Neerach/Flughafen

Der Rollstuhl flog in die Ferien – die Batterie nicht

Als der Neeracher Albert Stegers in die Ferien fliegen wollte, fehlte bei der Ankunft die Batterie seines Rollstuhls – sie wurde beim Sicherheitscheck konfisziert. Dabei lag ihr eine Bestätigung bei, dass sie für den Flug zugelassen ist.

Zwar mit Rollstuhl, aber ohne zugehörige Batterie wurde ein Mann aus Neerach von einer Fluggesellschaft in die Ferien geflogen.

Zwar mit Rollstuhl, aber ohne zugehörige Batterie wurde ein Mann aus Neerach von einer Fluggesellschaft in die Ferien geflogen. Bild: Symbolbild/Keystone

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«Barrierefreies Reisen» lautet das Schlagwort für all jene Menschen mit einer Behinderung, die etwa per Flugzeug in die Ferien fliegen wollen. Dass dies auch schon an Kleinigkeiten scheitern kann, erlebte kürzlich der Neeracher Albert Stegers. Er ist auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen und wollte vor zwei Wochen mit der Edelweiss Air ins portugiesische Faro reisen. Seinen Rollstuhl meldete er im Vorfeld per Formular bei der Airline an – für den Transport einerseits, wegen der Lithium-Ionen-Batterie, die den Rollstuhl antreibt, andrerseits. «Swiss bestätigte mir im Namen der Edelweiss Air, dass diese Anmeldung erfolgreich war», berichtet Stegers.

Er stieg vor dem Abflug auf einen Ersatzrollstuhl und liess seinen eigenen verpacken – Sitzkissen, Fussstützen und Batterie wurden in einen orangenen Plastiksack verpackt. Nach der Landung in Faro kam die grosse Überraschung: Die besagte Tasche blieb in Zürich, der Rollstuhl war somit unbrauchbar. «Man sagte mir, dass die Batterie noch in Zürich konfisziert wurde, weil sie so nicht transportierbar sei – dabei klebte eine Bescheinigung des Herstellers daran, dass sie als sicher eingestuft wird und für den Luftfrachttransport zugelassen ist.» Es folgte ein für ihn frustrierender Telefonmarathon, bis die Plastiktüte schliesslich über Frankfurt nach Faro geschickt wurde. Allerdings noch immer ohne Batterie.

Stegers musste sich innert kurzer Zeit um einen Ersatzrollstuhl kümmern, während seine Tochter die Batterie am Flughafen Zürich gegen eine Gebühr abholte. «Ich bin ja auch dafür, den Flugverkehr so sicher wie möglich zu machen. Aber wenn man als Kunde dafür sorgt, dass alles ordnungsgemäss abläuft, müsste man sich auf die Mitarbeitenden verlassen können», moniert Stegers. Mit einer Behinderung zu reisen sei ohnehin eine immense Arbeit – und auf anderen Reisen sei die Prozedur problemlos abgelaufen.

Strenge Richtlinien

Für Lithium-Batterien gelten bei allen Airlines strenge Sicherheitsbestimmungen: Mit einer Leistung unter 100 Wattstunden (Wh), wie sie in Laptops, Handys oder Digitalkameras vorkommen, können die Batterien noch im Handgepäck mitgeführt werden. Batterien mit einer Leistung zwischen 100 und 160 Wh wie etwa in Fernsehkameras sind auf zwei Stück limitiert, ausserdem ist eine Genehmigung erforderlich. Batterien über 160 Wh müssen angemeldet und separat verpackt werden. Stegers Batterie fällt mit 270 Wh unter die letzte Kategorie.

Sowohl gemäss Edelweiss-Mediensprecher Andreas Meier wie auch gemäss Swissport-Sprecherin Nathalie Berchtold sei im geschilderten Fall das Vorgehen seitens Airline und Handling Agent korrekt gewesen – nur hätte die Batterie auch tatsächlich ankommen müssen. Während der Transport des Rollstuhls im Flugzeug Sache der Airline ist, ist für dessen Abmontage der Passagier zuständig und die Kantonspolizei für den Security Check.

«Wir empfehlen, Batterien mit hoher Leistung wenn möglich im Handgepäck mitzuführen», sagt Berchtold. Denn werden sie eingecheckt und durch die Sicherheitsanlagen der Kapo geführt, sei es möglich, dass sie beschlagnahmt werden. Warum die Batterie bei anderen Reisen des Betroffenen im Frachtgut mitgeführt werden konnte und jetzt nicht, könne sie sich nicht erklären. «Für die Zukunft wäre es der sicherste Ansatz, die Batterie ins Handgepäck zu nehmen.» (ssa)

Erstellt: 16.05.2017, 08:01 Uhr

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