Opfikon

Die «Pischte» lässt Stellenlose landen und wieder starten

Das Arbeitsintegrationsprogramm «Pischte» der hilft Langzeitarbeitslosen, wieder Tritt in der Berufswelt zu fassen.

Mona Bürgisser Bereichsleiterin «Pischte», und Teilnehmer J.T. aus Dietlikon räumen zusammen mit anderen ein grosses Einfamilienhaus in Kloten aus. Was vom Inventar noch brauchbar ist, kommt in den Lastwagen mit den Dingen fürs Brockenhaus.

Mona Bürgisser Bereichsleiterin «Pischte», und Teilnehmer J.T. aus Dietlikon räumen zusammen mit anderen ein grosses Einfamilienhaus in Kloten aus. Was vom Inventar noch brauchbar ist, kommt in den Lastwagen mit den Dingen fürs Brockenhaus. Bild: Francisco Carrascosa

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8.30 Uhr im Büro der «Pischte» an der Rohrholzstrasse 53 in Opfikon, gleich neben dem Werkhof und dem Brockenhaus. Die vier Teilnehmer, die an diesem Mittwoch bei einer Hausräumung mithelfen, sind pünktlich eingetroffen. Betreut werden sie von Gruppenleiter Domagoj Lecher und Praktikant Mischa Ballmann. Auch mit dabei ist die Bereichsleiterin der «Pischte», Mona Bürgisser.

Einfamilienhaus räumen

Mit zwei Lastwagen fährt die Gruppe nach Kloten, wo sie am dritten Tag in Folge ein 8-Zimmer-Einfamilienhaus räumen muss. Heute gilt es noch die letzten Möbel herauszutragen, das Geschirr in der Küche auszusortieren und den Keller, die Garage sowie den Sitzplatz leerzuräumen.

J.T., 53 Jahre alt, packt tatkräftig mit an. Der Sohn einer ghanaischen Mutter und eines Schweizer Vaters lebt seit 32 Jahren in der Schweiz und hat stets als Bauarbeiter gearbeitet. Seit drei Monaten ist er in der «Pischte» mit dabei. «Es ist schwierig für mich, einen neuen Job zu finden», sagt er. Denden T. aus Eritrea nimmt seit rund einem Jahr am Beschäftigungsprogramm teil. «Das ist eine gute Arbeit», meint er zum aktuellen Auftrag. Ab und zu muss ihn Praktikant Mischa Ballmann dazu ermahnen, nicht zu viel aufs Mal zu tragen. Was vom Inventar noch brauchbar ist, kommt in den Lastwagen mit den Dingen fürs Brockenhaus, der Rest wird der Kehrichtverbrennung zugeführt.

Wieder Tritt fassen

Nebst Hausräumungen bietet sich die «Pischte» an für Gartenarbeiten oder Zügelaufträge. Ausserdem führt sie in Kloten und Opfikon je eine Sammelstelle sowie in Opfikon zusätzlich das Brockenhaus. In diesen Arbeitsbereichen werden die Teilnehmer erst eingesetzt, wenn sie nach ein paar Monaten wieder etwas Tritt im Leben gefasst haben. Ausserdem werden sie im Bewerbungsatelier bei der Jobsuche unterstützt.

Mona Bürgisser hat im Frühling letzten Jahres die Verantwortung für das Arbeitsintegrationsprogramm «Pischte» übernommen. «Ich liebe primär die Menschen und ihre Geschichten», beschreibt die Sozialarbeiterin ihre Motivation. Sie ist seit insgesamt zehn Jahren bei der Plattform Glattal tätig. (siehe Kasten).

Arbeit und Sozialkontakte

Die Teilnehmenden der «Pischte» werden von den Sozialämtern der fünf Gemeinden Wallisellen, Dietlikon, Opfikon, Kloten und Nürensdorf zugewiesen. Mehrheitlich handelt es sich dabei um Männer aus dem Handwerks-, Gastgewerbe- oder Baubereich, die schon länger aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden sind.

Dass die Teilnehmer nicht ganz freiwillig bei der «Pischte» mitarbeiten, sei manchmal spürbar, so Mona Bürgisser. «Umso schöner ist es zu sehen, dass die meisten nach einem anfänglichen Widerstand aufblühen und die sozialen Kontakte und das Gefühl, gebraucht zu werden, schätzen», freut sie sich.

Und auch die Erfolgsquote der «Pischte» lässt sich sehen: 2016 hat rund ein Drittel der insgesamt 60 Teilnehmer wieder eine feste Stelle im ersten Arbeitsmarkt gefunden.

Erstellt: 05.02.2017, 16:29 Uhr

Plattform Glattal

Die Plattform Glattal ist ein Verein, der sich für die soziale Integration von Jugendlichen und Erwachsenen einsetzt und in verschiedenen Glattaler Gemeinden soziale Angebote führt. Sie leitet in Dietlikon das Restaurant und die Bäckerei «Nota Bene» und ist in verschiedenen Gemeinden im Bereich offene und aufsuchende Jugendarbeit tätig. In Wallisellen stellt sie Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Ausbildung begleitetes Wohnen an. Im Opfikerpark ist die Plattform Glattal für die Sicherheit und Sauberkeit zuständig. Nebst dem Arbeitsintegrationsprogramm «Pischte» gibt es die Klunkerei Wallisellen, ein Beschäftigungsprogramm speziell für Frauen.
bst

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