Wil

«Das Ziel ist, mit Zusammenarbeit die Kosten etwas zu senken»

Das Stimmvolk in Wil hat Urs Rüegg (SVP) zum neuen Gemeindepräsidenten gewählt. Im Interview skizziert der bisherige RPK-Vorsitzende seinen Blick auf die Zukunft.

Bisher sitzt Urs Rüegg für die Volkspartei in der Rechnungsprüfungskommission. Künftig ist er der neue Vorsitzende des Wilemer Gemeinderats.

Bisher sitzt Urs Rüegg für die Volkspartei in der Rechnungsprüfungskommission. Künftig ist er der neue Vorsitzende des Wilemer Gemeinderats. Bild: Leo Wyden

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Als Gemeindepräsident werden Sie auch Kulturminister von Wil. Das Dorf gibt pro Kopf 131 Franken für Kultur und Freizeit aus. Ist das zu viel oder zu wenig?
Dieser Betrag für die Wilemer Kultur ist ein wenig zu hoch, aber dafür gibt es einen plausiblen Grund: Die Kosten der 800-Jahr-Feier sind darin enthalten. Für dieses Jahr wurden etwa 105 Franken pro Kopf budgetiert, damit ist der Bereich Kultur und Freizeit finanziell auf einem guten Kurs.

Was ist für Sie Kultur und was ist Ihr Plan für die Kulturpolitik?
Kultur bedeutet, wie man sich in Wil im Alltag und in der Freizeit bewegen und aktiv nach Interessen und Neigungen betätigen kann. Ziel der kommunalen Kulturpolitik ist eine Vielfalt für alle Generationen zu ermöglichen, zu erhalten und bis zu einem gewissen Grad zu fördern.

Sie haben sich als bisheriger RPK-Vorsitzender bei den Wahlen gegen den bisherigen Gemeindepräsidenten Peter Graf durchgesetzt. Welche Veränderungen, denken Sie, erhoffen sich Ihre Wähler von Ihnen?
Ich bin überzeugt, dass sie sich einen gesunden Finanzhaushalt mit einem stabilen Steuerfuss wünschen. Dazu gehört, dass die Planung der Investitionen in Hoch- und Tiefbau den finanziellen Möglichkeiten von Wil anzupassen sind. Ein weiteres Anliegen ist mir eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen allen Behörden im Rafzerfeld.

Und welche Veränderungen wünschen Sie sich selbst?
Es ist mein Wunsch, dass trotz moderaten Wachstums der ländliche und auch freiheitliche Charakter erhalten bleiben kann. Es wird viel von weiterer Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden gesprochen. Mein Ziel ist es, dass in den kommenden Jahren gemeinsame Projekte auch wirklich realisiert werden können.

Als RPK-Vorsitzender äusserten Sie sich überzeugt, dass der stabile Steuerfuss möglich bleibe. Gleichzeitig ist der Steuerertrag des Dorfes alles andere als ein stabiler Wert. Woher nehmen Sie Ihre Zuversicht?
Eine weitsichtige und detaillierte Finanz- und Investitionsplanung sollte sicherstellen, dass künftige Investitionsentscheide den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde angepasst werden. Deshalb müssen wir wohl oder übel Prioriäten setzen.

Sie sagten, Sie wollten die angehäuften Bankschulden der letzten Jahre abbauen – und trotzdem wollen Sie den Steuerfuss halten. Wo wird gespart?
Der sparsame Umgang mit den finanziellen Ressourcen ist die Grundlage. Zudem ist es natürlich ein Ziel, dass durch weitere gemeindeübergreifende Zusammenarbeit die Kosten etwas gesenkt werden können oder einzelne Investitionen nicht getätigt werden müssen. Gelegenheiten, um Bankschulden abzubauen, sind immer wieder unerwartete Sondereinnahmen, die hoffentlich auch in den nächsten Jahren eintreffen werden.

Viele Ausgaben sind gesetzlich vorgeschrieben. Auf wie viel Prozent der gesamten Erfolgsrechnung von Wil hat der Gemeinderat überhaupt Einfluss?
Einen Prozentsatz kann ich Ihnen nicht nennen. Aber leider ist es schon so, dass der Spielraum immer kleiner wird. Mit dieser Herausforderung müssen wir leben.

Wie stark ist Wil heute noch abhängig vom Kies?
Die Kieseinnahmen sind nach wie vor eine wichtige Ertragsquelle. Wir konnten uns in der Vergangenheit mit den Kieswerken einigen, dass die Gemeinde die Kieseinnahmen in regelmässigen Tranchen erhält. Es ist noch nicht sicher, ob die gesamten Kieseinnahmen bis Ende Legislatur nicht sinken werden.

Was ist Ihre Verhandlungstaktik?
Ein gutes Verhältnis mit den Kieswerken sehe ich im gegenseitigen Interesse und als Basis, um künftige finanzielle Abmachungen erreichen zu können. Die Bevölkerung muss einige Unannehmlichkeiten durch den Kiesbetrieb ertragen und dies ist ein Thema, das in den finanziellen Abgeltungen angemessen berücksichtigt werden muss.

Sie erwähnten ihren Wunsch nach ländlicher Lebensqualität trotz moderaten Wachstums. Wie viel Wachstumspotenzial hat Wil in den nächsten 10 Jahren überhaupt noch?
In Wil wird es kein weiteres Bauland mehr geben, somit ist das Wachstum sehr beschränkt. Dies hat Vor- und Nachteile. Eine Verdichtung mit all ihren Begleiterscheinungen, wie sie in Städten geplant wird, wäre für mich im Widerspruch mit der ländlichen und freiheitlichen Lebensqualität, welche ich auf jeden Fall für Wil erhalten möchte.

Erstellt: 26.04.2018, 17:38 Uhr

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