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Bund kippt Halbstundentakt der S 3

Die S 3 hätte zu Stosszeiten den Bahnhof Hardbrücke mit Bülach halbstündlich verbinden sollen. Im Herbst entschied der Bund, die dafür nötigen Trassen dem Güterverkehr zu geben. Der ZVV protestierte, ist jetzt aber abgeblitzt.

Der Bund will den Güterverkehr bevorzugen – und kippt den geplanten Halbstundentakt zwischen Zürich und Bülach aus dem Programm.
Der Bund will den Güterverkehr bevorzugen – und kippt den geplanten Halbstundentakt zwischen Zürich und Bülach aus dem Programm.
Archiv Balz Murer

Ab Dezember 2018 hätte die S 3, die bislang im Limmattal verkehrt, eine Stosszeitenverbindung zwischen Zürich-Hardbrücke und dem Bahnhof Bülach übernehmen sollen – und zwar im Halbstundentakt. So war es 2009 fixiert worden, als man den definitiven Fahrplan der 4. Teilergänzungen aufstellte. Aus diesen Plänen wird nun aber nichts. Wie das Bundesamt für Verkehr (BAV) am Montag mitteilte, muss die Schienenkapazität für den Güterverkehr verwendet werden.

Konkret steht das S-3-Anliegen im Konflikt mit dem vom Bundesrat am 30. August verabschiedeten Netznutzungskonzept. «Das BAV muss verhindern, dass der Güterverkehr bei Ausbauten des Personenverkehr­angebots das Nachsehen hat», heisst es dazu aus Bern.

Der einstige Halbstundentakt war bereits in der Vernehmlassung gestrichen worden, die dem ZVV im Herbst 2017 vorgelegen hatte. «Wir haben umgehend Stellung genommen und beantragt, dass die ursprüngliche Planung umzusetzen sei», sagt ZVV-Mediensprecher Thomas Kellenberger. Dass man mit diesem Antrag nun abgeblitzt ist, sei schon überraschend. Immerhin habe man seit acht Jahren fest mit dem S-3-Halbstundentakt gerechnet.

Dieser war im Hinblick auf das starke Wachstum der Fahrgastzahlen im Unterland für nötig ­erachtet worden. Doch es geht längst nicht nur um Angebote für Passagiere und um Kapazitäten für Fracht – es geht auch um Investitionen: Gestützt auf die Pläne von 2009, hatte der Kanton die Finanzierungskredite für Infrastrukturanpassungen von insgesamt 345 Millionen Franken gesprochen, wovon er rund zwei Drittel trägt. Und der ZVV verweist in seiner Mitteilung auf die Tatsache, dass das Fahrplanverfahren des ZVV für das Verbundangebot 2019 einschliesslich der S 3 und der darauf ausgerichteten Buslinien inzwischen rechtskräftig abgeschlossen worden ist. ­Zudem seien auch neue Doppelstockzüge gekauft worden. Und diese könnten bei einer derart kurzfristigen Streichung der S 3 nicht anders eingesetzt werden.

ZVV prüft weitere Schritte

Gerade im Hinblick auf grössere finanzielle Investitionen sei der Verbund stets bestrebt, mittels transparenter und vorausschauender Planung grösstmögliche Sicherheit zu erlangen, schreibt der ZVV weiter. «Der vorliegende Entscheid des BAV widerspricht Planungen und Vereinbarungen, die seit Jahren bekannt sind.» Wie man auf die Nachricht aus Bern reagieren werde, müsse sich erst weisen, sagt Kellenberger. «Wir haben die Mitteilung erst heute erhalten.» Sicher sei, dass der Entscheid, so er denn bestehen bleibt, für den ZVV auch finanzielle Folgen haben werde. «Die Züge sind bestellt und die werden auch geliefert.» Man ­wolle jetzt erst einmal die Begründung des abschlägigen Entscheids abwarten.

Im Verlaufe des Nachmittags hatte sich am Montag auch der Verein zur Förderung des öffentlichen Verkehrs zur Sachlage geäussert. Man sei über den Entscheid «nicht nur überrascht, sondern irritiert», liess man in einer entsprechenden Mitteilung verlauten. Eine solche «Hauruck-Übung» dürfe nicht die Angebotsplanung des ZVV in dem am stärksten frequentierten Bahnraum über den Haufen werfen.

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