Wallisellen

Der tägliche Blackout in der Waschküche

Zur Mittagszeit streiken in Wallisellen die Waschmaschinen. Der Stromkreis wird vom lokalen Energieversorger unterbrochen. Die übrigen Gemeinden haben solche Sperren längst abgeschafft.

Auf dem gesamten Gemeindegebiet von Wallisellen fliesst von Mitte Oktober bis Mitte März in sämtlichen Waschküchen werktags zwischen 11.15 und 12 Uhr kein Strom.

Auf dem gesamten Gemeindegebiet von Wallisellen fliesst von Mitte Oktober bis Mitte März in sämtlichen Waschküchen werktags zwischen 11.15 und 12 Uhr kein Strom. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Wallisellen ist ein Sonderfall – zumindest was die Stromversorgung in der Waschküche betrifft. Jeweils von Mitte Oktober bis Mitte März zwischen 11.15 und 12 Uhr herrscht auf dem ganzen Gemeindegebiet der gewollte Waschmaschinen-Blackout. Geräten mit mehr als zwei Kilowatt Anschlussleistung – dazu gehören eben viele Waschmaschinen und Tumbler – wird in dieser Zeit quasi der Stecker gezogen. Gemäss dem lokalen Energieversorger die Werke Versorgung Wallisellen AG – kurz die Werke – würden die Kundinnen und Kunden dadurch von günstigeren Strompreisen profitieren. Markant tiefer, als in Gemeinden ohne Waschgeräte-Sperrung, sind die Strompreise in Wallisellen jedoch nicht – wenn überhaupt.

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom bietet auf ihrer Website einen Tarifvergleich an. Dort können die Preise von einzelnen Gemeinden abgerufen und miteinander verglichen werden (siehe Kasten unten). «Für den einzelnen Kunden macht das in der Tat nicht viel aus», erklärt Werke-Geschäftsführer Markus Keller. Dennoch gehe es insgesamt um mehrere Zehntausend Franken, welche die Werke durch die Sperrungen einsparen könnten. Und davon würden wiederum die Kunden profitieren.

Den Walliseller Werken geht es finanziell nicht schlecht. Wie den Erfolgsrechnungen der letzten Jahre zu entnehmen ist, kann man jeweils ein Unternehmensergebnis zwischen 2,7 Millionen Franken (2010 und 2013) und 6,6 Millionen Franken (2014) vorweisen. «Es geht bei den Sperrungen auch um den Solidaritäts-Aspekt», führt Keller aus. «Wie viel ist jeder Einzelne bereit zu investieren, damit die Allgemeinheit profitieren kann?», stellt er als Schlüsselfrage. Ausserdem müsse man nicht sehr weit suchen, bis man eine Gemeinde findet, die ebenfalls noch Mittagssperren durchführt. Wallisellens Nachbargemeinde Dübendorf verfahre ebenfalls von Anfang November bis Ende Februar so.

Dietlikon hob Sperrung vor 20 Jahren auf

Im Unterland sind die Walliseller Werke jedoch die einzigen, die eine solche Sperrung vollziehen. Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), welche die meisten Unterländer Gemeinden mit Strom beliefern, nehmen in den direkt versorgten Gemeinden keine Sperrung der Waschmaschinen über Mittag vor. Nicht geladen werden hingegen nur noch Elektroheizungen und grosse Wärmepumpen. Ebenfalls keine mittägliche Waschmaschinen-Sperrung kennen die übrigen Unterländer Gemeinden, die wie Wallisellen über einen eigenen Energieversorger verfügen. Mancherorts mag man sich aber noch an die graue Vorzeit erinnern, als es noch Gang und Gäbe war, den Strom in den Waschküchen abzustellen. Johann Attenhofer, bei den Gemeindewerken Dietlikon für die Installationskontrolle zuständig, sagt dazu: «Seit etwa 1995 wird in Dietlikon auf die mittägliche Sperrung von Waschgeräten verzichtet.» Hauptgrund für die Aufhebung sei die Anpassung an die EKZ gewesen, die schon früher Apparate mit weniger als 7,5 kW ohne Sperrung erlaubten. Mit dieser Massnahme seien auch die Diskussionen mit den Neuzuzügern über dieses Thema entfallen. Nicht wenige, die am vorherigen Wohnort jederzeit waschen durften, hatten wenig Verständnis für die mittägliche Zwangspause in Dietlikon.

Nur wenige Rückmeldungen erhalten

Verständnis hat Keller für den Ärger von Neuzuzügern, die sich nicht an diese Sperrung gewöhnt sind und deshalb erstaunt oder gar erbost darauf reagieren. Allerdings halte sich die Zahl der Rückmeldungen in Grenzen. Aus diesem Grund sei die endgültige Aufhebung der Sperrung auch nie ein grosses Thema gewesen. «Wir habe sich auf andere Projekte konzentriert, welche unseres Erachtens für Wallisellen wichtiger waren, wie beispielsweise die flächendeckende Glasfasererschliessung oder die grosse Photovoltaikanlage bei der Entsorgungsstelle», sagt Keller. Ebenfalls abgesehen hat man davon, die Option anzubieten, dass man seine Waschküche von der Sperrung freikaufen kann, wie es zum Beispiel in Solothurn der Fall ist. «Dort ist es ebenfalls nur eine Handvoll Leute, die sich um die individuelle Entsperrung bemüht hat», weiss Keller.

Die Zukunft würde ohnehin flexiblere Sperren bringen. «Den Kunden wird es künftig mehr Komfort bringen, wenn sie selber bestimmen können, dass beispielsweise der Boiler während der Ferien abgestellt werden kann», sagt Keller. Deshalb sei es nun der falsche Zeitpunkt, um die bewährte Sperrung aufzuheben. «Die Kunden danach wieder für Sperrung zu begeistern, wäre dann wohl schwieriger», gibt Keller zu bedenken. ()

Erstellt: 04.03.2016, 18:45 Uhr

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