Glattfelden

Schwarzmeergrundel nähert sich dem Kraftwerk

Die invasive Fischart Schwarzmeergrundel ist bis in den Kanton Aargau vorgedrungen. Sie könnte dereinst auch das Kraftwerk Eglisau-Glattfelden erreichen und passieren.

Forscher der Uni Basel haben diese Schwarzmaulgrundel im Hafen Kleinhüningen gefunden. Sie gehört zu den 
invasiven Grundelarten, die als Schwarzmeergrundeln bezeichnet werden.

Forscher der Uni Basel haben diese Schwarzmaulgrundel im Hafen Kleinhüningen gefunden. Sie gehört zu den invasiven Grundelarten, die als Schwarzmeergrundeln bezeichnet werden. Bild: Universität Basel/Departement Umweltwissenschaften

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Schwarzmeergrundeln wandern immer weiter rheinaufwärts. Seit bald 20 Jahren haben sie sich explosionsartig im Rhein unterhalb von Basel ausgebreitet, wie es in einem Strategiebericht heisst. Seit 2011 sind sie in Basel zu finden und machen dort mittlerweile gar die Mehrheit der Fische aus. Nun wurde bekannt, dass die Invasoren es nach Rheinfelden im Kanton Aargau geschafft haben. Allzu weit ist es also nicht mehr bis zum Kraftwerk Eglisau-Glattfelden.«Die Auswirkungen auf das Ökosystem sind derzeit erst in Ansätzen bekannt», heisst es weiter im Bericht, der von den Kantonen in Auftrag gegeben wurde. Es seien aber aufgrund von Erfahrungen in anderen Ländern massive Auswirkungen auf die lokale Fischfauna zu befürchten. Die Grundeln konkurrieren nämlich mit anderen Arten um Lebensraum und Nahrung und fressen Eier sowie Jungfische.

Laich bleibt an Booten haften

Unter dem Begriff Schwarzmeergrundel werden invasive Grundelarten zusammengefasst, die aus dem Schwarzmeerraum stammen. In der Schweiz sind bisher die Schwarzmaul- und die Kesslergrundel aufgetreten. An der Verbreitung bis nach Mitteleuropa sind wohl vor allem die Frachtschiffe schuld: Der Laich der Grundeln haftet am Schiffsrumpf, oder das Schiff transportiert die Larven in seinem Ballastwasser. Laut Patricia Holm, Professorin an der Universität Basel und Mitglied der dortigen Grundelgruppe, sind die Grundeln wohl in der Lage, irgendwann das Kraftwerk Eglisau-Glattfelden zu erreichen. «Wann und ob das passiert, lässt sich nicht voraussagen», sagt Holm, die am erwähnten Bericht mitgearbeitet hat. Es sei auch wesentlich davon abhängig, ob die Grundeln von den Menschen verschleppt werden.

Holm unterscheidet zwischen aktiver und passiver Verbreitung der invasiven Art. Zu ersterer Variante erklärt die Wissenschaftlerin: Seit ihrer Entdeckung im Rhein hätten die Grundeln innerhalb von fünf Jahren das Umgehungsgewässer des Kraftwerks Rheinfelden erreicht. Dies entspreche einer zurückgelegten Distanz von 25 Kilometern in fünf Jahren. Sehr starke Strömung und hohe Fischtreppen seien wahrscheinlich nicht oder nur schwer zu überwinden. Unter passiver Verbreitung versteht sie die Verschleppung durch den Menschen, indem der Laich an Booten haften bleibt oder Grundeln als Köder verwendet werden. Für Bootsbesitzer und Fischer im Raum Basel wurden deshalb Merkblätter herausgegeben (siehe Kasten).

Fischtreppe als Gefahr

Auf die Frage, welche Rolle die kürzlich erstellte Fischtreppe am Kraftwerk Eglisau-Glattfelden bei der Verbreitung spielen könnte, antwortet Holm: «Neu erstellte Fischaufstiegshilfen, die heimischen schwimmschwachen Ar­­ten den Aufstieg ermöglichen sollen, sind aller Wahrscheinlichkeit nach auch von Grundeln passierbar.» Es seien aber bauliche Massnahmen denkbar, damit die Grundeln die Treppe nicht überwinden können. Es könnte zum Beispiel eine Stufe eingebaut oder die Fliessgeschwindigkeit des Wassers erhöht werden. «Allerdings würden diese Massnahmen sehr wahrscheinlich auch den Aufstieg von heimischen schwimmschwachen Arten behindern», sagt Holm. Die Professorin sieht einen potenziellen Interessenkonflikt: Es gelte abzuwägen, ob man die heimische Biodiversität vor invasiven Arten schützen oder den schwimmschwachen Fischen den Aufstieg ermöglichen wolle.

Akustische Sperren möglich

Neben baulichen kommen aber auch andere Massnahmen infrage: Durch eine Fotoerkennungssoftware könnten die Grundeln erkannt und entfernt werden. ­Jedoch könnte es schon an der Identifikation scheitern, denn sie ähnelt der Groppe und laut Holm werden sich die Tiere «kaum freiwillig auf den Bauch drehen, um ihre charakteristischen, verwachsenen Bauchflossen zu zeigen». Ebenfalls eine noch unerforschte Idee ist die akustische Sperre, welche die invasive Art verscheuchen würde. Holm sagt: «Das ist Zukunftsmusik.» Neben baulichen und technischen Lösungen erachtet die Forschergruppe vor allem die Mitarbeit der betroffenen Akteure als effektiv.

Erstellt: 23.07.2017, 17:36 Uhr

Was Fischer und Bootsbesitzer tun sollten

Die Kantone Basel-Stadt und Baselland, der Bund sowie die Universität Basel haben Merkblätter für Bootsbesitzer und Fischer im Raum Basel verfasst, um die weitere Verbreitung der Schwarzmeergrundeln einzudämmen. Die Flyer gehören zu einer Strategie, welche kantonale Ämter in Auftrag gegeben haben. Bootsbesitzer werden aufgefordert, ihre Boote nach dem Auswassern zu reinigen. Sie sollen dies mit einem Hochdruckreiniger tun und möglichst heisses Wasser, über 45 Grad, verwenden. Restwasser im Boot ist abzulassen. Die Bootsbesitzer sollen zudem darauf achten, dass keine Rückstände von Schmutz oder Pflanzenmaterial an Rumpf, Motor, Leinen, Anker und anderen Geräten zurückbleiben. Weiter wird empfohlen, das Boot und die dazugehörige Ausrüstung für vier Tage zu trocknen, bevor man es auf einem anderen Gewässer einwassert. Fischer wiederum sollen die Schwarzmeergrundeln nach dem Fang sofort töten. Sie sollen die Fische nicht hältern, also nicht bei lebendigem Leib aufbewahren. Auch werden sie aufgefordert, die Grundeln nicht als Köder zu verwenden. ilö

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