Bülach

Ein körperlicher und mentaler Kraftakt

Am Donnerstag reist Philipp Amhof ab Richtung Amerika. Sein Vorhaben: Jenseits des Ozeans eines der härtesten Velorennen der Welt zu bestreiten, das Race Across America.

Von West nach Ost verläuft die 4800 Kilometer lange Strecke und damit durch verschiedene Klimazonen.

Von West nach Ost verläuft die 4800 Kilometer lange Strecke und damit durch verschiedene Klimazonen. Bild: pd

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Den nordamerikanischen Kontinent mit dem Rennrad durchqueren – das hat sich Philipp Amhof zum Ziel gesetzt. Für die 4800 Kilometer hat er 12 Tage Zeit. Das Race Across America ist eines der längsten Velorennen der Welt. Am 9. Juni steigt er ins Flugzeug Richtung Westen. Er fühlt sich der Tortur gewachsen, die er auf sich nimmt. Er sei zwar bereits ein bisschen nervös, sagt er, doch verspüre er vor allem Vorfreude.

Der Radprofi, der in Bülach aufgewachsen ist und dort ein Velogeschäft betreibt, hat schon an einigen harten Rennen teilgenommen. Doch was jetzt auf ihn zukommt, ist neu für ihn.Bereits nach dem Start werde er sich den Augenblick vorstellen, an dem er über die Ziellinie fahre, sagt er. Man sei zwar die meiste Zeit auf das Hier-und-Jetzt ausgerichtet. Doch es gebe bestimmt Momente, an denen er an etwas völlig anderes denke. Erfahrungsgemäss macht sich Amhof während dem Fahren Gedanken über sein Leben, über den Job, oder wohin er als nächstes in die Ferien möchte. «Es ist wichtig, dass man an positive Dinge denkt.»

30 Stunden ohne Pause

Die Strecke beginnt am Pazifik nördlich von San Diego, führt durch das trockene Arizona und weiter durch die Great Planes, der flachen Prärie im Zentralgebiet des Kontinents. Die Fahrer, die es in der vorgeschriebenen Zeit ans Ziel schaffen, haben eine durchschnittliche Geschwindigkeit von ungefähr 25 Kilometer pro Stunde. Schlafen wird Amhof gerade einmal drei Stunden am Tag. Weitere drei Stunden erholt er sich. «Wenn ich erwache, bin ich bereits massiert, ohne dass ich das gemerkt habe», sagt er. Das heisst, er wird vor Erschöpfung von seinen Pausen nicht viel mitbekommen. Er isst, duscht und schläft unter Einhaltung eines straffen Zeitplans.

Sein Team begleitet ihn in einem Camper. In diesem Tross reisen auch eine Ärztin und ein Koch mit. «Am ersten Tag werde ich 30 Stunden ohne Pausen durchfahren», sagt Amhof. Das habe zwei Gründe: Erstens nutze er den anfänglichen Adrenalinschub, der ihn keine Schmerzen spüren lasse. Und zweitens provoziere er dadurch eine zusätzliche Müdigkeit, damit er zu genügend Schlaf komme. Das Einteilen der Kräfte sei entscheidend. «Wir Rennfahrer kennen unseren Körper so gut, dass wir wissen, was möglich ist und was nicht.»

Hart an der Schmerzgrenze

Weshalb er solche Strapazen auf sich nimmt, kann Amhof nicht genau beantworten. Es gehe ihm um die mentale und körperliche Stärke. Wenn einem etwas weh tue, sei es eine Kopfsache, damit fertigzuwerden. Blessuren bespricht er mit der Ärztin. Schmerzen etwa an den Knien, am Gesäss, an den Schultern oder den Fusssohlen will er wegstecken. Bisher sei er zwar auch schon an seine Schmerzgrenze gekommen. «Überschritten habe ich sie aber noch nie.»

Ist das Wetter widerlich oder herrschen in der Wüste 40 Grad, dann beeinflusse einem das körperlich, auch wenn man mental noch so stark sei. Amhof schreckt aber auch vor besonders quälenden Abschnitten nicht zurück. «Das wird jetzt gemacht», sagt er, «unabhängig davon wie unattraktiv das Teilstück ist».

Von 50 Athleten, die am Rennen teilnehmen, schaffen es etwa 20 ins Ziel. Die Rangliste steht bereits ab dem zweiten Tag fest. Weil die Distanzen so weit sind, sehen die Teilnehmer einander unterwegs kaum. Jetzt, kurz bevor es los geht, ist der 35-jährige Sportler nach wie vor von seinem Vorhaben überzeugt. «Wenn ich die Wahl habe, Velo zu fahren oder nicht Velo zu fahren, dann fahre ich lieber.»

Zeit für Sonnenuntergang

Die Strecke verläuft nördlich der Grossstadt Cincinnati auf eine steile Etappe zu: die Überquerung der Appalachen. Die Frage, ob er auch einmal die Landschaft geniessen werde, beantwortet Amhof mit einem «Ja, aber». Die meiste Zeit werde er auf seinen Körper und die äusseren Bedingungen fokussiert sein. Auch die Ausdauer erfordere Konzentration. Doch wenn der Kopf zu sehr beim Körper sei, könne das problematisch werden. Deshalb werde er bestimmt auch einmal die Umgebung wahrnehmen und sogar etwas geniessen. «Einen schönen Sonnenuntergang registriert man schon», sagt er.

In Annapolis an der Chesapeake Bay endet das Rennen. Die Bucht ist Teil des Atlantiks und markiert das Ende des Kontinents, den die Teilnehmer, die es bis hierher schaffen, soeben durchquert haben. Was danach passiert, weiss Amhof noch nicht. «Ich habe mir für die Wochen nach dem Rennen bewusst nichts vorgenommen.» ()

Erstellt: 06.06.2016, 16:56 Uhr

News vom Rennen

Der Bülacher Philipp Amhof wird sich in seinen kurzen Pausen Zeit nehmen, seine Eindrücke aufzuschreiben. Und er pflegt einen Facebook-Blog. Auf www.raam.b2rs.ch stellt er sein Vorhaben und sein Team vor , dazu liefert er Bilder.

Ausserdem wird der «Zürcher Unterländer» in einer kleinen Serie über die Begebenheiten berichten, die Amhof am Race Across America erlebt. Dieses findet zum 35. Mal statt und beginnt am 14. Juni. Die 4800 Kilometer lange Strecke verläuft von der West- bis zur Ostküste der Vereinigten Staaten. (red)

Starker Wille:?Der Bülacher Philipp Amhof fühlt sich der Herausforderung Race Across America gewachsen. (Bild: pd)

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