Bülach

Die Herkunft macht den Unterschied

85 Prozent der Schüler und Schülerinnen der Kanti haben die Probezeit bestanden, Tendenz steigend. Das liege vor allem an den Massnahmen des Gymis, um Wissenslücken zu füllen, sagt Prorektorin Andrea Emonds.

Die Kantonsschule Zürcher Unterland (KZU) hat, wie einige weitere Gymnasien im Kanton Zürich, mit Fördermassnahmen reagiert, um Lücken bei gewissen Schülern aufzuarbeiten.

Die Kantonsschule Zürcher Unterland (KZU) hat, wie einige weitere Gymnasien im Kanton Zürich, mit Fördermassnahmen reagiert, um Lücken bei gewissen Schülern aufzuarbeiten. Bild: Sibylle Meier

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Auf die Aufnahmeprüfung folgt die Probezeit: Gymischülerinnen und -schüler wissen, dass sie in den ersten Monaten ihrer Kantizeit einen besonders guten Eindruck hinterlassen sollen. Aus der am Montag veröffentlichten Statistik der Bildungsdirektion geht aber hervor, dass die Probezeit je länger, je seltener eine Hürde für sie darstellt. Dieser Trend bestätigt sich auch an der Kantonsschule Zürcher Unterland (KZU): Von total 226 Schülerinnen und Schülern haben deren 197 die Probezeit bestanden. Davon sind 142 von 156 (91 Prozent) im Langgymnasium, und 55 von 70 (78,6 Prozent) im Kurzgymnasium. Das macht einen Schnitt von 84,8 Prozent.

Ein Vergleich zu den beiden vorherigen Schuljahren zeigt: 2015/16 bestanden auf der Ebene Langgymnasium nur 81,7 Prozent der Kinder die Probezeit, im Schuljahr 2016/17 waren es 86,1 Prozent. Im Kurzgymnasium lag die Quote vor zwei Jahren bei 78,8 Prozent, letztes Jahr bei 71,8 Prozent. Der Gesamtschnitt lag damit bei 80,2 respektive 78,9 Prozent.

KZU-Prorektorin Andrea Emonds ist für das Aufnahmeverfahren an der Kanti Bülach zuständig. Im Interview erklärt sie, welche Massnahmen der KZU zu diesem Ergebnis beitragen.

Frau Emonds, die KZU liegt kantonal bezüglich der Aufnahmequote nach der Probezeit genau im Schnitt. Wie erklären Sie sich die grossen Unterschiede in den verschiedenen Gymnasien?
Andrea Emonds:– Die Bildungsdirektion hat dazu letztes Jahr eine Studie veröffentlicht und festgehalten, dass es gewisse Zusammenhänge zum Sozialindex der Kinder und Jugendlichen gibt ­­– es spielt also eine Rolle, aus welcher Schicht sie kommen, und die sind in den Einzugsgebieten der Gymnasien unterschiedlich. Auch die in der Familie gesprochene Sprache spielt mit: Kinder und Jugendliche, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, sind in der Probezeit weniger erfolgreich.

Warum ist die Aufnahme­quote im Langgymnasium nach der Probezeit höher als im Kurzgymnasium?
Kinder, die nach der sechsten Primar­stufe ins Untergymi kommen, sind in Bezug auf ihren Lernstand homogener. Die Unterschiede zwischen Zweit- und Drittsekschülerinnen und -schülern sind schon deutlich grösser: Wer ab der dritten Sekundar­stufe ins Gymnasium kommt, hat ein Jahr Vorsprung, ist ein Jahr älter und reifer. Das macht gerade in der Pubertät einen grossen Unterschied.

Was trägt denn dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler die Probezeit vermehrt bestehen?
Das lässt sich nicht auf einen Faktor reduzieren. Erstens und primär liegt es daran, dass die Gymnasien mit Fördermassnahmen rea­giert haben, um Lücken bei gewissen Schülerinnen und Schülern aufzuarbeiten. Die KZU tut dies seit drei Jahren intensiviert. Wie diese Massnahmen aussehen, ist je nach Fach unterschiedlich und von der Lehrperson abhängig – meistens handelt es sich um zusätzliche Fragestunden oder ergänzendes Arbeitsmaterial, das den Jugendlichen zur Verfügung steht. Auf kantonaler Ebene wurde ausserdem der Dialog zwischen den Volksschulen und den Gymnasien durch das Projekt VSGYM gestärkt, was bereits erste Ergebnisse erzielte. Ein dritter Grund ist, dass die Probezeit verlängert wurde.

Inwiefern spielt die Länge der Probezeit eine Rolle?
Seit dem Schuljahr 2012/13 dauert die Probezeit nicht bis Ende November, sondern ein ganzes Semester, also bis im Februar. Den Jugendlichen wird so mehr Zeit für die Umgewöhnung eingeräumt: Der Übertritt ans Gymnasium bedeutet, sich mit einer neuen Schule und einem neuen Ort auseinanderzusetzen – und dann noch mit anderen Lehrpersonen in jedem Fach. Diese Umstellung darf nebst der zu erbringenden schulischen Leistung nicht unterschätzt werden. Umgekehrt hat die Lehrperson auch mehr Zeit, den Schüler und die Schülerin einzuschätzen: Wer einen schwierigen Start hat, fällt nicht mehr so leicht durchs Netz. Wir nehmen das als sehr positiv wahr. (zuonline.ch)

Erstellt: 14.05.2018, 20:56 Uhr

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