Zum Hauptinhalt springen

Die Schildkröte dient als Denkanstoss

Wenn Schildkröten sprechen könnten, was würden sie uns zuflüstern? Mögliche Denkanstösse hat der Künstler und Schildkrötenliebhaber Coni Altherr auf seinen Bildern im Rahmen einer Bewusstseinskampagne dem Betrachter gestellt.

«Die Gelbrand-Scharnierschildkröte kann hinten und vorne dichtmachen und ein kleines Feuer überstehen», sagt Künstler Coni Altherr zum Bild «The world is on fire». Doch bei Brandrodungen ist sie chancenlos.
«Die Gelbrand-Scharnierschildkröte kann hinten und vorne dichtmachen und ein kleines Feuer überstehen», sagt Künstler Coni Altherr zum Bild «The world is on fire». Doch bei Brandrodungen ist sie chancenlos.
kas

Paradiesisch mutet das türkise Meer an, das fast das ganze Bild füllt. Vor dieser Traumkulisse ist ein Fischernetz ausgespannt, darin liegt eine unechte, aber riesige Karettschildkröte – verfangen, ertrunken. Ihr Kopf und die Glieder hängen vom grossen Panzer herab wie Lumpen. Ein Kollateralschaden der Massenfischerei.

Am Fischernetz ist eine Etikette angeheftet, auf ihr steht «human rights», Menschenrechte, geschrieben. Dieses Bild steht neben 14 anderen und ist noch bis am nächsten Sonntag auf dem Stadtplatz Kloten zu sehen. Gemalt hat sie der Künstler Coni Altherr. Wetterfest auf Blachen gedruckt sollen sie jedem, der Interesse hat, zugänglich sein, denn Kloten ist nur eine Station dieser Schweizer Wanderausstellung.

Tragische Schönheit

«Turtle whispers», die Schildkröte flüstert, heisst die Bewusstseinskampagne zum Artenschutz, die Schildkrötenliebhaber und -besitzer, Maler und Unternehmer Altherr zusammen mit der Organisation «We love our blue planet» ins Leben gerufen hat.

Zu jedem Bild gehört ein Titel und Denkanstösse aus der Sicht der grossen Reptilien. Denn sie, und nicht seine Meinung sollen im Zentrum stehen, sagt Altherr. «Als Künstler würde ich gerne einen Beitrag und nicht eine Lösung des Problems liefern und der wäre, anzuregen, etwas nachdenklicher zu werden.»

Dass seine modern naturalistischen Bilder primär nur optisch entzücken, möchte er nicht. Sein Anspruch als Künstler sei aber auch, dass seine Kunst «schön» sei. Die gnadenlos hässliche Eigenmächtigkeit der menschlichen Natur im Bild «Human rights» sieht er nicht im Widerspruch zum ästhetischen Wirkung des Werkes: «Die Natur hat keine Rechte. Es ist alles Menschenrecht und das ist tragisch. Aber nicht ich habe es erst mit dem Bild tragisch gemacht. Und so kann ich trotzdem versuchen, ein schönes Bild zu malen.»

Schön und mehr finden es auch die Betrachter. Klotens Kantonsrätin und Stadträtin Regula Kaeser-Stöckli meinte: «Coni Altherr zeigt uns in seiner künstlerischen Art, wie wir Menschen gedankenlos mit einer Tiergattung umgehen. Die Bilder faszinieren und auf den zweiten Blick schockieren sie auch.» Jakob Widmer aus Kloten sagte: «Die Bilder und Titel stimmen nachdenklich, rütteln auf und sind sehr interessant. Auf eine Art finde ich es auch traurig, dass man solche Szenen überhaupt malen muss, um die Menschen aufzurütteln. Es ist verrückt was wir mit der Welt anstellen.»

Wer überlebt wen?

Ausdrucksstark sind die warmen Farben und auch die grossen Tiere, obwohl sie nicht vermenschlicht werden. Ihre Augen sprechen genug für sich. Diese Idee bringt visuell das Bild «At eyelevel» näher, das eine Frau und eine Schildkröte in Menschengrösse auf Augenhöhe zeigt.

Nur manchmal gibt Altherr seinen Tieren menschlichere Züge, wie bei einem Schildkrötenberg, wo die Tiere aufeinandergestapelt mit verzogenen Mundwinkeln und verängstigt dreinschauend auf die Auslieferung nach China warten, wo sei jährlich zu Milliarden grausam geschlachtet werden oder zuvor lebendig garend in Suppentöpfen landen. «We go to China» steht in einer Sprechblase und was die Tiere erwartet zeigt sich metaphorisch am blutroten Galgen, der von der Decke herunter hängt.

Das Bild «They used to eat me» (Sie hatten die Gewohnheit mich zu essen) zeigt eine Schildkröte in einer zur Wüste verkommenen Welt, die übersäht ist mit menschlichen Schädeln. Wie es schlussendlich für die Tiere ausgeht, könne auch die Wissenschaft nicht sagen. «Wenn wir so weitermachen, hat die Schildkröte aber keine Chance», gibt der Künstler zu bedenken Um neben den künstlerischen Denkanstössen auch aktiv etwas beizutragen, arbeitet Coni Altherr an einem Forum nach der Wanderausstellung. Dieses soll unter anderem ein Naturzentrum auf Mallorca für Forschung und Artenschutz beinhalten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch