Kloten

Auf Stippvisite im alten Doktorhaus

Am Montag war Begehungstermin im Klotener Lindengarten. Der Verkauf des herrschaftlichen Anwesens interessiert manch diskreten Firmenvertreter und ein paar alte Klotener.

Video: Christian Wüthrich

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Ein kühler Wind empfängt die Gäste auf dem Vorplatz des Lindengartens. Deshalb bittet Marcus Zunzer die immer grösser werdende Personenschar kurzerhand in die Scheune. Der Leiter Liegenschaften der Stadt Kloten wartet geduldig, während sich die Anwesenden fragen, wer wohl sonst noch alles aufkreuzen wird. Denn es geht um ein Geschäft ansehnlichen Volumens, baulich wie auch finanziell. Und das an ganz besonderer Lage.

Zwischen Hauptstrasse und Autobahn, direkt neben der Kaserne und mitten in der Anflugschneise auf die Westpiste, will die Stadt über 7000 Quadratmeter Land verkaufen. Dort befindet sich das seit Jahrzehnten unter Denkmalschutz stehende Klotener Doktorhaus, samt Stall mit Scheune, Waschhäuschen und grosser Wiese. Das Spezielle daran: Die Stadt hat das alles gar nie gekauft, auch nicht gewollt, sondern vererbt bekommen. Und das erst noch, ohne im Voraus davon zu wissen.

Erst nach dem Tod der letzten Bewohnerin und vormaligen Hausbesitzerin Erika Altorfer offenbarte sich Ende März 2011, dass sie das Haus der Stadt Kloten vermachte. «Es haben sich 24 Leute angemeldet», sagte Emma Schmid, Immobilienbewirtschafterin der Stadt. Es seien Vertreter von sechs Unternehmen da, darunter Treuhandfirmen. Woher und für wen man die Liegenschaft genau unter die Lupe nahm, bleibt im Dunkeln. Einziger möglicher Hinweis bei einer jungen Geschäftsfrau: Auf dem Schreibblock prangte das Logo einer bekannten Gastromarke von einem Zürcher Aussichtsberg. Ein Doktorhaus als Restaurant gibts auch in Wallisellen, wieso also nicht auch in Kloten?

Viel Investitionsbedarf

Auf dem Rundgang gings ins Kellergewölbe, durch die getäferten Räume mit gepflegten Kachelöfen bis unters Dachgebälk. Zentralheizung gibts nicht. Schnell wird allen klar, die Villa hat Charme und ist innen grösser, als es von aussen den Anschein macht. Allerdings sind Ausstattung und Haustechnik heillos veraltet, auch Bad und Küche.

Die Geschäftsleute liessen sich nicht in die Karten blicken, der letzte Mieter im Haus, Geri Brunner, gab derweil bereitwillig Auskunft. In einem der Zimmer gab sich eine Frau als Nachbarin, später eine andere als Politikerin aus Bülach zu erkennen.

Weniger distanziert waren die alten Eberhards, die samt Jungmannschaft und Neugeborenem aus Höri gekommen waren. Der über 90-jährige Ruedi und seine Frau erinnerten sich an früher. Er habe schon die Eltern der letzten Bewohner gekannt, erzählte der alte Klotener. Ob er sich das Haus denn kaufen möchte, das liess er jedoch unbeantwortet.

Angebote bis 27. 4. einreichen

Auch der zuständige Stadtrat Mark Wisskirchen (EVP) hatte sich mit seiner Frau unter die Besucher gemischt. Er hielt sich aber im Hintergrund und überliess die Führung seinen beiden Immobilienfachleuten aus der Stadtverwaltung. Bis am 27. April könnten nun alle Interessenten ein Angebot bei der Stadt Kloten deponieren, macht er zum Schluss klar. Was zählt, ist weniger die Höhe des Gebots, sondern vielmehr ein gutes Konzept, wofür und wie die Liegenschaft künftig genutzt werden soll. «Wir sind gespannt», meinte Wisskirchen.

Erstellt: 19.03.2018, 20:56 Uhr

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