Kloten

Dank abtrünniger SVPler wird der Rufbus noch günstiger fahren

Die letzte grössere Siedlung auf Klotener Gebiet wird ab Dezember kein weisser Fleck mehr sein im ÖV-Netz. Doch ein Sonderzuschlag und der Fahrplan des neuen Rufbus' haben für Kritik im Stadtparlament gesorgt.

Ab Dezember wird es möglich von Kloten nach Gerlisberg zu fahren mit einem sogenannten Rufbus, der stark subventioniert quasi ein ÖV-light-Angebot schafft.

Ab Dezember wird es möglich von Kloten nach Gerlisberg zu fahren mit einem sogenannten Rufbus, der stark subventioniert quasi ein ÖV-light-Angebot schafft.

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Plötzlich ist der Wille da: Klotens Parlament und auch der Stadtrat sind jetzt für eine ÖV-Erschliessung des Weilers Gerlisberg. Nachdem dieses Vorhaben vor vier Jahren noch aus dem städtischen Budget gestrichen und von der Mehrheit als unnötiger Luxus abgetan wurde, steht das Angebot nun kurz vor der Einführung.

Dass zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember erstmals ein Fahrdienst auf Bestellung Personen zwischen Gerlisberg, dem Friedhof Chloos und dem Bahnhof Kloten befördern wird, hatte der Stadtrat bereits lange vor der Parlamentssitzung vom Dienstag in eigener Kompetenz beschlossen. Nur über die Ausgestaltung dieses neuen «ÖV-light»-Projekts waren sich die Volksvertreter des Klotener Gemeinderats noch nicht ganz einig.

«Nägel mit Köpfen» habe der Stadtrat gemacht, freute sich SP-Gemeinderätin Sigrun Sommer am Rednerpult vor ihren Ratskolleginnen und -kollegen. Sie hatte im Dezember 2017 mit einem Postulat den neuerlichen Anstoss für einen Rufbusbetrieb zwischen dem Bahnhof Kloten, dem Friedhof und Gerlisberg gegeben. Ihre Freude über die prompte Reaktion des Stadtrates, der nur gerade sieben Monate später schon ein fertiges Konzept vorgelegt hatte, wurde aber in etlichen Punkten ebendieses Papiers getrübt.

3 Franken pro Fahrt – statt Lokaltarif plus 5 Franken

Die Einführung des Rufbusses sei durch ihre Nachforderungen nicht gefährdet, hat Sommer abgeklärt und nannte ihre Änderungsvorschläge: Eine Ausweitung des Fahrplans bis in die Abendstunden, die Streichung des Sonderzuschlags von fünf Franken pro Fahrt und statt eines regulären ZVV-Lokalnetztickets die Einführung von Pauschalbilletten für drei Franken pro einfache Fahrt mit dem Rufbus. Etwas verquer im politischen Betrieb erscheint, dass diese Wünsche nun in Form eines nachträglich eingeforderten Ergänzungsberichts an den Stadtrat adressiert wurden. «Dazu bräuchte es eigentlich eine separate Motion», bemerkte gar die zuständige Stadträtin Priska Seiler Graf (SP), die dem Vorhaben grundsätzlich wohlgesinnt ist. Doch wenn man sich in dieser Sache einig sei, werde der Stadtrat das schon so umsetzen. Die Verkehrsbetriebe Glattal (VBG), welche für die Signalisation der Haltestellen innerhalb des auf zwei Jahre befristeten Testbetriebs zuständig sind, hätten bereits versprochen, dass man hier eine Ausnahme machen könne. Das heisst: die VBG wollen auf den Fünfliber als Zuschlag verzichten.

Insgesamt werden die Forderungen die Stadt mehr als die zunächst berechneten 30 000 Franken pro Jahr kosten. Die Postulantin geht von rund 50 000 Franken aus. «Das ist aber immer noch nur die Hälfte von dem, was Kloten dem ZVV pro Jahr an Gebühren für eine normale Bushaltestelle zahlen muss».

Die Mehrheit des 32-köpfigen Stadtparlaments stimmte den Nachforderungen schliesslich zu. Prompt hatten drei SVP-Gemeinderäte (Ueli Morf, Roland Lieb und Sabrina Manhart) die Fronten gewechselt und stimmten mit SP, EVP, GLP und den Grünen. Ueli Morf, der einzige Gerlisberger im Rat, pflichtete der SP-Kollegin Sommer bei, der Sonderzuschlag von fünf Franken pro Fahrt sei nicht familienfreundlich. «Das ist zu viel.»

«Luxuslösung» kritisiert die bürgerlicher Seite

16 zu 13 lautete das Stimmenverhältnis für eine Preissenkung und Ausweitung des Fahrplans. Ohne die drei Abtrünnigen hätten die unterlegenen bürgerlichen Fraktionen der SVP, FDP und CVP ihrerseits mit 16 zu 13 obsiegt. Die Reaktion der bürgerlichen Parteien waren deutlich. Besonders die FDP tat ihren Unmut über die «Luxuslösung» und «massiv subventionierte Taxistrecke» kund, wie Fraktionssprecher Marco Vollenweider es nannte. Und auch Irina Bannwart (CVP) wollte keine Anpassungen vornehmen, sondern hätte lieber zuerst die Ergebnisse des Testbetriebs mit dem Extra-Fünfliber abgewartet.

Tanja Woodhatch (EVP) hielt dagegen und ermahnte, dass «schon von Anfang an ein realistisch angeordenter Versuchsbetrieb» stattfinden sollte. Ansonsten würden die Erkenntnisse nichts bringen. Roman Walt (GLP) bedauerte das «vorschnelle Vorgehen» des Stadtrates, der besser zuerst bei der Postulantin und den zustimmenden Fraktionen hätte nachfragen sollen, bevor er schon Anfang Juli sein Konzept vorlegte.

Nun liegt der Ball beim Klotener Stadtrat und damit bei Sicherheitsvorsteherin Priska Seiler Graf. Sie wehre sich nicht gegen mehr ÖV, meinte sie. «Aber das ist schon ein gewaltiges Entgegenkommen», gab sie zu verstehen und hatte ein gewisses Verständnis für die bürgerliche Kritik. Klar ist: Der Testbetrieb beginnt mit der Fahrplanwechsel am 9. Dezember.

Die weiteren Geschäfte und zwei neue Werbefilme für Kloten

Nebst dem Rufbus beschäftigte sich das Klotener Stadtparlament vorgestern Dienstag auch mit dem Lehrplan 21 und mit einer Übergangslösung in Sachen Gebührenordnung. Beide Geschäfte wurden schliesslich einstimmig angenommen. Während die bis 2022 befristet eingesetzte Gebührenregelung für Dokumente und Dienstleistungen der Stadtverwaltung keine Diskussionen auslöste, gab der Kredit über 1,25 Millionen Franken für die Umsetzung des neuen Lehrplans schon mehr zu reden. Das Geld wird in den nächsten drei Jahren in drahtloses Internet, Drucker, Computer und Tablets für alle Klotener Schüler gesteckt – selbst die Kindergärten werden damit aufgerüstet. Zudem muss auch ein IT-Support her, wofür gar eine zusätzliche Stelle geschaffen wird. Das alles sei nötig, damit die Schule Kloten den Lehrplan 21 überhaupt vorschriftsgemäss umsetzen könne. Das schien allen Parteien einzuleuchten, zumal auch der zuständige Stadtrat Kurt Hottinger (SVP) von einem «unglaublich wichtigen Geschäft» sprach. «Da draussen geht es in unglaublich schnellem Tempo vorwärts», deshalb müsse man diesen digitalen Weg mitgehen, sagte er. Trotz breiter Zustimmung war auch leise Kritik zu hören. Die frühere Schulpflegerin Sandra Eberhard (SVP), die in diesem Sommer ins Stadtparlament gewechselt hat, fragte sich, ob es denn wirklich nötig sei, dass schon im Kindergarten IT-Anwenderkompetenzen unterrichtet werden müssen und Drucker und WLAN wirklich in jedem Zimmer nötig seien. Ebenso kritische Worte gabs zu den Ausgaben, welche aufgrund der Folgekosten wohl noch viel höher ausfallen dürften als die genannten 1,25 Millionen im Kreditrahmen. Dennoch befand sie: «Die Schule muss Kinder vorbereiten, auf das, was im Berufsleben kommt.» Zudem sei ein selbstbewusster Umgang mit digitalen Medien wichtig. Irina Bannwart (CVP) betonte wie wichtig es sei, dass Kinder in der Schule den sicheren Umgang mit Tablets lernten, «egal was sie zuhause damit tun».

Die gesamte Medienkompetenz von mehreren Mitarbeitern der Stadtverwaltung und Politikern im Saal war anschliessend nötig, um die neuen Werbefilme über Kloten zu starten. Das seien quasi Bewegtbild-Visitenkarten, heisst es. Zu bestaunen sind sie auf Youtube oder auf Kloten.ch/News. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.09.2018, 20:06 Uhr

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