Kloten

Da sind noch viele Geschosse möglich

Wachstum nach innen ist das Gebot der Zeit. Verdichtung ist nicht nur eine Frage neuer Gebäude, sondern auch neuer Geschosse. Und so betrachtet könnte etwa die Stadt Kloten noch fast verdoppelt werden.

Seine 20 000 Einwohner hat Kloten auf 61,8 Prozent der Wohnzonengeschosse untergebracht, die zulässig wären. Vorausgesetzt, der Quadratmeterbedarf pro Einwohner bliebe gleich, wäre  in der Flughafenstadt theoretisch eine Bevölkerung von gut 32 000 Einwohnern möglich – mit der heutigen Bau- und Zonenordnung.

Seine 20 000 Einwohner hat Kloten auf 61,8 Prozent der Wohnzonengeschosse untergebracht, die zulässig wären. Vorausgesetzt, der Quadratmeterbedarf pro Einwohner bliebe gleich, wäre in der Flughafenstadt theoretisch eine Bevölkerung von gut 32 000 Einwohnern möglich – mit der heutigen Bau- und Zonenordnung. Bild: Christian Wüthrich

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Unterland ist definitiv nicht gebaut. In ihren Wohn-, Arbeits- und Mischzonen verfügen die beiden Bezirke heute zusammen über 23,7 Millionen Quadrat­meter Geschossflächen – und sie könnten noch 19,4 Millionen Quadratmeter dazu realisieren, bis die gesetzlich mögliche Fläche erreicht wäre; über 80 Prozent an Wachstum, ungeachtet allfälliger Baulandreserven.

So lässt sich Dichte messen

Das Mass, das für derlei Prognosen herangezogen wird, ist der Ausbaugrad. Diese Prozentzahl beschreibt das Verhältnis zwischen der heute realisierten und der aufgrund der Gesetze (Bau- und Zonenordnungen, Landschaftsschutz etc.) zulässigen Geschossfläche.

So viel Papier kantonale Siedlungs- und Wachstumsstrategien auch in Anspruch nehmen mögen, die Kernidee ist ziemlich simpel: keine Wiesen und Felder mehr überbauen und trotzdem immer mehr Einwohner, Läden und Arbeitsplätze irgendwo unterbringen, will sagen: verdichten, «nach innen wachsen». Höhere Häuser, weniger Umschwung, Einfamilienhäuser durch Mehrfamilienhäuser ersetzen, im Schnitt mehr Zürcher Siedlungsgebiet pro Are.

(Auf die Tabellen klicken, um sie zu vergrössern)

Mit dem Raumplanungsbericht legt der Regierungsrat dem Kantonsrat alle vier Jahre Rechenschaft darüber ab, ob und wie die bisherige Raumplanung umgesetzt wird. Letzte Woche ist auf 50 Seiten die aktuelle Ausgabe (Zahlen von 2016) veröffentlicht worden.

Darin kommt auch der Fortschritt der Verdichtung zur Sprache: «Die Bauzonen im Kanton werden zunehmend besser genutzt», heisst es im Bericht. Und weiter: «Der Umfang der Bauzonen reicht aus, um das künftige Bevölkerungs- und Beschäftigtenwachstum aufzunehmen.»

Auf der Ebene der Unterländer Gemeinden verteilen sich die Geschossreserven nicht gleichmässig (siehe Tabelle unten). Allerdings haben erst zwei Gemeinden mehr als die zulässige Geschossfläche gebaut (siehe Tabelle): Regensberg (127,8%) und Oberembrach (107,9%).

Die meisten Gemeinden im Bezirk Bülach bewegen sich in einer Bandbreite zwischen 60 und 80 Prozent Ausbaugrad, im Bezirk Dielsdorf liegen die Werte generell etwas tiefer. Mit Wil, Rafz, Weiach und Bachs weisen vier Gemeinden einen Ausbaugrad von weniger als 50 Prozent aus. Da ist also anständig Wachstumspotenzial.

Wichtig festzuhalten ist dabei allerdings: Dieses Potenzial besteht primär mal in der Theorie. Denn auch wo man das «Wachstum nach innen» als Strategie politisch festschreiben kann, dem privaten Hauseigentümer lässt sich der Abriss der Villa nicht einfach befehlen.

Die 80/20-Regel

Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum Wil oder Weiach in absehbarer Zeit keinen Glattpark erhalten wird: Es soll nach der 80/20-Regel gewachsen werden. Diese besagt, dass Gemeinden in städtischen Gebieten (etwa Teile von Kloten, Wallisellen, Opfikon) und in urbanen Wohnlandschaften (wie Regensdorf, Bülach) zusammen 80 Prozent des Wachstums auf­fangen sollen, während die eher ländlichen Gebiete die übrigen 20 Prozent an Wachstum tra­gen.

Mit dem Bau des neuen Stadtteils Bülach Nord ist der Bezirkshauptort schon fleissig daran, viel Wachstum aufzufangen. Gleichwohl ist denkbar, dass Kloten langfristig die einwohnerstärkste Unterländer Stadt sein wird. Denn im Vergleich zu den anderen Unterländer Grossgemeinden weist die Flughafenstadt einen relativ tiefen Ausbaugrad von 50,8 Prozent aus. Bülach hat schon ohne Bülach Nord 69,2 Prozent.

Auch wenn man in Kloten nur die Wohnzone betrachtet, bleibt mit 61,8 Prozent Ausbau noch viel Reserve – und da sind die Mischzonen dann nicht mit eingerechnet. Woher nehmen die Klotener so viel Potenzial? «Ich denke, das Gebiet Steinacher wird einen grossen Teil zu dieser Zahl beitragen», sagt Marc Osterwalder, der Leiter Bereich Lebensraum und Sicherheit. «Dort ist die Ausnutzung sehr tief und das Gebiet macht etwa ein Sechstel unseres Siedlungsgebiets aus.»

«Noch nicht ausgeschöpft»

Was die Industriezonen angehe, sei das Gebiet Riedgässli zu nennen, das ebenfalls noch Reserven ausweise. Und dann komme hinzu, dass die Stadt 2012 ihre Bau- und Zonenordnung im grossen Stil angepasst habe, sagt Osterwalder. Das gab im wörtlichen Sinne mehr Luft nach oben. «Wir haben etwa im Gebiet Bahnhof die Zahl der zulässigen Geschosse von vier auf fünf erhöht, in anderen Zonen haben wir sogar um zwei Geschosse aufgestockt.»

Zwar finde die auf diese Weise geplante Aufstockung seither auch statt, «aber natürlich werden die neuen Möglichkeiten in nur fünf Jahren nie und nimmer vollständig ausgeschöpft.» Damit bleibt das theoretische Potenzial an neuen Stockwerken gross – zumindest vorerst.

Erstellt: 29.07.2018, 19:55 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!