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Die Bilder eines Bülachers schreiben Geschichte

Während der Finissage der Gedenkausstellung über den Bülacher Kunstmaler Jean Kernwar nicht nur Stadtpräsident Mark Eberli, sondern auch fast hunderjährige Bülacherinnen und Bülacher und somit selber Zeitzeugen einer vergangenen Epoche im Publikum zu finden.

Kathrin Frauenfelder von der Fachstelle Kunstsammlungen erläutert vor ihrem Lieblingsbild «Der Sämann» den Malstil des Bülacher Künstlers Jean Kern.
Kathrin Frauenfelder von der Fachstelle Kunstsammlungen erläutert vor ihrem Lieblingsbild «Der Sämann» den Malstil des Bülacher Künstlers Jean Kern.
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Zum 50. Todestag des Bülacher Malers und Zeitzeugen Jean Kern tauchte man beim Abstieg auf der steilen Treppe des Sigristenkellers in einen schatzähnlichen Fundus von Arbeiten, der diesen in Bülach geborenen Mann zu einem der bekanntesten Maler der Schweiz gemacht hat.

Geprägt von seinem vierjährigen Aufenthalt in den Pariser Kunstakademien begann er nach seiner Rückkehr in die Schweiz anno 1914 mit seiner persönlichen «Note» bei der Schaffung seiner malerischen Szenen. Es sollte ein Stil werden, der sich vom eher bedrückenden braunen Hintergrund distanzieren würde. Namentlich das ländliche Zürcher Unterland habe es ihm angetan, so Kathrin Frauenfelder, Fachstellenleiterin der Kunstsammlung des Kantons Zürich.

Das Licht, insbesondere das Tageslicht, fand so den Weg in seine Bilder und hinterliess die den Betrachter fast mit Lieblichkeit anstrahlenden und angenehm zu studierenden Werke. Das Atelier als dunkle Arbeitsstube verlor für ihn seinen Reiz und er suchte sich seine Arbeitsplätze fortan draussen in der Natur.

Für die Nachwelt erhalten

1924 widmete der Bülacher Kunstmaler der Kirche vier Wandgemälde mit biblischen Szenen. Seit diese 1968 im Zuge der Renovation und bloss ein Jahr nach seinem Tod entfernt worden sind, tauchen seine Skizzen, Drucke und gemalten Bilder an unterschiedlichen Standorten in der Schweiz auf.

Vermehrt findet man seine Werke wie etwa der Frauenakt «Mädchen beim Lesen» oder das Panoramabild «Bei der Tössegg» auch auf Internet-Auktionsseiten. Das anfangs der 20er Jahre entstandene Bild «Madonna del Sasso» ist zur Zeit auf der Schweizer Internetplattform Ricardo für 225 Franken zu kaufen.

Um den Bülachern die Erinnerung an diesen zur Geschichte der Stadt nicht mehr wegzudenkenden Künstler lebendig zur erhalten, fand eine einwöchige Gedenkausstellung statt. Dazu lieh die Baudirektion dem Kurator und Vizepräsidenten der Stiftung Jean Kern, Hans Kern, das Bild «Der Sämann». Für den Enkel des Künstlers eine Trouvaille, für die Fachstellenleiterin der Kulturkommission ein Werk, an und durch welches man die Mal-Philosophie des Künstlers dem Publikum erklären kann.

Blick in die Vergangenheit

Die sorgsam aufgelegten und dank Klarsichtmappen greifbar vorbereiteten Drucke und Skizzen verleiteten viele Besucher und Besucherinnen zu einem «Weisch no?»-Schwatz. «Jeden Tag fanden rund 40 Personen den Weg in die Ausstellung», erklärte Hans Kern. Es sei schön für ihn gewesen, wie das alte Bülacher Leben dabei «lebendig» geworden sei.

Stadtpräsident Mark Eberli blieb vor einer Lithografie stehen, entstanden in einer Zeit, als der achteckige Ratshausbrunnen noch einen «kleinen Bruder» hatte – ein leise vor sich hin plätschernder kleiner Brunnen, verschwunden auf dem Platz, aber dank der Arbeit von Jean Kern für das Auge noch lange erhaltbar.

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