Bülach

Ein Gottesdienst mit Jodlern und Gardisten

Ehemalige Gardisten in Originaluniformen sowie der Bülacher Jodelchor bereichterten am Sonntag den Gottesdienst in der katholischen Kirche. Stephan Vogler, Obmann der Sektion Zürich der ehemaligen Gardisten, lud sie dazu ein.

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Respektvoll erhoben sich die Kirchengänger als die zehn Gardisten in geordneter Formation in die katholische Kirche schritten und jeder seinen Platz, mit der Hellebarde in der Hand, einnahm. Nach der Eröffnung durch Pfarrer Jaroslaw Duda überbrachte Obmann Stephan Vogler aus Wasterkingen und ebenfalls ehemaliger Schweizergardist Grussworte an die Kichgemeinde Bülach und alle Besucher. Das sonntägliche Geschehen hat der Bülacher Jodlerchor massgeblich mitgestaltet. Dass die aussergewöhnliche Mischung grosses Interesse fand zeigte sich darin, dass die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war. Etliche Besucher fanden keinen Sitzplatz mehr.

Der Bülacher Jodelchor unterhielt die Kirchgänger mit seinen urchigen Klängen und rundete den Gottesdienst mit der Zugabe «Singe wei mir, jutze wei mir» ab. Stefan Vogler freute sich, dass die Schweizergarde so viele Kirchenbesucher anlocken konnte und meinte: «Die Mischung aus urchigem Jodel flankiert von Gardisten in Originaluniformen wird es vermutlich so schnell nicht wieder geben.»

Einmal Gardist – immer Gardist

Seit 25 Jahren steht Stephan Vogler der Vereinigung ehemaliger päpstlicher Schweizergardisten der Sektion Zürich als Obmann vor. Mit Überzeugung und Herzblut leitet er die Zürcher Sektion mit über 100 Mitgliedern, welche eine der dreizehn Sektionen darstellt. In seinem Grusswort umriss Vogler das Vereinsleben und lüftete das Geheimnis der oft lebenslänglichen Männerfreundschaften. «Wir sind ein eingeschworenes Völklein, das gemeinsam viel erlebt hatte und einen exklusiven Dienst tun durfte,» sagte Vogler. «Gardist kann nur der werden, der Schweizer Bürger ist, die RS und eine Berufslehre abgeschlossen hat und einen tadellosen Leumund vorweisen kann», führte er aus.

Er habe die RS sehr gerne absolviert, fand den Dienst in Rom schon immer sinnvoll und ihm gefiel die Uniform der Schweizergarde. So meldete sich der 22-jährige Stephan Vogler nach seiner Lehre zum Koch und Konditor zum päpstlichen Dienst. 25 Monate dauerte seine Dienstzeit von 1968 bis 1970. In der Grundausbildung lernte er Nahkampftechniken, Personenschutz und die Handhabung der Hellebarde.

Die Gardisten wohnten im sogenannten Quartier, in unmittelbarer Nähe zum Papstpalast und waren für die Sicherheit von Papst Paul VI verantwortlich. Dies hätte im Ernstfall für die Männer bedeutet ihr Leben dafür hinzugeben. «Wir haben auf die Gardefahne geschworen und diese grosse Verpflichtung hört nie auf», führte der Wasterkinger aus. Für alle ehemaligen Söldner gilt deshalb: «Acriter filediter- sempre! Tapfer und treu – Immer!»

Auch treu im Berufsleben

Nach seiner Zeit in Rom kehrte Stephan Vogler in die Schweiz zurück und fing in der Küche der damaligen Swissair zu arbeiten an. 33 Jahre lang war er der Firma treu und kam dann in den Genuss der vorgezogenen Frühpensionierung. «Ich habe die sehr guten Jahre der Fluglinie erlebt», blickte er zurück. Den Gardisten blieb er stets eng verbunden und konnte es oft einrichten, während seiner Ferien in den Aushilfsdienst nach Rom zu gehen. Der 71-Jährige versteht die Gardisten als Botschafter der Schweiz und die Verbundenheit motiviert ihn weiterhin sich für die Vereinigung einzusetzen und wenn möglich dafür zu sorgen, dass heutige Rekruten sich für diesen Dienst interessieren. Während die Männer die Generalversammlung am Nachmittag abhielten, führte der ehemalige Stadtpräsident Jakob Menzi die Frauen durch sein Städtchen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 20.03.2017, 14:01 Uhr

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