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Die Reben sind sein Leben

Am Strickhof in Wädenswil wurden in den letzten drei Jahren ­erstmals Weinbautechniker ausgebildet. Unter den Absolventen des ersten Deutschschweizer Lehrgangs ist auch der Eglisauer Nando Oberli.

In der Ausbildung zum Weinbautechniker musste sich Nando Oberli mit Betriebswirtschaft auseinandersetzen. Am liebsten ist er aber immer noch draussen in den Reben.
In der Ausbildung zum Weinbautechniker musste sich Nando Oberli mit Betriebswirtschaft auseinandersetzen. Am liebsten ist er aber immer noch draussen in den Reben.
Sibylle Meier

Der grosse Traum von Nando Oberli (22) aus Eglisau ist es, ein eigenes Weingut zu haben. Einen wichtigen Schritt zur Verwirklichung seines Traums hat er ge­rade gemacht: Er ist der jüngste Absolvent des berufsbegleitenden Lehrgangs zum Weinbautechniker, der erstmals vom Strickhof in der Deutschschweiz angeboten wurde. Drei Jahrelang drückte er Freitag und Samstag jeweils berufsbegleitend die Schulbank.

Passion Weinbau

In seiner Sekundarschulzeit kam es zu ersten Kontakten mit dem Weinbau, als er in den Ferien auf einem Weingut geholfen hatte. Bei einem Berufswahlparcours in der Schule hatte er sich dazu entschieden, sich zum Winzer ausbilden zu lassen. Seine Lehre machte er auf verschiedenen Weingütern in der Deutschschweiz. Zum Abschluss der Lehre hat er sich auch gleich schon selber eine Rebparzelle in Eglisau gepachtet.

«Es ist jetzt gerade noch ungewohnt, dass ich am Samstag mal ausschlafen kann.»

Nando Oberli

Mit seinem ersten Ersparten kaufte er sich dann auch eine ­Kelterungseinrichtung und füllte auch seine ersten Weine ab, dieer unter Oberli & Oechsle selbst verkauft. Sieben Tage Einsatz für den Wein waren dann aber auch ihm zu viel.

Aber es war klar, dass er einen Schritt weiter wollte. So entschied er sich, den Lehrgang zum Weinbautechniker zu absolvieren. Aktuell ist er beim Juchhof der Stadt Zürich angestellt und verantwortlich für den Rebberg in Zürich-Höngg. Auf 3,2 Hekt­aren werden sechs verschiedene Rebsorten gehegt und gepflegt, aus denen rund 20 000 Flaschen Wein gewonnen werden. Dieses Jahr zwar wohl weniger. «Wir ­waren auch vom Frost betroffen, aber die Reben haben sich erstaunlich gut erholt und haben den Ausfall gut kompensiert.»

Probieren und studieren

Im Lehrgang waren Winzer und Weintechnologen, also Kellermeister. Die einen wussten wenig über den Anbau, die anderen wenig von der Kelterung. «Die Teilnehmer mussten sich erst finden», sagt Claude Gerwig, der den Lehrgang leitet. Die Erfahrungen seien aber sehr gut gewesen. «Wir haben auch vieles ausprobiert, aber wir sind definitiv auf dem richtigen Weg.» Aber die Teilnehmenden mussten auch viel studieren, insbesondere Betriebswirtschaft, strategische Unternehmensführung, Marketing, Informatik und Sprachen.

Das Studium ist für künftige Leiter grosser Rebbaubetriebe und Kellermeister gemacht. Bisher mussten Fachleute auf Studiengänge in Deutschland ausweichen. Die Nachfrage ist so gross, dass der nächste Lehrgang, der im Herbst startet, bereits ausgebucht ist.

Netzwerk für Schweizer Wein

«Es ist jetzt gerade noch ungewohnt, dass ich am Samstag mal ausschlafen kann», sagt Oberli lachend. Aber stillsitzen fällt ihm offensichtlich auch schwer: «Ich bin schon am liebsten draussenin der freien Natur», gesteht er – und hat bereits die nächsten Her­ausforderungen vor sich. Er hat schon wieder eine neue Parzelle gepachtet in Hüntwangen, auf der er ab Frühjahr die ersten Reben setzen will.

Im Jagdrevier Hüntwangen geht er auch gleich noch zwei weitere Jahre in die «Lehre», um die Zürcher Jagdprüfung ablegen zu können. Was ihm von der Aus­bildung als Weintechnologe vor allem bleibe, sei ein Netzwerkmit kompetenten Fachleuten. «Der Schweizer Wein kann nur mit Qualität überzeugen. Über den Preis kann nicht viel erreicht werden gegenüber der auslän­dischen Konkurrenz», meint Oberli.

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