Glattfelden

Dank Weihwasser in eine hoffentlich unfallfreie Töffsaison

Rund 40 Töffs und zwei Velos wurden in der katholischen Kirche durch Pfarrer Stanislav Weglarzy gesegnet. Anwesend waren unter anderem ein Samichlaus und ein Rocker.

Pfarrer Stanislav Weglarzy aus Glattfelden segnete die Motorräder.
Video: CA-Media

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Stimmung ganz oben am Fusse des Laubbergs, wo die katholische Kirche an bester Lage majestätisch über dem Glattal thront, ist friedlich. Töff um Töff fährt am vorgestern Sonntag vor, wird direkt vor der Kirche eingewiesen. Es ist eine bunt gemischte Schar, welche in Motorradkluft den Vehikeln entsteigt – Jung und Alt, vor allem Männer, aber auch einzelne Frauen.

Ihnen gemein ist die Leidenschaft fürs Töfffahren, aber auch der Gedanke, dass eine höhere Macht sie beschützen soll. Chromstahlglänzend stehen die PS-starken Maschinen in Reih und Glied, verheissen Abenteuerlust, Schnelligkeit und Macht. Neben Nummernschildern aus Zürich sticht ein knallrotes Trike mit Aargauer Kontrollschildern ins Auge. Es ist ausgestattet mit diversen Hupen und Klingeln und sieht im Gegensatz zu all den leistungsstarken Motorrädern beinahe gemütlich aus.

Zu langsam unterwegs

Die Glocken läuten den Gottesdienst ein. Die kleine Kirche ist bis auf den letzten Platz besetzt. Pfarrer Stanislav Weglarzy begrüsst die Anwesenden, darunter auch Familien mit kleinen Kindern. «Gott unterstützt, dass wir mit unseren Töffs unterwegs sind», sagt er und erzählt humorvoll von seinen Erlebnissen auf dem Roller und dem Zusammenstoss mit der Polizei. «Ich fuhr gemütlich mit 60 Stundenkilometern über Land, als mich die Kantonspolizei aufforderte, anzuhalten.» Natürlich sei er nicht zu schnell gefahren, doch anscheinend zu langsam. «Seitdem fahre ich mit meinem Roller nur noch auf der Autobahn, und zwar immer schön brav mit 125.»

Abenteuer und Freundschaft

An diesem Sonntag ist es kein Gottesdienst im üblichen Sinn. Den Gästen werden auf Grossleinwand eindrückliche Impressionen samt Hintergrundinformationen von einer Motorradreise von Bolivien über Chile bis hin zu Ecuador und den Galapagosinseln gezeigt. Der Berner Fotograf Aschi Widmer erzählt mit leidenschaftlichen Worten von seiner Reise, vom grossen Abenteuer, von Freundschaften zu Menschen, welche teilweise in ärmsten Verhältnissen leben. Die gezeigten Bilder und Filmsequenzen sind eindrücklich, gehen unter die Haut. Umrahmt wird der Anlass durch die ausdrucksstarken Melodien von Sängerin und Gitarristin Camilla De Boni.

«Sie sind auf Ihrer Reise sicher nicht immer gemütlich gefahren», sagt Pfarrer Weglarzy mit einem Schmunzeln zum leidenschaftlichen Töfffahrer Aschi Widmer. Inzwischen sind auch alle Ministranten bereit für den feierlichen Akt. Das Weihwasser steht bereit, die Gäste verschieben sich ins Freie.

Der Pfarrer lässt es sich nicht nehmen, ins knallrote Trike zu steigen, segnet es als erstes, bevor alle anderen Maschinen an die Reihe kommen. «Ich schätze die Freiheit in der Schweiz», sagt der in Tschechien Aufgewachsene. «Heute kommen Gleichgesinnte zusammen. Doch in erster Linie werden die Menschen gesegnet, nicht die Maschinen.»

Die Lieben und die «Bösen»

Besitzer des Trikes ist der Weiacher Josef Müller. «Ich bin wegen dem Pfarrer gekommen», gesteht er und erzählt, dass er im Winter regelmässig als Samichlaus auf seinem Trike unterwegs ist. Silvio De Boni aus Küsnacht am Rigi ist zum zweiten Mal dabei. «Meine Tochter hat gesungen, deshalb bin ich gekommen.» Eigentlich sei er kein Kirchgänger, trotzdem werde er in Zukunft aufgrund der Worte des Pfarrers achtsamer fahren.

Einer der Töfffahrer fällt besonders auf. Rocker-Gilet, tätowierte Arme, Sonnenbrille am Nacken. «Eidgenosse» steht auf dem Rücken. Der muskulöse, gross gewachsene Mann ist Mitglied eine Töffclubs. Nein, man dürfe nicht schreiben, bei welchem Töffclub, sagt er und verweist auf einen bekannten Namen im Milieu. Sein Name sei einfach «Stöbe». Der Pfarrer habe ihm gefallen, und auch die Musik, sagt der leicht Furchteinflössende. «Unter Töffclubs herrscht Hierarchie.» Mehr ist aus ihm nicht herauszubekommen.

Gemütlich wird dann grilliert und gefachsimpelt. Die Fahrer sind guten Mutes, die Saison in Angriff zu nehmen. Schliesslich sind sie dank Gottes Segen und dem vielen Weihwasser hoffentlich vor allen Gefahren geschützt.

Erstellt: 16.07.2018, 11:58 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.