Kloten

Das Grounding erschüttert immer noch

Noch immer löst das Grounding der Swissair vor 15 Jahren Kopfschütteln aus. Im gleichnamigen Film erlebten ehemalige Swissair-Mitarbeitende noch einmal, wie es zu diesem einmaligen Absturz kam.

Auszeichnung: Der Organisator Ramon Koller (mitte) mit den Swissair-Fans André Dossenbach, Gaston Dossenbach, Astrid Dossenbach und Tina Moos-Jenal die 40 Jahre für die Swissair gearbeitet hat.

Auszeichnung: Der Organisator Ramon Koller (mitte) mit den Swissair-Fans André Dossenbach, Gaston Dossenbach, Astrid Dossenbach und Tina Moos-Jenal die 40 Jahre für die Swissair gearbeitet hat.

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Den Tag wünscht sich niemand zurück, als es über den Dörfern rund um den Flughafen ruhig wurde. Selbst die Fluglärmgegner verstummten vor 15 Jahren, am 2. Oktober 2010. Geldmangel zwang die Swissair, ihre Flüge einzustellen. Es war gestern ein besinnlicher Anlass, als der Film «Groundig» im Klotener Kino Claudia ausgestrahlt wurde. Ramon Koller, er arbeitet heute bei der Swiss, organisierte die Vorführung. «Ich wollte daran erinnern, dass die Swissair während 70 Jahren ein Stück Schweizergeschichte schrieb. Die ehemaligen Swissair-Mitarbeitenden sollten die damalige Situation noch einmal erleben können», war der Beweggrund für Koller, den Film vorführen zu lassen.

Kurt Hasler arbeitete während 39 Jahren in der Swissairtechnik für die Airline. «Es war eine schöne Zeit, wir waren eine einzige Familie», schwärmte er von seiner Swissair-Zeit. Das Grounding erlebte er als Pensionär. Nach der EWR-Abstimmung glaubte die Swissair-Führung nicht, im Alleingang überleben zu können. Allianzen mit anderen Airlines sollten das Überleben sichern. Doch das Projekt Alcazar der beteiligten Airlines KLM, SAS, AUA und der Swissair scheiterte im Jahr 1993 vor allem wegen den amerikanischen Partnern, der Swissair mit Delta Airlines und der KLM mit Northwest.

Gemischtwarenkonzern

Auf Anraten der Firma McKinsey verfolgte darauf die Swissair eine Hunterstrategie. In atemberaubenden Tempo gab es Zukäufe von kleineren Airlines, die bereits mehr oder weniger in finanziellen Schwierigkeiten steckten. Daneben diversifizierte die Swissair in diverseste branchenfremde Unternehmen, Golfresorts, Hotels oder Computer-Verkaufsgeschäfte. Es entstand ein höchst unübersichtlicher Gemischtwarenkonzern. Kaum jemand hatte mehr den Überblick. Der Film wühlte auf und zeigt auch, teilweise etwas überzeichnet, Schicksale von Mitarbeitenden, die das das Grounding schwer traf. Ein Flight Attendant weinte: «D’Swissair, mini Beziehig, mini Träum, alles liit am Bode.» Vor dem Sparkassenschalter standen lange Menschenschlangen. Mitarbeitende wollten ihre Ersparnisse retten, doch der Kassier zahlte pro Person höchsten noch 5000 Franken aus. Das Grounding war ein hässliches Finale einer verhängnisvollen Geschäftspolitik. Nach dem Film gab Kurt Hasler einen knappen Kommentar ab: «Horror, man kann es nicht glauben.»

Airline praktisch verschenkt

Alle Rettungsversuche blieben erfolglos. Warum die Grossbanken und der Bundesrat nicht Hilfe boten, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Der einst fliegenden Bank, wie die Swissair in ihren guten Zeiten oft genannt wurde, ging das Geld aus. «Die starke Marke Swissair wurde weggeworfen und alle flugnahen Betriebe ins Ausland veräussert. 4,7 Milliarden Franken wurden für den Übergang und Neubeginn einer Airline aufgewendet – um diese schliesslich praktisch gratis an die Lufthansa zu «verkaufen», stellte der letzte Swissairchef, Mario Corti, fest.

«Ich bin erschüttert»

Beeindruckend waren die kläglichen Entschuldigungen der Verantwortlichen nach dem Crash. Bundesrat Leuenberger bedauerte, dass die Swissair mutwillig in den Schmutz gezogen wurde. Und Bankiers erklärten, dass sie nicht anders hätten handeln können. Tina Moos betreute 40 Jahre lang bei der Swissair im VIP-Service hochstehende Fluggäste. Nach dem betrachten des Films äusserte sie sich betroffen: «Ich bin erschüttert und hatte Herzklopfen.» Auch sie kann das Ende der Swissair noch heute nicht begreifen.

Erstellt: 02.10.2016, 17:14 Uhr

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