Bülach

Gegründet, um die Schweiz zu verteidigen

Die P-26 plante weder Umsturz noch kriegerische Handlungen. Im Falle einer Besetzung der Schweiz sollte einem Aggressor das Leben aber schwer gemacht werden. Ein Vortrag in Bülach brachte Licht in die geheime Organisation.

Die geheime Organisation P26 organisierte den politischen Widerstand. Dazu gehörten auch Übungen in Schiesskellern wie diesem.

Die geheime Organisation P26 organisierte den politischen Widerstand. Dazu gehörten auch Übungen in Schiesskellern wie diesem. Bild: Hans Rudolf Schneider

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Der Aufschrei war 1990 im Umfeld der Fichenaffäre laut und heftig. In der Schweiz habe sich eine «Geheimarmee» gebildet, ausserhalb von Recht und Ordnung. Im letzten Jahr hat der Historiker Titus J. Meier in einer Dissertation die Fakten um die geheime Organisation P-26 wissenschaftlich untersucht und in einem Buch zusammengefasst.

Am Dienstag lud der Veteranenobmann Hanspeter Olbrecht aus Kloten die Mitglieder des Unteroffiziersverein Glatt- und Wehntal ins Restaurant Kaserne in Bülach ein, um sich über die P-26 orientieren zu lassen.

Der ehemalige Berufsoffizier in Bülach, René Koller, brachte dem kleinen Kreis von Veteranen des UOV Glatt- und Wehntal, Sinn und Zweck des Projekts P-26 näher. «Die 1979 bis 9181 gegründete, geheime Kaderorganisation P-26 entstand in einer Zeit, die man sich heute nicht mehr vorstellen kann», eröffnete Koller seinen Vortrag. Während des «Kalten Krieges» musste mit dem Einmarsch von Truppen aus dem Osten gerechnet werden. Neu war das Konzept für eine geheime Organisation nicht, Widerstandsorganisationen bildeten sich in der Schweiz schon 1940 während des Krieges.

SRF setzte sich in einem stark beachteten Dokfilm mit der Organisation P26 auseinander. Quelle: SRF/Youtube

Die P-26, der Name wurde wahrscheinlich aufgrund der 26 Kantone gewählt, bestand aus Zellen mit zwei bis vier Personen, die Mitglieder kannten sich nur innerhalb ihrer Zellen. Es wurden «Schweizer Durchschnittsbürger» rekrutiert, die weder politisch links oder rechts, noch gesellschaftlich auffällig waren. Die Verantwortlichen strebten ein möglichst breites Abbild der Gesellschaft an, welche die Bevölkerung im Besetzungsfall auch akzeptierte.

Es habe sich aber als schwierig erwiesen, Frauen zu rekrutieren, da diese in den 1980er-Jahren Schwierigkeiten gehabt hätten, ihrem Umfeld die ausbildungsbedingte Abwesenheit zu erklären. Da es in der Schweiz mangels Erfahrung keine entsprechenden Ausbildungsmöglichkeiten gab, besuchte 1967 eine vierköpfige Delegation in England eine Schulung in verschiedenen Gebieten des Widerstandes.

Frage der Legalität

Über die Frage der Legalität der P-26 äusserte sich Autor Titus J. Meier in einem NZZ-Interview. «Eine gesetzliche Grundlage zur Bildung einer Geheimorganisation gab es nicht. Die P-26 war eine Kaderorganisatin, die keinen Kampfauftrag hatte und in Friedenszeiten ausgebildet wurde, um im Besetzungsfall den politischen Widerstand zu organisieren.» Wichtig beim Gerede über «Illegalität» sei zudem, dass die P-26 immer verfassungskonform gewesen sei. «Der Aufbau einer Widerstandsorganisation war dem Parlament und Bundesrat bekannt». Die Bezeichnung «Geheimarmee» sei ein Produkt der Medien gewesen.

Die P-26 wurde aus Mitteln des Militärdepartementes finanziert, pro Jahr durchschnittlich mit drei Millionen Franken. Material wie Funkgeräte oder Waffen deponierten die Mitglieder der P-26 dezentral in Luftdicht verschliessbaren Chromstahlcontainern.

Nach dem Auffliegen der geheimen Organisation wurden einzelne Mitglieder in der Öffentlichkeit angefeindet. Am Schluss seines Vortrages nahm René Koller vehement Stellung: «Es kann nicht sein, dass Schweizerbürger mit einer patriotischen Einstellung in die Pfanne gehauen werden». Koller betonte, dass er immer noch auf eine Rehabilitation für die P-26 Mitglieder durch den Bundesrat warte.

Titus J. Meier «Widerstandsvorbereitungen für den Besetzungsfall. Die Schweiz im Kalten Krieg.» ISBN 978-3-03810-332-5

Erstellt: 28.11.2018, 15:12 Uhr

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