Kloten

Schockierende Geschichten am Glamour-Anlass

Der Rahmen am 19. Wirtschaftsforum der Flughafenregion Zürich im Circus Salto Natale war glamourös. Doch Gastredner Hannes Schmid gewährte den Gästen auch Einblicke in die Lebensweise der Ärmsten dieser Welt.

Christoph Lang, der Geschäftsführer der Flughafenregion Zürich im Kostüm des Zirkusdirektors, und der Präsident des Wirtschaftsnetzwerks, René Huber (rechts) überreichen Hannes Schmid einen Scheck für dessen Hilfswerk Smiling Gecko. Foto: Sibylle Meier

Christoph Lang, der Geschäftsführer der Flughafenregion Zürich im Kostüm des Zirkusdirektors, und der Präsident des Wirtschaftsnetzwerks, René Huber (rechts) überreichen Hannes Schmid einen Scheck für dessen Hilfswerk Smiling Gecko. Foto: Sibylle Meier

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Wenn die Flughafenregion Zürich zum Wirtschaftsforum lädt, mangelt es nicht an grossen Namen. Und auch nicht an englischen Begriffen. Der Schweizer Fotokünstler und Gründer des Hilfswerks Smiling Gecko, Hannes Schmid, trat als Keynote-Speaker auf. Ebenso Christian Bach, Leiter der Abteilung Fahrzeugantriebssysteme der Empa Dübendorf.

Ort des Geschehens war am Montagabend das Zelt von Salto Natale am Flughafen. Und noch vor der offiziellen Eröffnung des Forums durch Rolf Knie fanden zahlreiche Workshops und Matchmaking-Sessions statt – das heisst: Die Gäste hatten Gelegenheit, sich intensiv austauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Zu Beginn des Hauptanlasses gab es eine gelungene Showeinlage einer Akrobatin und einer Sängerin des Zirkus Salto Natale. Darauf folgte eine kurze Begrüssung durch den Klotener Stadtpräsidenten René Huber, der auch das Wirtschaftsnetzwerk Flughafenregion Zürich präsidert. Ein Herbst ohne Wirtschaftsforum sei «kein richtiger Herbst», fand er.

Ökologische Nachhaltigkeit

Dann ging es um Nachhaltigkeit. Christian Bach hielt ein Referat zu Post-fossiler Mobilität. 80 Prozent der weltweiten Energieversorgung basiere derzeit auf fossiler Energie so Bach, weltweit gebe es insgesamt 50000 Öl-, Gas- und Kohlefelder, und die Hälfte der Reserven befinde sich im Mittleren Osten.

Um bis 2050 das «Netto-Null-Ziel» zu erreichen, müsse also noch einiges getan werden. Anhand einer Powerpoint-Präsentation über alternative Antriebssysteme und erneuerbare Energien wie Sonnen- oder Windenergie demonstrierte er die möglichen Optionen der Automobilbranche.

Schockierende Geschichte

Hannes Schmid, langjähriger und mehrfach ausgezeichneter Starfotograf, hat in den letzten sieben Jahren vor allem durch sein Hilfswerk «Smiling Gecko» Schlagzeilen gemacht. Und so kam es dazu: Der Selfmademan, der mit Werbekampagnen wie dem Marlboro-Cowboy weltbekannt wurde, traf 2012 auf ein bettelndes Mädchen in Thailand.

Was er sah, schockierte und beelendete ihn. So sehr, dass er manchmal einfach nur weinen musste. 

Das damals 13-jährige Mädchen namens Khat Waew stammte aus Kambodscha und hatte ein von Brandnarben entstelltes Gesicht. Ihr Vater, schwerst verschuldet, hatte sie mit einem Schweissbrenner so zugerichtet, um sie für ein wenig Geld an ein Bettelsyndikat zu verkaufen. «Waew hat mein Leben verändert, sie hat mich nach Kambodscha gebracht», berichtete Schmid dem schockierten Publikum.

Als er hörte, dass es auf den kambodschanischen Müllhalden noch viel schlimmer zu- und herging, wusste er, dass er etwas tun musste. Also zog er auf eine Müllhalde und wohnte dort für einige Zeit. «Ich habe eine Hütte gemietet und wurde ein Teil dieser Menschen», so Schmid. Was er sah, schockierte und beelendete ihn.

So sehr, dass er manchmal einfach nur weinen musste. Kinderprostitution, Zwangsheiraten, Krankheiten, vergiftetes Essen und verdrecktes Wasser sind nach wie vor Alltag in den Slums. «Also begann ich zu helfen, so wie viele andere Hilfswerke auch», erzählte er. Er kaufte Reis, gab jungen schwangeren Mädchen Milchpulver, da das Wasser kontaminiert war. Die Kinder nannten ihn «Papi» und fühlten sich sicher bei Schmid.

Schnell merkte der Fotograf aber, dass all dies auf die Dauer nichts brachte. Kurzum beschloss er, hunderte Kinder in die Schule am Stadtrand zu schicken, er kaufte ihnen Uniformen, organisierte einen Transport. Doch das war bloss der Anfang. Innert weniger Jahren gründete Hannes Schmid sein Hilfswerk «Smiling Gecko». Mit diesem Projekt betreibt er Biobauernhöfe, Schulen, Wohnhäuser für Familien – alles auf von ihm gekauftem Land.

Breite Unterstützung

Das gesamte Know-How hat sich Schmid durch «learning by doing» erarbeitet. Auch dank vieler Schweizer Firmen und Einzelpersonen, die das Projekt unterstützen. Studentinnen und Studenten der ETH Zürich hatten beispielsweise die Pläne der Grundschule entworfen.

Von Krankenhäusern oder Gastronomiebetrieben bekommet «Smiling Gecko» alte Gerätschaften, die noch einwandfrei funktionieren. Aber das Wichtigste an dem NGO ist die wirtschaftliche Nachhaltigkeit: Hilfe zur Selbsthilfe. Anstatt Milliarden von Spenden in die dritte Welt zu pumpen, hilft «Smiling Gecko» vor Ort und investiert in Bildung, Innovation und Nachhaltigkeit.

Zum Schluss wurde der Organisation vom Wirtschaftsnetzwerk ein Spendenscheck überreicht.

Erstellt: 19.11.2019, 12:50 Uhr

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