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«Das Gegenteil von Humor ist Empörung»

Andreas Thiel hat am Freitagabend mit seinem aktuellen Programm «Der Humor» das Publikum im Bülacher Sigristenkeller mit bitterbösem Humor unterhalten.

Mit Champagner trat Satiriker Andreas Thiel in Bülach auf.
Mit Champagner trat Satiriker Andreas Thiel in Bülach auf.
Francisco Carrascosa

Andreas Thiel, der umstrittene Satiriker, stand am Freitagabend wie gewohnt im eleganten Anzug mit violetter Krawatte, gleichfarbenem Poschettli und markantem Irokesenschnitt auf der Bühne des ausverkauften Bülacher Sigristenkellers. In der Hand hielt er ein Glas Champagner, und wie gewohnt begann er sogleich wortgewandt auszuteilen. So nannte er die neue Rentenreform «Enkeltrickbetrug einfach umgekehrt». Sorgfältig ausformulierte Sätze, die sich zu giftigen Pointen hochschraubten, wechselten sich mit witzigen Wortspielen ab – und mehrmals erntete Thiel hierfür Szenenapplaus.Thiel will sich von den üblichen Komikern und Comedians abgrenzen und stellte klar: «Komödie ist lustig, Satire ist wahr.» Er greife nicht auf billige Witze zurück, denn «Satire bewegt sich über der Gürtellinie». «Political Correctness», also politische Korrektheit, sieht Thiel allerdings als die «Rache der Humorlosen. Und das Gegenteil von Humor ist die Empörung.» Teile seines wortreichen Programms bestritt er im Thurgauer Dialekt oder auf Hochdeutsch. Einem deutschen Zuschauer erläuterte er mit feinem Lächeln: «Wir Schweizer sind nicht freundlich, wir sind höflich.»

Lachen statt Heulen

Die Besucher, welche das Theater-Kafi aufsuchten, durften sich über ein witziges Detail freuen, nämlich über die verspielte Verschmelzung von Thiel und Ostern: Zu Ehren des Satirikers trugen die schwarz gefärbten Deko- Ostereier auf den Tischchen die bunte Irokesenhaarpracht des Künstlers. Umgesetzt hatte die kreative Idee Monique Schenk, Mitarbeiterin im Kafi.

Christian Kuhn war mit seiner Frau und einem befreundeten Paar aus Zürich in den Sigristenkeller gekommen. «Andreas Thiel sehe ich heute bestimmt schon zum vierten Mal. Ich liebe Politsatire, egal ob rechts oder links», sagte er. «Ich mag Thiels Sprüche, über die man im ersten Moment lacht, obschon sie eigentlich zum Heulen sind.» Entweder man möge Thiel, oder man möge ihn eben nicht, sind sich die vier einig.

Der Disput im TV-Interview mit Roger Schawinski nach Thiels Streitschrift gegen den Islam, der vor zwei Jahren für Aufsehen sorgte (siehe Infokasten), war im Auftritt des Satirikers präsent: Der 46-Jährige konnte es nicht lassen, den einen oder anderen Pfeil in Schawinskis Richtung abzuschiessen. Die Nachwehen des medialen Wirbels, der damals um den gebürtigen Berner gemacht wurde und sich stets ums Thema Rassismus drehte, spürt Thiel nach eigenen Angaben noch immer. Die Zahl der Buchungen sei von mehreren Hundert Gastspielen im Jahr rapide auf unter 100 gesunken. «Mein Beruf ist zum Hobby geworden», bilanzierte er nüchtern. Und auf die Frage eines interessierten Zuschauers, ob er freie Kapazität für einen Auftritt habe, antwortete der Künstler kurz und bündig: «Sehr viel.»

Keine Kritik in Bülach

Ein Blick auf seine Spieldaten bestätigt: Für die nächste Zeit sind durchschnittlich drei Auftritte pro Monat angesagt, inklusive der Engagements in Deutschland. Es bleibt also Luft nach oben. Trotz des rauen Windes, der ihm entgegenweht, nimmt Andreas Thiel aber kein Blatt vor den Mund und formuliert seine Gedanken wie immer scharf, für manche zu scharf. Er spricht aus, was er zu sagen hat, in der Gewissheit, dass, «was glücklich macht, nichts kostet».

In Bülach scheint der umstrittene Satiriker kein heikles Thema zu sein. Das mediale Getöse sei wohl in Vergessenheit geraten, mutmasste Sigristenkeller-Präsidentin Jolanda Zimmer. «Wir haben Andreas Thiel vor einem Jahr gebucht, und seit Bekanntwerden seines Auftritts in Bülach ist uns keine Kritik zu Ohren gekommen.»

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