christian Pfaller (SVP) überzeugt. Dieser wollte es genau wissen und hat gestoppt, wie lange es dauert, wenn man so parkiert, wie es sich der Gemeinderat vorstellt, nämlich unterirdisch in der Tiefgarage des neuen Zentrums. «Weniger als vier Minuten» habe er benötigt, um ein paar Briefe aufzugeben bei der Post, gibt der Bauvorsteher an. In dieser Zeit sei er aussenherum zur neuen Tiefgarage des Zentrums gefahren, habe dort parkiert, den Aufgang zum Postplatz genommen und sei zur Post und wieder zurück zum Auto. Als er wieder wegfuhr, habe er die Zeit gestoppt.

Die Aufhebung der oberirdischen Parkplätze habe der gesamte Gemeinderat nach verschiedenen Diskussionen, Lösungsfindungen und Abklärungen entschieden, gibt Fenaroli zu bedenken. Und die Zustimmung der Kantonspolizei läge schliesslich auch vor. Somit habe dies umgesetzt werden können. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 14.07.2017, 21:56 Uhr

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