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Die teure Verschiebung einer Toilette

Ein neuer WC-Container kostet rund 11 000 Franken. Doch den bestehenden Container neben dem Kulturzentrum Guss39 um ein paar Meter zu verschieben, das kostet 53 000 Franken. Schuld daran sind nicht vorhandene Leitungen.

Wer das Kultur- und Begegungszentrums Guss39 in Bülach besucht, der will im Verlaufe eines Abends auch mal austreten können. Dafür steht seit Jahren ein weisser WC-Container gleich links vom Haupteingang der Kulturkantine. Doch wie der Stadtrat jetzt vermeldet, wird das nicht so bleiben: Die Allreal, die auf dem gesamten Guss-Areal den Ostteil von Bülach Nord realisiert, möchte die Grenzen des an die Stadt Bülach verpachteten südlichen Spickels, auf dem neben Guss39 auch die Asylunterkunft steht, neu ziehen.

Und die künftige, begradigte Linie, verläuft exakt zwischen Container und Kantine; in der Folge verliert das Kulturzentrum einerseits das langgezogene Nebengebäude mit Spiegelsaal, Kursräumen und Verwaltungsbüro, und andererseits eben den Standort des Gäste-WCs. Noch länger bestehen bleiben aber die eigentliche Kantine mit Kleinbühne und Bar und die Asylunterkünfte. «Unser Pachtvertrag läuft noch bis zum 31. Juli 2018», sagt Beat Gmünder, Leiter Immobilien bei der Stadt. Und deshalb werden auch die Toilettenanlagen weiterhin gebraucht. Der Kantinebau verfügt wohl über eigene sanitäre Anlagen, «die dienen aber als Personaltoiletten und dürfen von Gesetzes wegen nicht gleichzeitig vom Publikum genutzt werden». Und die Pinkelpause in den Aslybauten war auch kein gangbarer Weg.

Zwei Jahre ToiToi wären teurer

Kurzerhand entschied sich der Stadtrat also dafür, den Container zu verschieben. Doch genau das kommt die Stadt nun wesentlich teurer als zu vermuten war: Ganze 53 000 Franken hat der Stadtrat für die Versetzung bewilligt – das ist, je nach handelsüblicher Marke, vier- oder fünfmal so viel wie ein neuer Doppel-WC-Container in der Anschaffung kostet. «Ja, da haben wir auch erst einmal leer geschluckt», sagt Gmünder. «Und wir haben wirklich alle Alternativen durchgerechnet, inklusive aller Alternativstandorte und einer ToiToi-Miete. Und das Guss39 einer Toilette wegen um Jahre früher dicht zu machen war für die Stadt keine Option.

Für die zwei verbleibenden Jahre der Pacht ist die Verschiebung gemäss dem Liegenschaftenchef tatsächlich die günstigste Lösung gewesen. Dabei ist das Umplatzieren an sich nicht der Hauptkostentreiber. «Das Problem ist, dass am einzigen brauchbaren Standort, an der südwestlichen Ecke zur Schaffhauserstrasse, keine Leitungen im Boden sind.» Die Stadt muss neue Werkleitungen legen: Wasser, Abwasser und Strom. «Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass die übrigen vorhandenen Abwasserleitungen auf dem Grundstück nicht mehr den heutigen Auflagen entsprechen und angepasst werden müssen.» Das sei die eigentliche «böse Überraschung» gewesen.

Stadt plant den Kauf

Derzeit plant die Stadtregierung von Bülach, den betreffenden Teil des Gussareals, den sie heute pachtet, käuflich zu erwerben. In diesem Fall könnten Kulturzentrum wie Asylunterkunft unter Umständen deutlich länger dort bleiben, wo sie heute sind; zumindest länger als bis Juli 2018. Allerdings liegen Antrag und Weisung an den Gemeinderat zu einem möglichen Kauf noch nicht vor. Und Beat Gmünder unterstreicht, dass die Investition in die neuen Leitungen im Boden selbst dann die günstigste der Optionen darstelle, wenn das Parlament einem potenziellen Kaufvertrag gar nicht zustimmen würde.

Es hätte noch eine letzte, wenngleich hypothetische Alternative gegeben: Die Stadt hätte als Pächterin auf dem bisherigen Grenzverlauf der Pachtfläche und damit auf dem alten Standort des WC-Containers bestehen können. «Doch wir haben den Änderungen im Sinne der Stadtentwicklung zugestimmt», sagt Gmünder. Denn wegen eines einzelnen WCs das Voranschreiten in Sachen Bülach Nord um zwei Jahre zu verzögern, das könne es nun wirklich nicht sein.

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