Starke Unterschiede

Das Auf und Ab der Steuerfüsse in 30 Jahren

Der konstante Steuerfuss: Für viele Finanzvorsteher politisches Ziel, mag er sich nicht immer einstellen. Seit 1990 haben Unterländer Gemeinden Bandbreiten von bis zu 32 Prozentpunkten erlebt. In den letzten Jahren aber ist die Region stabiler unterwegs.

Klicken Sie sich durch die interaktive Karte mit allen Steuerfussveränderungen der Gemeinden des Kantons. Quelle: Kanton Zürich.

Per 2003 hatte die Gemeindeversammlung von Lufingen den Steuerfuss gesenkt, von 94 auf 89 Prozent. Und dort ist er seither geblieben, 17 Jahre lang. Das ist ein Rekord, den das Dorf im Kanton Zürich einzig mit Hombrechtikon teilen muss.

Ein Steuerfuss, der sich nach Möglichkeit nicht ändert, ist in den Augen vieler Kommunalpolitiker erstrebenswert; als ein Zeichen für Kontinuität, Stabilität, Planungssicherheit. Doch Unterländer Steuerfüsse können schwanken. Und das, in Abhängigkeit der Umstände und der Politik, durchaus heftig. Das statistische Amt des Kantons Zürich hat auf seiner Webseite eine interaktive Karte veröffentlicht, anhand derer sich für jede Gemeinde aufzeigen lässt, wie sich der Steuerfuss in den letzten 30 Jahren verändert hat.

Das war «nicht ideal»

1990. Die Berliner Mauer war eben erst gefallen, eine DC-9 der Alitalia zerschellte am Stadlerberg – und die niedrigsten Steuersätze der Region hatten nicht Neerach oder Winkel, sondern Wallisellen (85%), Kloten (87%) und Opfikon (87%). Den höchsten Steuerfuss von 122 Prozent wiesen damals Eglisau, Niederhasli und Oberglatt aus. Es folgte der Konjunktureinbruch, der bis 1996 andauern sollte.

«In rezessiven Zeiten sollte die öffentliche Hand nicht durch Steuererhöhungen verstärkend wirken, sondern ihre Steuerfüsse senken.»

Die Arbeitslosigkeit stieg, und mit ihr die Steuerfüsse. «Das war nicht ideal», urteilen die Statistikexperten in ihrer Medienmitteilung zum aktuellen Datensatz. «In rezessiven Zeiten sollte die öffentliche Hand nicht durch Steuererhöhungen verstärkend wirken, sondern ihre Steuerfüsse eher senken.» Antizyklisches Verhalten, so sagt das Statistikamt, wäre wünschenswert. Das würde allerdings auch heissen, in Boomphasen die Steuern hoch zu behalten, um «Schwankungsreserven» aufzubauen. Wie der jeweilige Finanzvorsteher diese Taktik der Gemeindeversammlung verkaufen soll, das steht freilich auf einem anderen Blatt.

Wenngleich die Lufinger die längste stabile Phase aufweisen, so lag ihr Steuerfuss in den Jahren 1994 bis 1999 bei 115 Prozent, also um ganze 26 Prozentpunkte höher als im Moment. Steuerfussanpassungen sind also auch im Embrachertal keineswegs unbekannt. Die Gemeinde Dielsdorf erlebte seit 1990 Steuerfüsse zwischen 97 und 131 Prozent, also eine Bandbreite von 34 Prozentpunkten. Die geringste Varianz gabs in Höri, wo sich der Steuerfuss immer zwischen 113 und 122 Prozent bewegt hat.

Wehntal und Embrachertal

Von den 44 Unterländer Gemeinden erleben 9 mit im Jahr 2019 ihren tiefsten Steuerfuss seit 1990. Mit Niederweningen (104%), Oberweningen (100%), Schleinikon (110%) und Schöfflisdorf (104%) zählt das komplette Wehntal dazu, das Embrachertal ist mit Lufingen (89%), Oberembrach (117%) und Rorbas (103%) ebenfalls gut in der Gruppe vertreten. Steuerfusstechnische «Tiefpunkte» erleben 2019 im weiteren Bülach (110%) und Eglisau (113%). Auf der anderen Seite gibt es mit Regensdorf (118%) nur eine Gemeinde der Region, die seit 1990 keinen Steuerfuss erhoben hat, der höher war als der aktuelle.

Nun sollen die Steuerfüsse der Zürcher Gemeinden nicht «erheblich» voneinander abweichen. So hält es die Kantonsverfassung im Artikel 127 fest, Überschrift: Finanzausgleich. Was eine Gemeinde aus dem Ausgleichstopf bekommt, und was sie gegebenenfalls einzahlen muss, wird aufgrund ihrer relativen Finanzkraft berechnet. Der Ausgleich zeigt laut Experten durchaus Wirkung. Zwar habe sich der Unterschied zwischen dem höchsten und dem tiefsten Steuerfuss seit 1990 vergrössert, heisst es in der Medienmitteilung dazu. «Er blieb aber dank des Finanzausgleichs moderat.»

Erstellt: 03.05.2019, 18:26 Uhr

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