Niederglatt / Dübendorf

Der Hundertjährige, der im Flugsimulator flog

Willi Maag aus Niederglatt wurde kürzlich hundert Jahre alt. Zum runden Geburtstag schenkte ihm der Leiter des Altersheims Eichi einen Flug im Jumbo-Simulator im Air Force Center Dübendorf.

«Man vergisst richtig, dass man am Boden ist.» Willi Maag, der kürzlich hundert Jahre alt wurde, hebt in einem Jumbo-Simulator ab.

«Man vergisst richtig, dass man am Boden ist.» Willi Maag, der kürzlich hundert Jahre alt wurde, hebt in einem Jumbo-Simulator ab. Bild: Johanna Bossart

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«Jetzt muesch zieh, zieh, zieh», ruft Instruktor John Bühr dem neben ihm sitzenden Willi Maag laut zu. Die Boeing 747 ist gerade im Begriff, abzuheben und zu ihrem Alpenflug aufzubrechen. Der Flugschüler gehorcht und zieht wie geheissen am Hebel.

Die Maschine hebt ab, John Bühr fährt das Fahrwerk und die Landeklappen ein. «Wir fliegen Richtung Süden, am Pilatus, Bürgenstock und der Rigi vorbei, dann über den Brünigpass nach Interlaken, vorbei an der Eigernordwand und dem Matterhorn», gibt der Fluglehrer die Route bekannt. Gelandet wird in Genf, von wo aus es anschliessend zurück zum Flughafen Kloten geht.

Rund eineinhalb Stunden dauert der simulierte Flug im Cockpit des in Originalgrösse 260 Tonnen schweren Jumbo über die Schweiz. «Man vergisst richtig, dass man am Boden ist», meint Willi Maag nach einer Weile. Er freut sich, die Berge von so nahe zu sehen – vom Cockpit aus geniesst er die Kulisse, welche echte Flugaufnahmen bilden.

Echter Flug war nicht mehr möglich

Willi Maag, einst Landwirt in Oberglatt, lebt seit 19 Jahren im Alters- und Pflegeheim Eichi in Niederglatt. Er ist nicht nur der älteste Bewohner, sondern auch derjenige, der schon am längsten dort lebt. Für Altersheimleiter Hansruedi Felchlin war es der dritte hundertste Geburtstag, den er im Eichi erleben durfte. Um dem Jubilaren eine Freude zu machen, wollte er ihm etwas im Zusammenhang mit seinem grossen Interesse an der Aviatik schenken. Ein Flug in einem echten Flugzeug lag aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr drin. So entstand die Idee, Willi Maag mit einem 90-minütigen Flug im 747 Airforce one-Flugsimulator zu überraschen.

Hansruedi Felchlin war selber über zehn Jahre lang als Flugbegleiter tätig. Und sein Geschenk fand Anklang: Während Willi Maag anfangs ganz still und ehrfürchtig im Pilotensessel sass, kam er nach und nach ins Erzählen. Schon bald fachsimpelte er mit dem früheren Militär- und Swissairpiloten John Bühr über Flugzeuge und den Modellbau. Und sie stellten fest, dass sie beide früher beim sogenannten «Zinggen» beim Flughafen Kloten Flugzeuge beobachtet hatten.

Die Flieger am Surren zu erkennen versucht

Willi Maag interessiert sich schon sein Leben lang für die Fliegerei – auch wenn er nie selber eine Maschine steuerte. Er erinnert sich, wie er jeweils mit dem Velo von Oberglatt, wo er aufgewachsen ist, am Sonntag nach Dübendorf zum Flugplatz fuhr, um dort mit befreundeten Piloten mit zu fliegen. Er zeigt ein Schwarzweiss-Foto von 1947, das ihn und zwei Kollegen zeigt. Und mit seinem Bruder hätte er jeweils dem Surren der Flieger nach zu erraten versucht, um welche Maschine es sich handelt.

Zusammen mit drei Freunden nahm Willi Maag in den 1930er Jahren ein ganz spezielles Projekt in Angriff: Sie bauten während rund zwei Jahren einen Motorschlitten, der aussah wie ein kleines Propellerflugzeug ohne Flügel. Im Winter montierten sie Kufen oder Skis und kurvten damit auf dem gefrorenen Haslisee oder in der Landschaft herum. Im Sommer montierten sie Schwimmer an das Gefährt und befuhren damit die Glatt. Heute steht die Maschine im Museum D’Schüür in Oberhasli.

Nach eineinhalb Stunden hat der Jumbo wieder auf dem Flughafen Kloten aufgesetzt. Willi maag steigt aus dem Cockpit und nimmt strahlend von John Bühr das Zertifikat für die erfolgreiche Lektion im Simulator entgegen.

Erstellt: 08.07.2019, 13:24 Uhr

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