Dietlikon

Dietlikons Sperrmüll soll nach Wallisellen

Ende Jahr schliesst das Dietliker Recylingcenter der Herzig AG. Dass die neue Hauptsammelstelle Mülliland in Wallisellen liegt, passt nicht allen.

Das Mülliland in Wallisellen wird ab 2020 neue Hauptsammelstelle für die Gemeinde Dietlikon.

Das Mülliland in Wallisellen wird ab 2020 neue Hauptsammelstelle für die Gemeinde Dietlikon. Bild: David Kueenzi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Wogen gehen hoch in Dietlikon. Grund dafür ist die Mitteilung der Gemeinde, dass ab Januar 2020 das Mülliland in Wallisellen neu Hauptsammelstelle für Sperrmüll und Recyclinggut ist. Eine kurze Ankündigung dazu im amtlichen Publikationsorgan «Kurier» vom 10. Oktober war zugleich der Startschuss für eine Flut an Leserbriefen. In den folgenden Ausgaben des Lokalblattes verschafften sich viele Dietlikerinnen und Dietliker Luft. «Gerade jetzt, wo jeder von Umweltschutz, Abfallbergen und Nachhaltigkeit spricht, schliesst unsere Entsorgung. Gehts noch?», konnte man lesen. «Das ist für unsere Gemeinde ein Rückschritt!» oder «Wäre es nicht die Aufgabe einer Behörde, das Heft in die eigene Hand zu nehmen und der Bevölkerung eine neue, gemeindeeigene Lösung zu präsentieren, statt einfach auf die Infrastruktur des Nachbarn abzustellen?»

Der Aufschrei blieb im Gemeindehaus nicht unbemerkt. Im «Kurier» vom 31. Oktober legte der Gemeinderat auf einer ganzen Seite nach. Unter dem Titel «Recycling in Dietlikon» fasste die Behörde die ganze Geschichte zusammen. 2011 habe die Gemeinde die Hauptsammelstelle neu organisiert. Mit der Eröffnung des Recylingcenters an der Bahnhofstrasse 7 sei die Verantwortung für dessen Betrieb an eine private Firma – die Herzig AG – übertragen worden. Nach der Übernahme der Abfallentsorgung Herzig AG durch die Loacker Swiss Recycling AG im Oktober 2018 wurde die Entsorgungsstelle einer vertieften Analyse unterzogen. Es habe sich herausgestellt, dass der übernommene Standort für Loacker finanziell nicht rentabel sei und monatlich hohe Verluste verzeichnet. Insbesondere seien die Altstoffpreise eingebrochen und mittelfristig sei keine Besserung in Sicht.

Genügend Alternativen

Aufgrund dieser Perspektiven sah sich Loacker gezwungen, den Betrieb in Dietlikon aufzugeben. Diesen «strategischen und nachvollziehbaren Entscheid» habe die Gemeinde zu respektieren, weil genügend Alternativen angeboten würden, schreibt der Gemeinderat weiter. Die Gemeinde biete weiterhin mit Hofwiesen und Faisswiesen zwei Sammelstellen an, wo Altglas, Alu/Blechdosen und Textilien kostenlos entsorgt werden können. Zudem würden Altpapier und Karton weiterhin an den monatlichen Strassensammlungen abgeholt. Brennbares Sperrgut könne wie gewohnt, mit entsprechenden Sperrgutmarken, jeden Dienstag der Kehrichtabfuhr mitgegeben werden.

Die Herzig AG war seit 2011 Hauptsammelstelle Dietlikons. 2018 wurde die Firma von der Loacker Swiss Recycling AG übernommen. Ende 2019 wird der Standort geschlossen.

Trotz Schliessung der Hauptsammelstelle komme die Gemeinde mit diesem Angebot ihren Pflichten aufgrund der rechtlichen Grundlagen der Kehrrichtverordnung nach und erfülle diese vollumfänglich, teilt die Gemeinde weiter mit. Der Weg zur neuen Hauptentsorgungsstelle in Wallisellen werde zwar etwas länger. Ein Mehrweg von rund 500 Metern erscheine angesichts der Kostensituation und auch im Vergleich mit anderen Gemeinden und Quartieren jedoch als zumutbar. Das Mülliland sei damit, zumindest als vorübergehende Lösung, eine durchaus akzeptable Alternative. Die Einrichtung einer weiteren Sammelstelle in Dietlikon werde aber derzeit geprüft. Leider würden neue Standorte oft am Widerstand der Nachbarschaft scheitern, welche Immissionen wie Verkehr, Lärm oder Geruch befürchten.

Das lange Schreiben des Gemeinderats hatte aber keinen besänftigenden Effekt. Bereits im nächsten «Kurier» vom 7. November war zu lesen: «Was der Gemeinderat uns letzte Woche als Lösung vorgeschlagen hat, ist, mit Verlaub, speziell im Rahmen von Ökobewegung und grüner Welle eine Frechheit.»

«Acht Jahre lang verwöhnt»

Dietlikons Gemeindepräsidentin Edith Zuber kann die Aufregung im Dorf verstehen – zumindest teilweise. Auch sie bedauert, dass der Standort Dietlikon aufgegeben wird. «Mit dem Angebot der Herzig AG wurden wir acht Jahre lang verwöhnt», hält sie fest. Im Gegensatz zum Mülliland, wo man häufiger auf einen Parkplatz warten muss und nur schmale Schlitze für Altpapier oder Karton zur Verfügung stehen, sei die Anlage in Dietlikon grosszügiger konzipiert. «Man kann mit dem Auto anfahren, sein Recyclinggut auf ein Wägeli laden und damit zu den Containern fahren.» Dennoch sei das Mülliland eine gute Anschlusslösung.

Dass die geplante Schliessung ein derart negatives Echo auslöst, hat Zuber erwartet. «Bereits 2011, als beschlossen wurde, die Herzig AG zur neuen Hauptsammelstelle zu ernennen, wurden die periphere Lage und der Umstand kritisiert, dass nun private Firma für die Entsorgung zuständig ist», führt sie aus. Die Idee, dass anstelle des Müllilands der Werkhof Hofwiesen zur Hauptsammelstelle wird, wie es vor 2011 der Fall war, sei nicht realisierbar. «Für den Bau des Brüttenertunnels wird der Werkhof weichen müssen», sagt Zuber. Ende November werde der Gemeinderat weiter informieren.

Erstellt: 13.11.2019, 16:10 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben