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Dietlikons Meisterstreich

Eine lange Durststrecke ist zu Ende: Zum ersten Mal seit 2009 trinken die Spielerinnen des UHC Dietlikon wieder aus dem Meisterpokal. Im dritten NLA-Superfinal in der Klotener Swiss-Arena entthronen sie Piranha Chur mit einem 7:2.

Line-Up UHC Dietlikon.
Line-Up UHC Dietlikon.
Urs Brunner
Letzte Motivationsspritze beim UHC Dietlikon vor dem Anpfiff.
Letzte Motivationsspritze beim UHC Dietlikon vor dem Anpfiff.
Urs Brunner
Dietlikon feiert den verdienten Meistertitel.
Dietlikon feiert den verdienten Meistertitel.
Urs Brunner
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Endlich. Endlich ist es geschafft. Nach drei verlorenen Playoff-Finalserien und zwei Superfinal-Niederlagen gegen Piranha Chur gelingt Dietlikon die Wachablösung an der Spitze des Schweizer Frauen-Unihockeys. Strahlend nehmen die Dietlikerinnen die auffallend herzlichen Gratulationen der Gegnerinnen entgegen, auf ihren Köpfen glänzen die vor­aus­schauend organisierten Meisterhüte golden im Scheinwerferlicht. Einzig der Trainerstaff lässt es bei schwarzen Baseball-Caps bewenden. «Wir sind zu alt für diesen Glitzer», meint Cheftrainerin Simone Berner am Spielfeldrand scherzend.

Als Captain wurde sie in der ­erfolgreichen Dietliker Ära zwischen 2003 und 2009 an fünf Meisterfeiern jeweils von ihrem Team in die Höhe gehoben, am Samstag in der Swiss-Arena bleibt sie mit beiden Beinen auf dem Boden, steht still vergnügt daneben und schaut den Spielerinnen zu, wie sie ihre Hüte in die Luft werfen. «Als Trainerin habe ich eine andere Rolle, emotional bin ich eindeutig weniger involviert als noch als Spielerin», bemerkt Berner und hängt lächelnd an: «Es macht das Gewinnen nicht weniger schön.» Nach acht Jahren ohne durchschlagenden Sieg ist mit der 32-jährigen Rekord­internationalen als Coach der Erfolg nach Dietlikon zurückgekehrt. Der jüngste Coup bedeutet für die Glattalerinnen den insgesamt sechsten Meistertitel und nach dem Cupsieg Ende Februar das vierte Double der Vereins­geschichte.

«Richtig cool»

Minutenlang tanzen die Spielerinnen nach der Pokalübergabe ausgelassen vor ihren Familien und den mitgereisten Fans, herzen den stämmigen Meisterpokal und kosten ihren Sieg in vollen Zügen aus. Anders als nach den vergangenen zwei Superfinals, als die Journalisten nach dem Abpfiff buchstäblich in die Mixed-Zone rennen mussten, um noch einer tief enttäuschten Dietlikerin ein paar Worte abzuringen, bevor sie in der Kabine verschwand, ist an diesem frühen Samstagabend Warten angesagt. Irgendwann treffen dann Trainerin Simone Berner, Topskorerin Andrea Gämperli und Captain Linn Lundström ein. Die schwedische Nationalspielerin erklärt sogleich freudestrahlend: «Das ist schon was ganz anderes als die letzten zwei Mal.» Wie das Team die ganze Saison und jetzt am ­Ende gespielt und gewonnen ­habe, sei einfach «richtig cool». Lundström benennt kurzerhand die Gründe, die es ihrer Meinung nach möglich machten, die eindrückliche Churer Serie von fünf Meistertiteln in Folge zu beenden: «Wir sind körperlich besser trainiert, haben taktisch dazu­gelernt, und Simone hat als Trainerin ein unglaublich gutes Gefühl dafür, wann es in einem Spiel Druck zu machen gilt.»

Kaum ist es ausgesprochen, wird Lundström auch schon von ihrer schwedischen Mitspielerin Ann-Sofie Sundholm abgeholt. «Wir brauchen unseren Captain zum Feiern, dringend», ruft sie lauthals. Lundström aber hat ­keine Eile: «Wir haben noch die ­ganze Nacht Zeit, um Party zu machen», erwidert sie lachend. Für Sundholm ist die Meisterfeier zugleich auch ein Abschiedsfest. Gemeinsam mit der finnischen Nationalverteidigerin Laura Mertsalmi reist sie zurück in den hohen Norden. Was denn zum Abschied getrunken werde in der Kabine, wird sie gefragt. «Der Sieg», antwortet sie übermütig. «Er schmeckt wunderbar.» Das wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil die Leichtigkeit dieser Meisterfeier mit 60 Minuten harter Arbeit verdient werden musste.

Dietliker Doppelschlag

Das Resultat von 7:2 täuscht ein wenig darüber hinweg, dass die Partie erst in der Schlussviertelstunde entschieden wurde und Dietlikon unter Beobachtung von 6811 Zuschauern einen ungewohnt fehlerhaften Start hinlegte. Seraina Ulbers 1:0 für Chur in der 6. Minute war zu diesem Zeitpunkt verdient. Rückblickend erklärt Simone Berner, sie sei nicht unschuldig daran, dass ihr Team so nervös begonnen habe: «Wir waren etwas gar früh dran und mussten lange in den Katakomben warten, bis wir in die Halle einlaufen konnten. Da blieb ­etwas zu viel Zeit zum Nach­denken.» Das Nervenflattern der Dietlikerinnen legte sich erst mit dem kraftvollen Ausgleichstreffer von Andrea Gämperli (12.), die mit ihrem knallroten Topskorer-Shirt für Piranha Chur in dieser Finalpartie anhaltend für Tor­gefahr sorgte. So auch in der25. Minute, als die 22-jährige Nationalstürmerin mit einem exquisiten Pass durch den Slot Linn Lundström bediente, die zum 2:1 traf. Die Vorentscheidung führte Dietlikon dann in der 46. Minute mit einem Doppelschlag herbei.

Zuerst fegte Karin Güttinger wie ein kleiner Wirbelwind durch die Churer Verteidigung und liess sich dabei nur von den sechs in der Swiss-Arena installierten Kameras des Schweizer Fernsehens einfangen. Sekunden später wurde dann Linda Pedrazzoli am Pfosten von allen vergessen, nur nicht von Andrea Gämperli. Die Dietliker Topskorerin war mit ihren 184 Zentimetern in diesem Spiel nicht nur körperlich, sondern auch spielerisch die Grösste auf dem Feld. Nervenstark von Beginn weg, zielstrebig, kaum vom Ball zu trennen, schwer zu lesen, schnell, fast fehlerfrei, frech, als sie beim 5:2 den Ball zwischen den Beinen von Churs Topskorerin Flurina Marti hindurch zu Isabelle Gerig spielte, und unermüdlich auch in den Schlussminuten, in denen Dietlikon seine Führung nicht mehr preisgab, sondern im Gegenteil das verzweifelte Anrennen der Bündnerinnen noch mit zwei weiteren Treffern konterte.

Luft nach oben

Meisterin und Cupsiegerin, Liga-Topskorerin, ein Tor und vier ­Assists erzielt im Superfinal, verdientermassen zur besten Spielerin gewählt, all das hätte Andrea Gämperli sich vor der Saison nicht träumen lassen. «Ich warja kurz vor Meisterschaftsstart noch verletzt, wusste nicht, wo ich stehe», sagt sie. Doch mit jedem Spiel und jedem Tor wuchs ihr Selbstvertrauen. Am Ende der Qualifikation reichte es Gämperli bis zuoberst auf den Zürcher ­Prime Tower zur Ehrung der Topskorerinnen. Und Simone Berner? Sie hat in ihrem ersten Jahr als Cheftrainerin mit Supercup, Cup und Meisterschaft bereits das Triple geholt. Gibt es da überhaupt noch Luft nach oben? Berner lächelt und meint: «Natürlich.» Natürlich! Gesagt hat sie es bereits Anfang der Saison, als ihr Team noch keinen einzigen Ernstkampf bestritten hatte: «Wir wollen wieder Europacup spielen. Und irgendwann im Europacup-Final stehen. Dafür müssen wir aber zuerst Schweizer Meister werden.» So weit ­wären sie jetzt.

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