Bülach

«Der Sport brachte mich ins Spital – aber auch wieder auf die Beine»

Philipp Amhof wollte eine sportliche und mentale Grenzerfahrung machen. Am Race Across America verunfallte der Radrennfahrer schwer. Einen Monat nachdem er mehrmals operiert wurde, fühlt er sich relativ fit.

Philipp Amhof: «Ich habe an sechs Tage keine Erinnerung.»

Philipp Amhof: «Ich habe an sechs Tage keine Erinnerung.» Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sechs Zähne hat Philipp Amhof bei seinem Unfall verloren, einen Rückenwirbel sowie die Nase gebrochen und Verletzungen im Mund und am Kiefer erlitten. Am restlichen Körper dagegen hat er keine Schrammen. Dies, obwohl er acht Meter nach dem Weiderost aufschlug, der den Velorennfahrer am Race Across America zu Fall brachte. Der ZU berichtete über Amhofs Teilnahme am Rennen. «Ich war mit über 40 Kilometer pro Stunde unterwegs und bin vermutlich so weit geflogen.»Amhof hat keine Erinnerung an den Unfall. Das Begleitfahrzeug sei 30 Meter hinter ihm gefahren. Seine Teammitglieder konnten von dort aus den Unfallhergang nicht sehen. «Ich bin vermutlich kopfvoran auf dem Boden aufgeschlagen. Das erklärt auch die Rückenverletzung, die auf einen harten Schlag schliessen lässt.»

Der Verunfallte wurde mit dem Helikopter ins Spital geflogen und sechs Tage später mit der Rega aus den USA in die Schweiz verlegt. An diese Zeit hat er keine Erinnerung. «Mir fehlen sechs Tage. Das Letzte, was ich weiss, ist, dass ich an einer Tankstelle vorbeigefahren bin und meinem Navigationsgerät folgend abgebogen bin. Die Erinnerung setzt wieder ein, als ich im Kantonsspital Winterthur erwachte.»

«Sobald es die Ärzte erlauben, werde ich wieder velofahren»

Besonders hart ist für Philipp Amhof, dass er gut unterwegs war. «Ich hatte die ersten drei Tage keine Beschwerden.» 1400 Kilometer hatte er bis dahin zurückgelegt. Er sei zum Zeitpunkt des Unfalls auf dem fünften bis achten Platz gewesen – von 50 Teilnehmern. «Mein Ziel war es nicht nur, ins Ziel zu kommen, sondern ich wollte eine Grenzerfahrung machen.» Da er bis zum Sturz nicht an die körperliche und mentale Grenze gestossen sei, fehle ihm diese Erfahrung.

Der Bülacher ist froh, dass er keine bleibenden Schäden davontragen wird. «Für die Angehörigen war es sehr schwierig. Erst ab dem Zeitpunkt, an dem klar war, dass ich keine neurologischen Verletzungen habe, sank die Anspannung etwas.» Während seines zweiwöchigen Aufenthalts im Spital in Winterthur wurde Amhof dreimal operiert. Dabei wurde der Nervenkanal an der Wirbelsäule stabilisiert und er erhielt einen Rückenwirbel aus Titan. «Für die Operation mussten die Ärzte meinen linken Lungenflügel entleeren, um dann von der Seite her zwischen den Rippen hindurch an die Wirbelsäule zu gelangen.» Der künstliche Wirbel werde ihn nicht beeinträchtigen. «Man hätte auch warten können, bis der Wirbel zusammenwächst. Dabei hätte ich zwei Wochen bewegungslos liegen müssen. Und es hätte ein Risiko bestanden, dass die beiden Teile nicht gerade verwachsen wären.» Das hätte zu bleibenden Rückenbeschwerden führen können und so habe er sich für den Titanwirbel entschieden.

Anschliessennd wurde Amhof in der Rehaklinik Bellikon untersucht. Dabei stand im Vordergrund, herauszufinden, ob es neurologische Schäden gibt. «Zum Glück fand man keine Verletzungen an den Nerven.» Den Rücken müsse er noch zwei Monate schonen, sagt er. In dieser Zeit darf er weder joggen noch radfahren. Darum macht er ausgiebige Spaziergänge.

Ein Leben ohne Velofahren kann sich Amhof aber nicht vorstellen. «Sobald es die Ärzte erlauben, werde ich wieder velofahren.» Er werde es allerdings ruhig angehen. «Im Herbst werde ich mich auf das Fahrrad setzen und erst einmal schauen, wie es sich anfühlt.

«Erstaunlich, was Chirurgie heute kann»

Philipp Amhof sagt, es sei ein Vorteil, dass er einen geringen Fettanteil im Körper habe. Das habe zwar dazu geführt, dass er um acht Kilo abgenommen habe. Und so, wie der Körper funktioniere, baue er als Erstes die Muskelmasse ab. Sein ganzes Training sei verloren gegangen. Doch dafür sei er – gerade weil er trainiert war – schneller wieder fit geworden. «Der Sport brachte mich zwar ins Spital. Aber er brachte mich auch schneller wieder auf die Beine.»

Bis seine Mund- und Gesichtsverletzungen verheilt sind, dauert es eine längere Zeit. Die Zunge wurde noch in den USA genäht. Für seinen gebrochenen Kiefer und die Zähne erhält er zunächst ein optisches Provisorium. Um das Zahnfleisch neu aufzubauen, von dem ihm ein Stück fehlt, werde er sich einer Operation unterziehen, die für Krebspatienten entwickelt wurde. Dank den Eingriffen werde er wieder so aus­sehen wie vorher.«Es ist schon erstaunlich, was die Chirurgie heute kann.»

Erstellt: 29.07.2016, 17:30 Uhr

Artikel zum Thema

Philipp Amhof schwer gestürzt

Bülach Nachdem er mit dem Rennrad mehr als 1200 Kilometer zurückgelegt hatte, verunfallte Philipp Amhof am Freitag am Race Across America. Er ist im Spital, sein Zustand ist stabil. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.