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Bei Demenz ist Verdrängen das falsche Rezept

Eine unauffindbare Brille oder ein ver­gessener Name müssen keine Anzeichen für Demenz sein. Dass es aber Symptome gibt und weshalb es wichtig ist, diese nicht zu verdrängen, hat Alt-Stadtarzt Albert Wettstein in Wallisellen erklärt.

Alt-Stadtarzt Albert Wettstein referierte in Wallisellen im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Tage zum Vergessen» zum Thema Demenz.
Alt-Stadtarzt Albert Wettstein referierte in Wallisellen im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Tage zum Vergessen» zum Thema Demenz.
dsh

Alzheimer ist nicht nur die Krankheit des Vergessens. Esist auch die Krankheit des Verdrängens. «Das gilt für Patien-ten, Angehörige und Ärzte», sagt Albert Wettstein. Der ehemalige Zürcher Stadtarzt und Dozentfür geriatrische Neurologie an der Universität Zürich spricht vom «Mythos Alzheimer.» Indem man die Krankheit selber nicht wahrhaben wolle, sei aber niemandem geholfen, so der Experte. Seine Devise lautet «Erkennen und akzeptieren».

Um das Erkennen ging es im ersten Teil seines Vortrags. Diesen hielt Wettstein am Samstag im Rahmen der Walliseller Veranstaltungsreihe «Tage zum Vergessen». «Wer den Familien­namen des Vereinskollegen vergisst, hat noch lange keine Demenz», gab er Entwarnung. Auch wer seine Brille nicht sofort finde, müsse nicht in Panik geraten. «Diese Dinge haben auch mit persönlichen Stärken und Schwächen zu tun.» Doch es gebe, soder Mediziner, durchaus aussagekräftige Indizien für die Krankheit.

Wettstein sprach von den sieben Schlüsselfragen (siehe Kasten). «Deuten diese auf eine Erkrankung hin, ist es wichtig, rasch eine ärztliche Diagnose einzu­holen», sagte Wettstein. «Das ist für die Betroffenen entlastend.» Nicht mehr sie selber, sondern die Krankheit sei dann schuld an ihren Defiziten.

Die Umgebung informieren

Das Erkennen und das Akzeptieren seien aber auch zentral, weil sie ermöglichten, wichtige Dinge zu regeln, etwa eine Patientenverfügung zu schreiben oder zu bestimmen, wer die persönlichen Belange regeln solle. Wettstein empfiehlt, die Umgebung zu informieren. «Schreiben Sie an Freunde und Bekannte und erklären Sie, was Sache ist.» Das nehme diesen die Unsicherheit und verhindere die soziale Isolation der Erkrankten.

«Ein reges soziales Leben ­entlastet die Angehörigen und verlangsamt das Fortschreiten der Krankheit», sagt der Experte.Das gelte übrigens für alle. Die in einer Person schlummernde Demenz sei nämlich beeinflussbar: durch körperliche und geistige Aktivität, Überwachen von Blutdruck und Cholesterin, Nichtrauchen und gesunde Ernährung. «Das hat dazu geführt, dass heute im Vergleich zu vor 30 Jahrennur noch die Hälfte jeder Altersgruppe von Demenz betroffen ist», schloss Wettstein seine Ausführungen zur nach wie vor unheilbaren Krankheit.

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