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Böse E-Mails wegen Böllerschüssen

Der Knabenverein hält eine langjährige Tradition aufrecht. An Hochzeiten feuern seine Mitglieder Kanonenschüsse ab. Davon fühlen sich nun ein paar Einwohner gestört und haben bei der Gemeinde reklamiert.

Der Knabenverein organisiert das Hochzeitsschiessen. Präsident Kevin Mülli (Zweiter von rechts) verschickt neu vorgängig E-Mails an Tierhalter.
Der Knabenverein organisiert das Hochzeitsschiessen. Präsident Kevin Mülli (Zweiter von rechts) verschickt neu vorgängig E-Mails an Tierhalter.
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An zwei Samstagen hintereinander hat in Niederweningen eine Hochzeit stattgefunden. Traditionsgemäss feuern dann die Mitglieder des vor mehr als 125 Jahren gegründeten Knabenvereins Schüsse aus einem Mörser und einer Kanone zu unterschiedlichen Zeiten ab. Mit sieben Serien zu je sieben Schüssen wird das Hochzeitspaar symbolisch in den siebten Himmel gehoben. «Dieser Lärm passt nun einigen Leuten aus dem Dorf nicht», sagt der Präsident des Knabenvereins, Kevin Mülli. Nach den letzten beiden Schiessen am 17. und 24. Juni sei es vermehrt zu negativen Reaktionen gekommen.

Dies bestätigt die Nieder­weninger Gemeindepräsidentin Andrea Weber. «Es sind vor allem Leute mit Haustieren, die sich über die Böllerschüsse beschweren», erklärt sie. Bisher seien die Reklamationen jeweils bei der Verwaltung eingegangen. Doch nach letztem Samstag habe sie persönlich vier E-Mails bekommen, die zum Teil sehr lang ge­wesen seien.

Gewisses Verständnis in Bezug auf Tiere

Andrea Weber hat ein gewisses Verständnis für Halter von Haustieren, die ihren Vierbeinern diesen Lärm ersparen wollen. Trotzdem findet sie es schade, wenn sich die Einwohner gegen diese Tradition wehren. «Im Vergleich zu Lärmimmissionen aus andern Quellen sollten diese Böllerschüsse zu verkraften sein», sagt sie. Sie habe sich beide Male selber im Freien aufgehalten, als es losging. «Die Knaller waren schnell vorbei.» Grundsätzlich findet sie es eine gute Tradition, die der Knabenverein seit vielen Jahren fortführt. «Die Idee, die dahintersteckt, ist doch schön.» Da der Zeitpunkt des Hochzeitsfests am 17. Juni kurzfristig vorverschoben worden war, fand das Schiessen während der Mittagszeit statt. Das soll in Zukunft vermieden werden.

Andrea Weber geht davon aus, dass der Gemeinderat einen neuen Beschluss für das Hochzeitsschiessen ausarbeiten muss, in dem die mög­lichen Zeiten festgehalten sind. «Wir stehen hinter diesem Brauch in unserem Dorf und sind sehr daran interessiert, dass das Hochzeitsschiessen in Nieder­weningen weiterhin durchgeführt werden kann.»

Was der Gemeindepräsidentin aufgefallen ist, hat auch Kevin Mülli festgestellt: «Es sind vor allem Neuzuzüger und Leute, die nicht im Dorf verwurzelt sind, die sich am Hochzeitsschiessen stören.» Er hat eine Liste angefangen mit E-Mail-Adressen von Leuten, die er persönlich anschreibt, bevor der Knabenverein seine Kanone abfeuert. «Es sind vor allem Personen, die einen Hund oder Pferde halten», sagt er.

Auf der Gemeinde-Homepage ist ein Info-Flyer zum Thema zu finden. In den letzten fünf Jahren habe es nie mehr als fünf Anlässe pro Jahr gegeben, an denen die Böllerschüsse losgelassen wurden. Der nächste Termin steht allerdings schon fest. Zur Eröffnung des Waldfestes am Wochenende vom 28. und 29. Juli kommt die Kanone des Knabenvereins wieder zum Einsatz. Andrea Weber lobt denn auch das Engagement dieses aus unverheirateten Männern bestehenden Vereins, der mit der Organisation von verschiedenen Festen sehr viel für die Bevölkerung investiert. Hochzeitsschiessen ist in Dällikon kein Problem

Auch in Dällikon ist der Brauch des Hochzeitsschiessens bekannt. Der dortige Knabenverein ist ebenfalls dafür besorgt, dass es bei einer Trauung laut knallt. «Die Zeiten, wann das möglich ist, sind klar geregelt», sagt Gemeindeschreiber Ruedi Bräm. Am frühen Morgen sind pro Serie maximal drei, später fünf Schüsse erlaubt. Bisher habe es nie offizielle Reklamationen gegeben. «Offenbar ist diese Tradition bei uns im Dorf akzeptiert.» Für das laufende Jahr seien auch nur gerade zwei Termine für einen solchen Einsatz des Knabenvereins bekannt.

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