Opfikon

Bewegte Vergangenheit mit Zukunftsplänen

1764 blieb das damals rund 120-jährige Bauernhaus vom Brand im Oberdorf verschont. Einem Feuer im eigenen Dachgebälk verdankt es seine heutige Bestimmung als Dorfträff mit Ortsmuseum, Gesellschaftsraum und Galerie.

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Opfikon mag eher für die moderne Urbanität des Glattparks bekannt sein als für ländliche Idylle. Diese findet man im alten Dorfkern – jenseits von Flughafen und Autobahn. Am Brunnenplatz im Unterdorf steht eines der ältesten Gebäude der Gemeinde. Das Neujahrsblatt der Stadt Opfikon zeichnete 1988 die Geschichte des Hauses vom mittelalterlichen Wagnerinnenhof zum heutigen Dorfträff nach.

Das Gut der im Niederdorf wohnenden Zürcherin Adelheit Wagner wurde erstmals 1450 urkundlich erwähnt. Durch Verkäufe und Erbteilungen von ehemals rund 20 Hektar zu einem kleinen Hof geschrumpft, liess Beath Hindermeister von Oberhausen 1640 das bestehende, wohl hölzerne Haus abreissen und über einem gemauerten Kellergeschoss ein repräsentatives, zweistöckiges Bauernhaus in Bohlenständer-Bauweise erstellen. Die weiteren Besitzverhältnisse, so erfährt man im Neujahrsblatt, sind lückenlos dokumentiert, doch über den Alltag, Glück und Leid der Bewohner ist nur wenig bekannt.

Eine Küche für vier Familien

Das Gebäude wurde bald in einen Nord- und Südteil getrennt, ein Tenn angebaut. Um 1800 lebten vier Haushalte in den Räumlichkeiten, der Schuhmacher Johannes Güttinger hauste mit seiner sechsköpfigen Familie in der grössten Stube – und schusterte auch dort. «Die Leute waren damals mausarm. Die Küche wurde gemeinschaftlich nach einem ausgefeilten Zeitplan genutzt und für den Keller- und Scheunenzugang ein Wegerecht über das Treppenhaus verbrieft», bemerkt Jürg Leuenberger, seit acht Jahren Präsident der Dorfträff-Genossenschaft.

Der ehemalige Reallehrer und frühere Opfiker Stadtpräsident weiss in vielen bunten Anekdoten vom wechselvollen Verlauf des Hauses an der Dorfstrasse 32 zu erzählen. Zum Beispiel, warum es mit knapp 380 Jahren zu den ältesten noch in Gänze bestehenden Gebäuden der Gemeinde gehört: Schuld trägt der Dorfbrand im April 1764, ausgelöst von einem Bauern, welcher den wunden Euter seiner Kuh mit getrockneten Heublumen heilen wollte. Der glimmende Jutebeutel entzündete das Stroh, den sich im Föhnsturm schnell ausbreitenden Flammen fielen innert einer halben Stunde elf Häuser im Oberdorf zum Opfer, die Kapelle brannte nieder bis auf den Turm.

Erstmals Wohnung mit WC

1963 wurde das Haus von der politischen Gemeinde erworben und die Wohnungen im Zuge der Renovation erstmals mit sanitären Anlagen versehen. Konkrete Pläne hatte man mit der Liegenschaft nicht, erzählt Leuenberger und berichtet von einem weiteren Feuer am 25. Juni 1976: «Zwei alte Damen wollten ihren ganzen Karsumpel im Küchenofen verbrennen und lösten damit einen Kaminbrand im Dachstuhl aus. Löschen oder abbrennen lassen, das war für einen Moment die Frage.»

Zu Schaden kam niemand, die Eichenbalken aus dem Hardwald erwiesen sich als recht brandresistent. Das weitere Schicksal des nun unbewohnbaren Hauses war lange Jahre ungewiss. «Man schwankte zwischen dem Wiederaufbau als reines Museum oder dem Abriss und modernem Neubau», erinnert sich der 80-Jährige. An der Urne setzte sich 1984 ein dritter Vorschlag durch, ein 2,65 Millionen-Kredit zur Sanierung wurde bewilligt: Das Bauernhaus sollte seine neue Bestimmung als kultureller Treffpunkt finden.

Risse sorgen für Zwangspause

Im Oktober 1986 wurde der Dorfträff mit Gesellschaftsraum, Ortsmuseum, einer Galerie für wechselnde Ausstellungen, zwei angegliederten Wohnungen, Laden und Werkstatt feierlich eröffnet. Vor drei Jahren zeigten sich Risse an der Decke im Gesellschaftsraum. Nach erneuter Sanierung wird dieser voraussichtlich ab August wieder zu mieten sein. Die Zwangspause wurde genutzt, um für das darüber liegende, seit bald 30 Jahren fast unveränderte Museum ein modernes Konzept zu erstellen. «Die Kosten für die Umsetzung liegen im sechsstelligen Bereich», räumt Leuenberger ein, doch das einstige Opfiker Familienleben zeitgemäss zu präsentieren ist ihm eine Herzensangelegenheit. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 21.07.2017, 15:52 Uhr

Serie

Der Artikel über den Dorfträff Opfikon ist Teil 2 der Serie, in welcher der ZU die ältesten Gebäude in Unterländer Gemeinden vorstellt. (red)

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