Opfikon

Ein Jahrzehnt im Dienst der Integration

Seit Jahren setzt sich die Syrierin Inaam Al Lahham Al Haristany aus Opfikon für Integration ein. Die offiziellen Lorbeeren erntet sie jetzt.

Als Brückenbauerin zwischen den Kulturen ausgezeichnet: Inaam Al Lanham Al Haristany aus Opfikon.

Als Brückenbauerin zwischen den Kulturen ausgezeichnet: Inaam Al Lanham Al Haristany aus Opfikon. Bild: Sibylle Meier

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Für Inaam Al Lahham Al Haristany kann die Bilanz für dieses Jahr wohl nur positiv ausfallen. Die 38-jährige Opfikerin aus Damaskus erntet für ihren jahrelangen Einsatz für die Integration von Menschen aus dem arabischem Raum im Kanton Zürich eine wichtige Auszeichnung. Am 18. November wurde ihr im Generationenhaus Bern zusammen mit 21 anderen Gewinnern der NCBI Brückenbauer-Preis verliehen.

Der NCBI Schweiz ist das «National Coalition Building Institute», ein konfessionell und parteipolitisch neutraler Verein, der sich für den Abbau von Vorurteilen, Rassismus und Diskriminierung sowie für Gewaltprävention und Konfliktlösung einsetzt. Die Gewinner wurden in einem öffentlichen schweizweiten Online-Voting ausgewählt.

Preis für Integrationshilfe

Aus dieser Gruppe hat eine vierköpfige Jury nochmals sieben Gewinner für den Jury-Preis ausgewählt. Auch unter diesen ist Al Lahham zu finden. Die vierfache Mutter zeichnet sich durch den Aufbau und Leitung der arabischen Schule «Dar Al Farah» (Haus der Freude) in Zürich aus, die sie 2003 gründete. Der Verein hilft Kindern einerseits sprachlich und kulturell ihre Wurzeln zu leben und andererseits sich in die Schweizer Kultur zu integrieren.

Die politisch und religiös neutrale Schule ist die einzige, die seitens der Schuldirektion des Kantons Zürich seit 2011/2012 zum Unterrichten der arabischen Sprache und Kultur anerkannt ist. Gleichzeitig bietet der Verein Integrations- und Einführungskurse für arabische Frauen. Darin geht es um verschiedenste Aspekte der Schweizer Gesellschaft.

Angefangen hat das Projekt für Al Lahham ganz klein und persönlich. Ihren Mann lernte sie vor über 14 Jahren in Syrien kennen. «Er war dazumal schon 10 Jahre in der Schweiz. Ich kam also auch her, und wir haben geheiratet». Ein erster Kurs in Syrien habe ihr gewisse Deutschkenntnisse vermittelt, doch das erleichterte den Anfang im neuen Land nicht wirklich. «Ich hatte wohl einen Kulturschock. Ich kannte die Sprache kaum, war deswegen sehr abhängig von meinem Mann, wenn ich rausgehen wollte. Ich war zwei Jahre zu Hause, fast isoliert».

Dann weckte sich in Al Lahham wieder die Kindergartenleiterin, die sie bereits in Syrien gewesen war. «Ich habe angefangen, den Kindern meines Schwagers zu Hause Unterricht in Arabisch zu geben. In Syrien haben wir im Kindergarten Sprachunterricht und Mathematik.»

Kleine Idee wird zum grossen Projekt

Mit der Zeit habe sie andere Einwanderer aus dem arabischen Raum kennengelernt. Die Idee von einem professionellen Unterricht habe sich so gebildet. Mit der Hilfe ihres Schwagers bekam sie für die ersten 12 Kinder einen Raum im Kindergarten Schwamendingen zur Verfügung gestellt. Bald waren es 40 Kinder. «Ich habe schnell gemerkt, dass die Kinder manchmal in zwei Welten leben, zu Hause in der arabischen, draussen in der Schweizer Welt. Wir wollen diese zusammenbringen. Denn wenn man Selbstvertrauen in der eigenen Kultur schöpft, dann kann man sich besser integrieren».

Untrennbar damit verbunden sei die Rolle der Mütter. «Die Mütter bleiben eher zu Hause und erleben weniger Integration als die Väter». Aber es helfe den Kindern sehr, wenn der Mutter bewusst sei, was sie für Rechte habe, wie das Versicherungs- und Schulsystem, die Politik und die hiesigen Feste aussähen. «Und es hilft den Frauen auch, selber Arbeit zu finden», sagt die Preisträgerin.

Durch die Zusammenarbeit mit dem Volksschulamt bekam Al Lahham 2003 die Bewilligung für die Schule und Räume in Oerlikon und Opfikon. Ein eigenes Gebäude hat die Schule, die momentan 125 Kinder zählt, nicht. Al Lahham arbeitet Vollzeit, die Hälfte davon ehrenamtlich, ist auch beim NCBI tätig.

«Dream Team» mit einer Schweizerin

Der Preis motiviere sie zusätzlich. «Die Resultate der Schule sind schon ein Preis. Aber ich fühle jetzt noch mehr Verantwortung, um weiterzumachen».

Die NCBI-Auszeichnungen nicht die einzigen, die Al Lahham erhalten hat: Im September gewann sie schon den Wettbewerb «Dream Teams 2015». Diesen haben die Schweizerische Flüchtlingshilfe, das Staatssekretariat für Migration und das UNO-Flüchtlingshochkommissariat lanciert. Als Hälfte des Duos Ella&Inaam, ermöglicht sie mit ihrer Schweizer Kollegin Ella, die Näherin ist, syrischen Frauen Nähkurse. Zudem setzt sich Inaam Al Lahham Al Haristany seit Jahren für syrische Flüchtlinge in Zürich ein.

Erstellt: 14.12.2015, 15:48 Uhr

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