Glattfelden

Bei Katzenfutter braucht der Igel eine Diät

Der Naturschutzverein hat zum Vortrag «Aus dem heimlichen Leben der Igel» ins Pfarrhauses eingeladen. Dort hat Simon Steinemann vom Igelzentrum Zürich über das Leben der stacheligen Gartenbewohner referiert.

Der Igel lebt jeweils nicht nur in einem, sondern in mehreren Gärten gleichzeitig.

Der Igel lebt jeweils nicht nur in einem, sondern in mehreren Gärten gleichzeitig. Bild: Archivfoto: Tomasz Wojtasik

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Das Igelzentrum Zürich feiert sein 20-jähriges Jubiläum. Aus diesem Grund wolle man vermehrt «hinausgehen», um dank Vorträgen den Igel den Menschen näherzubringen, erklärte Simon Steinemann, Geschäftsführer des Igelzentrums und gelernter Landschaftsarchitekt. Dass man weniger Igel sehe als früher, sei eine subjektive Meinung. «Tatsächlich gibt es aber Gebiete, wo Igel nicht mehr nachweisbar sind.»

Die Wildtiere leben gern in Siedlungsgebieten und am Stadtrand - mitten im Wald oder im offenen Landwirtschaftsland seien sie nicht anzutreffen. Hecken, von denen es je länger je weniger gebe, seien das bevorzugte Lebensgebiet. «Der Igel liebt Grünflächen und Versteckmöglichkeiten.» Trotzdem sei es nicht ganz korrekt, vom «Igel in meinem Garten» zu sprechen, denn ein Igel lebe in 30 bis 50 verschiedenen Gärten. So stelle das Überqueren der vielen Quartierstrassen die grösste Gefahr für das Leben der Igel dar. «Durch ein defensives Fahrverhalten könnte man manchen Igel retten», ist Steinemann überzeugt. Rund eineinhalb Kilometer lege ein Igel in einer Nacht zurück, bei paarungswilligen Männchen seien es sogar um die fünf Kilometer. «Damit nimmt auch die Wahrscheinlichkeit zu, überfahren zu werden.»

Igel vertragen keine Milch

Die Leibspeise des Igels seien vor allem Käfer. Aber auch Würmer und Raupen liebe er. Milch werde von Igeln schlecht vertragen, obwohl sie sie gern haben. Dem Igel als Schneckenvertilger gehe allerdings ein zu guter Ruf voraus. «Nacktschnecken gehören definitiv nicht zu seinen Lieblingsspeisen.» Zudem sei es ein Mythos, dass Igel sich von Äpfeln ernähren. «Der Igel ist kein Vegetarier, aber er hat Süsses gern.» Obwohl Igel Katzennahrung lieben, solle man höchstens Igelpatienten damit füttern. «Der Igel ist ein Wildtier und sollte sein Futter selber finden», betonte der Referent. Wenn man im Garten einen verletzten Igel finde, solle man sich mit Fachleuten oder einem Tierarzt in Verbindung setzen. Bei einem Gewicht unter 500 Gramm dürfe man ihn zehn bis 14 Tage mit Katzenfutter zufüttern, damit er das nötige Gewicht erreiche, um in den Winterschlaf zu gehen.

Um dem Igel ein geeignetes Plätzchen für seinen Winterschlaf zu bieten, welcher normalerweise von Mitte November bis April dauere, sei ein vor Sonne geschützter Platz zu bevorzugen. Wilde Ecken mit Material wie Laub und strukturreiche Gärten seien ideal. Da der Igel Hohlräume liebt, könne man mit Spalthölzern einen Hohlraum schaffen, diesen mit Laub und Tannenzweigen abdecken, damit das Innere trockenbleibe, und das Laub nach einem Jahr ergänzen. Mit wenig Aufwand liesse sich auch ein kleiner Holzhaufen so aufbauen, dass ein Igel sich im Hohlraum darunter einnisten könne, um den Winterschlaf zu verbringen.

Nach dem Winterschlaf erfolgt die Paarungsphase. 30 Tage lang sind die Igeldamen schwanger, und Mitte Mai finden die frühesten Igelgeburten statt. Fünf bis sechs Junge bringt die Igelmutter normalerweise zur Welt. Die Kleinen trinken 40 Tage lang Milch von der Mutter, lernen aber wenig von ihr. «Die Jungen machen ihre Erfahrungen viel mehr nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum», sagte Steinemann.

Neben dem Strassenverkehr und dem grössten Feind Dachs gibt es zahlreiche weitere Gefahren für den Igel. So habe ein Igel kaum eine Chance, aus einem Schwimmbad hinauszukommen, obwohl er schwimmen könne. Hier könnte man mittels einer Hühnerleiter Hilfe bieten. Igel könnten sich auch in Beerennetzen verfangen, deshalb sollte man diese nicht bis zum Boden hängen lassen. Eine weitere Gefahr stelle der Fadenmäher dar. Beim Mähen unter Gebüschen sollte man vorsichtig sein und nicht zu tief hinuntermähen, um auch Blindschleichen nicht zu gefährden. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.02.2018, 16:00 Uhr

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