Kloten

Das Nachtflugverbot ist ein Mythos

Im März wurden viele Unterländer in mehreren Nächten durch Fluglärm aufgeweckt. Der Regierungsrat hat nun auf eine Anfrage erklärt, warum es trotz Nachtflugverbots am Flughafen Zürich morgens um 4.30 Uhr so laut war.

Am Flughafen Zürich herrscht zwischen 23.30 Uhr und 6.00 Uhr ein Nachtflugverbot.

Am Flughafen Zürich herrscht zwischen 23.30 Uhr und 6.00 Uhr ein Nachtflugverbot. Bild: Heinz Diener

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Am Flughafen Zürich herrscht ein striktes Nachtflugverbot. Zwischen 23.30 Uhr und 6 Uhr dürfen keine Maschinen starten oder landen. Eigentlich ist schon um 23 Uhr Schluss, die Zeit bis um 23.30 Uhr darf lediglich zum Verspätungsabbau genutzt werden.

Trotzdem war in den Nächten vom 14. auf den 15. März sowie vom 16. auf den 17. März in weiten Teilen des Unterlands während mehrerer Stunden Fluglärm zu hören. So viel, dass dies sogar drei Kantonsräte auf den Plan rief. Michèle Dünki-Bättig (SP) aus Glattfelden, Regula Kaeser-Stöckli (Grüne) aus Kloten sowie Mark Wisskirchen (EVP), ebenfalls aus Kloten, wollten in einer Anfrage an den Regierungsrat wissen, um welche Art von Flüge es sich dabei handelt und wie der Regierungsrat auf die Verletzung der Nachtsperrordnung reagieren will.

Die Antwort des Regierungsrats macht klar: Es ist kompliziert. Obwohl der Regierungsrat nämlich bestätigt, dass an besagten Tagen sogar noch nach 2 Uhr in der Nacht Flugzeuge über dem Unterland kreisten, liegt deswegen noch keine Verletzung der Nachtflugsperre vor.

Instrumente geprüft und Landschaft vermessen

Aber der Reihe nach. In der Nacht vom 14. auf den 15. März fanden zwischen 23.30 Uhr und 2 Uhr sogenannte Nachtmessflüge statt, klärt der Regierungsrat auf. Dabei werden verschiedene Navigationsanlagen wie etwa das Instrumentenlandesystem (ILS) überprüft. Der Kanton hat bei der Bewilligung dieser Flüge wenig zu melden, Ausnahmebewilligungen für diese Flüge nach 23.30 Uhr erteilt das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl).

Bis im April 2011 mussten solche Flüge am Tag durchgeführt werden. Das hatte aber teilweise den Flugbetrieb am Flughafen Zürich gestört und erschwert. Im März 2011 kamen sich zwei Flugzeuge, die auf sich kreuzenden Pisten starteten, äusserst nahe. Das Messflugzeug, welches zu dem Zeitpunkt in der Luft war, war zwar nicht direkt in den Vorfall involviert, sei aber bei dessen Entstehung ein Faktor gewesen. Seitdem wurden sämtliche Gesuche, die Messflugzeuge in der Nacht fliegen zu lassen, vom Bazl genehmigt.

Ein allgemeines Nachtflugverbot gibt es in der Schweiz nicht.

In derselben Nacht war aber noch eine andere Maschine des Typs Piper unterwegs. Und diese war auch nach 2 Uhr noch in der Luft. Im Auftrag des Bundesamts für Landestopografie, Swisstopo, flog die Maschine auf gerade einmal 900 Metern über Boden und scannte das Gebiet mit einem Laser. Die geringe Flughöhe bedingt, dass solche Flüge nur in der Nacht durchgeführt werden können. Anhand der gesammelten Laserscandaten entstehen bei Swisstopo anschliessend hochpräzise, digitale Höhenmodelle, die den Kantonen zur Verfügung gestellt werden.

Regierungsrat kann keinen Einfluss geltend machen

Beide dieser Flüge wurden nicht nur in der Nacht vom 14. auf den 15. März durchgeführt, sondern in der Nacht vom 16. auf den 17. März noch wiederholt. Und auch in Zukunft werden die Unterländer wohl in der einen oder anderen Nacht mit solchen Flügen leben müssen. Denn dem Regierungsrat sind in beiden Fällen die Hände gebunden.

Im Falle der Nachtmessflüge muss der Regierungsrat nicht einmal informiert werden, es entscheidet allein das Bazl. Und bei den Vermessungsflügen von Swisstopo ist aus einem anderen Grund nicht mit einer Änderung zu rechnen: Ein allgemeines Nachtflugverbot gibt es in der Schweiz gar nicht. Die Nachtflugordnung gilt lediglich für den Flughafen Zürich und sie gibt vor, wann dort nicht gestartet und gelandet werden darf.

Das bedeutet aber nicht, dass sich in dieser Zeit generell keine Maschinen in der Luft befinden dürfen. Die Piper, die einem privaten Unternehmen gehört, welches von Swisstopo mit der Datensammlung beauftragt worden ist, startete und landete denn auch nicht am Flughafen Zürich, sondern in Deutschland. Eine Bewilligung durch das Bazl entfällt dabei. Und auch der Flughafen Zürich und der Regierungsrat müssen nicht über die geplanten Flüge informiert werden.

«Soweit die Vermessungsflüge nicht in Zürich-Kloten starten oder landen, hat der Regierungsrat keine Möglichkeit, Massnahmen zu ergreifen», erklärt die Exekutive daher in ihrer Antwort an die drei Kantonsräte.

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Erstellt: 01.05.2018, 18:28 Uhr

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