Region

Beteiligung hoch und trotzdem tief

Die Abstimmungen am Wochenende mobilisierten die Stimmberechtigten. Im Kanton Zürich steht das Unterland trotzdem am Ende der Rangliste.

Bei der Durchsetzungsinitiative war die Stimmbeteiligung im Bezirk Bülach tiefer als im Bezirk Dielsdorf.

Bei der Durchsetzungsinitiative war die Stimmbeteiligung im Bezirk Bülach tiefer als im Bezirk Dielsdorf. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die höchste Stimmbeteiligung gab es vorgestern bei der Durchsetzungsinitiative. 66,4 Prozent aller Zürcher Stimmberechtigten füllten bei dieser Vorlage den Abstimmungszettel aus – rund zwei Drittel also. Den kantonalen Schnitt runtergezogen hat dabei das Unterland. Mit 62,5 Prozent im Bezirk Dielsdorf und 62,3 Prozent in Bülach war die Beteiligung hier am tiefsten. Ungewöhnlich ist dabei, dass dem Bezirk Bülach die Rolle des Schlusslichts zufällt und nicht Dielsdorf, wie das sonst üblich ist. Dabei haben auch spezielle Bemühungen nichts gebracht, wie das Beispiel Opfikon zeigt. Via Facebook machte die Stadt Werbung und öffnete im Glattpark ein neues Wahllokal, wo es für Urnengänger Kaffee und Gipfeli gab.

Das hat, relativ gesehen, etwas gebracht, nämlich die höchste Stimmbeteiligung in Opfikon seit der EWR-Abstimmung am 6. 12. 1992 – 53,9 Prozent. Das trifft aber auf fast jede Gemeinde im Kanton zu. Und so bleibt Opfikon trotz des guten Ergebnisses im Vergleich zu den anderen Gemeinden dann doch nur die rote Laterne. Einzig der Zürcher Wahlkreis 12 (Oerlikon/Schwamendingen) hatte eine noch tiefere Beteiligung. Oberglatt, sonst Abstimmungsmuffel Nummer 1 im Kanton, hat es mit 55 Prozent noch vor Schlieren ­geschafft.

Früher war Rafzerfeld top

In der Rangliste der nicht so Demokratiebegeisterten reihen sich Kloten, Rorbas, Regensdorf, Rümlang, Dällikon, Bachenbülach und Höri mit unter 60 Prozent in die «Worst 11» ein. Neun der elf Gemeinden sind im Unterland. Umgekehrt hat es unter die «Top 11» mit Regensberg (77,2 Prozent) gerade mal ein Vertreter geschafft. Das Lägernstädtchen hält die Unterländer Spitzenposition seit Jahren souverän und erreicht mit seinen 298 Stimmberechtigten auch stets die höchsten Beteiligungsquoten an Gemeindeversammlungen.

Diese Position war aber nicht immer gegeben. Früher war das ­erweiterte Rafzerfeld der Massstab des Unterlands. Bei der Abstimmung über die Bilateralen im Juni 2005 waren Wasterkingen, Eg­lisau und Rafz die Topgemeinden der Region (rund 70 Prozent Beteiligung). Die EWR-Abstimmung mobilisierte neben Bachs in Wil, Hüntwangen und Rafz besonders, über 90 Prozent nahmen teil.

In den letzten Jahren haben die Rafzerfelder aber die Rolle mit den Lägern-Gemeinden Regensberg und Boppelsen getauscht. Diese sind aus dem Mittelfeld in die Top-Liga aufgestiegen, die Gemeinden nördlich des Rheins verzeichnen hingegen nur noch mittelmässige Beteiligungsquoten – im kantonalen Vergleich. Auf der anderen Seite gehören Oberglatt, Opfikon, Rorbas, Kloten, Höri und Regensdorf seit langem zu den abstimmungsfaulsten Gemeinden des Kantons. Nur Flughafen-Vorlagen hieven diese üblichen Verdächtigen aus dem hintersten Feld der Beteiligungsrangliste temporär wenigstens in das untere Mittelfeld.

Dielsdorf am extremsten

Was der Lokalkolorit bei Abstimmungen ausmachen kann, zeigte sich letzten Sonntag auch in ­Eglisau. Dort wünschen sich die Stimmberechtigten eine Umfahrung. Nur 56 Prozent sagten deshalb Ja zur zweiten Röhre am Gotthard, mit Abstand der tiefste Wert im Unterland. Viele Eglisauer hofften wohl auf bessere Chancen für ihre Umfahrung, wenn am Gotthard Geld gespart wird.

Bezirksmässig haben sich am Abstimmungssonntag die 22 Diels­dorfer Gemeinden als ex­tremste im Kanton herausgestellt. Vier der zwölf Zürcher Bezirke sagten beispielsweise Ja zur CVP-Heiratsinitiative, Dielsdorf mit 53 Prozent am deutlichsten (Bülach 49,7%). Auch bei der Gotthard-Abstimmung hat der Bezirk Dielsdorf mit 66 Prozent am klarsten Ja gesagt ­(Bülach 63%). Und bei der Durchsetzungsin­itia­ti­ve waren die Dielsdorfer mit 49,1 Prozent am nächsten an einem Ja (Bülach 44%). Im Kanton haben 34 der 183 Gemeinden und Wahlkreise die SVP-In­itia­ti­ve angenommen, dar­un­ter zwölf Unterländer und ­davon wiederum acht aus dem Bezirk Dielsdorf. National hatte die Vorlage aber bekanntlich keine Chance. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 01.03.2016, 08:31 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.