Rafz

Die Folgen des Hagelsturms sind unabsehbar

Auch eine Woche nach der Superzelle, die am 2. August über das Rafzerfeld donnerte, sind die Schäden in der Landwirtschaft noch gut sichtbar. Auf den Feldern der Jucker-Farm hat der Sturm den Kürbissen, Spargeln und Beeren ordentlich zugesetzt. Gut jede zweite Heidel- und Himbeere ist zerstört worden.

Die im Freien stehenden Herbsthimbeeren waren vor dem Hagel kaum zu retten: Äste sind geknickt, Früchte angeschlagen, und die Sträucher haben viel Laub gelassen – Energie, welche die Pflanzen eigentlich bräuchten.

Die im Freien stehenden Herbsthimbeeren waren vor dem Hagel kaum zu retten: Äste sind geknickt, Früchte angeschlagen, und die Sträucher haben viel Laub gelassen – Energie, welche die Pflanzen eigentlich bräuchten.

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«Versprochene Beeren füllen die Körbe nicht», lautet ein gän­giges Sprichwort aus Lettland. Wer dieser Tage einen Rundgang durch die Beerenfelder der Jucker-Farm in Rafz unternimmt, dürfte in der Tat gefrustet und mit einem fast leeren Korb nach Hause zurückkehren – denn obwohl die Ernte der süssen Heidel­beeren und Herbsthimbeeren auf dem Hof noch nicht abgeschlossen war, sind deren Sträucher fast leer gefegt.

Schuld daran sind nicht etwa Schleckmäuler, die sich an den Sträuchern bedient hätten, sondern die gewaltige Gewitter­zelle, die wohl so manchem Rafzer noch länger in Erinnerung bleiben wird. Von Hagelstürmen wie jenem in der Nacht auf den 2. August bleibt das Rafzerfeld nor­malerweise verschont; die Super­zelle kam überraschend, und man hätte gegen den Schaden, den sie in der Feldwirtschaft angerichtet hat, ohnehin kaum etwas unternehmen können.

Wie letzte Woche berichtet wurde, «massa­krierte» der Sturm vor allem die Kürbisse, die noch bis Anfang dieser Woche hätten auf den Feldern liegenbleiben sollen. Nun sind zehn Hektare, also rund ein Viertel der Kürbisfelder, komplett zerstört. Mit der Ernte der Kürbisse wartet man auf dem Hof deshalb noch zu, sagt Produktions­leiter Walter Pfister, während er durch die schlammigen Felder stapft. «Wir hoffen, dass einige Kürbisse vernarben, sodass wir sie doch noch für die Kürbisobjekte der Ausstellungen in Seegräben und Jona verwenden können.»

Gut die Hälfte der nichtgeernteten Beeren ist kaputt

Bei den Heidelbeeren und den Himbeeren, die auf den Feldern gediehen, sieht die Bilanz düs­te­rer aus. Viele Zweige der Heidelbeersträucher, die schon voller schwerer Beeren waren, knickten unter der Wucht der Hagelkörner ab; bis jetzt liegt ein ganzer Haufen Beeren und Laub auf dem Boden, und viele Früchte, die noch hängen, sind zerschlagen.

«Die frühen Sorten hatten wir bereits abgeerntet, die mittleren bis zur Hälfte – die späten natürlich noch nicht», sagt Pfister und pflückt einige Beeren von einem in Mitleidenschaft gezogenen Strauch. Daher liegt der Ernteausfall bei den blauen Beeren nun bei rund 40 Prozent. Auf dem Hof seien sie hin- und hergerissen, ob es sich noch lohne, die gesunden Beeren zu pflücken. «Es wäre eine ‹Nifeliarbeit›, sie auszusortieren.» Eine Rolle spiele dabei auch die Kirschessigfliege, die sich gerne in den angeschlagenen Früchten festsetzt und sie dadurch ungeniessbar macht.

Bei den Herbsthimbeeren sind vor allem jene Reihen betroffen, die nicht im überdachten Tunnel stehen. 20 Reihen stehen im Freien, zur Hälfte Sommerhimbeeren und Herbsthimbeeren. Während die sommerreifen Früchte schon geerntet wurden, hätte man noch bis im Oktober Herbsthimbeeren pflücken können – die sind jetzt ruiniert. «Hier rechnen wir mit einem Ernte­ausfall von rund 60 Prozent», sagt Pfister. Der Hagel hat sogar die Bewässerungsschläuche un­ter den Folien beschädigt, weshalb nun alle ersetzt werden müssen.

Die Pflanzen bräuchtendie Energie für den Winter

Selbst die überdachten Himbeersträucher haben das Unwetter nicht ganz heil überstanden. Die Hagelkörner haben das Schutzdach an einigen Stellen durch­geschlagen, wo jetzt an regne­rischen Tagen Wasser zu den Früch­ten dringt. «Für die Pflanzen an sich wäre das kein Problem. Aber nasse Himbeeren können wir nicht ernten, weil sie viel schneller grau werden», erklärt Pfister die Schwierigkeit.

Der Sturm hat nicht nur für die unmittelbare Ernte Folgen, sondern auch längerfristig. Da viele Äste eingeknickt und Laub abgefallen ist, haben die Sträucher Energie verloren, die sie für den Winter und Frühling brauchen. «Im nächsten Jahr wird sich demnach zeigen, wie gut wir die Nacht vom 2. August verkraften können», erklärt Pfister.

Trotz des traurigen Anblickes will er sich nicht beklagen. «Im ersten Moment war es natürlich ein Schock, die Felder in diesem Zustand zu sehen. Aber wenn ich es nüchtern betrachte, gehört es einfach zu unserem Beruf dazu.» Für einzelne Betriebe könne ein solcher Hagelsturm die gesamte Jahresernte gefährden. Zur Jucker-Farm gehören auch Standorte in Jona und Seegräben – so sind die Ausfälle leichter verkraftbar. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.08.2017, 08:50 Uhr

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